Wirtschaft : Elektroautos aus der Schule

EU-finanzierte Workshops über die Zukunft der Mobilität für Berliner Schüler.

Mathias Scheithauer
Gespannt. Neuntklässer des Rheingau-Gymnasiums tüfteln an einem Automodell. Foto: thau
Gespannt. Neuntklässer des Rheingau-Gymnasiums tüfteln an einem Automodell. Foto: thau

Berlin - Ein lautes Klingeln ertönt auf den Fluren des Rheingau-Gymnasiums in Berlin-Friedenau. Die sechste Stunde ist vorbei und die Schüler zwängen sich durch die Gänge. Alle wollen möglichst schnell nach Hause. Fast alle. Im Raum 210 bleibt rund ein Dutzend Schüler der neunten Klasse länger. Sie nehmen am Workshop „Mobil mit Elektro“ teil – freiwillig.

„Unser Physiklehrer hat uns im Unterricht auf das Angebot aufmerksam gemacht“, sagt die 14-jährige Jolina. Sie glaubt, dass Elektromobilität in Zukunft wichtig für sie sein könnte. „Ich habe mich sofort gemeldet, weil das Thema im Moment überall diskutiert wird und ich immer mehr Elektroautos auf der Straße sehe.“ In 90 Workshop-Minuten lernen die Schüler, wie Autos mit elektrischer Energie angetrieben werden. Höhepunkt der Stunde: Die Jugendlichen bauen in kleinen Gruppen selber Miniatur-Elektroautos zusammen.

Der vierteilige Workshop ist Bestandteil des Projekts „Studenten machen Schule“ des Berliner Sozialunternehmens „SWiM Bildung“. In den kommenden Wochen unterrichten Lehramtsstudenten an mehreren Schulen im Bezirk Tempelhof-Schöneberg über die technischen, sozialen und ökologischen Hintergründe der Elektromobilität. Ziel des Unterrichts ist, den jugendlichen Teilnehmern eine Orientierung für das Berufsleben zu geben. Dazu dient vor allem der letzte der vier Termine, bei dem die Schüler den Euref-Energiecampus am Schöneberger Gasometer besuchen.

„Mobil mit Elektro“ ist neu im Angebot von „Studenten machen Schule“. „Bisher haben wir uns hauptsächlich auf Schlüsselqualifikationen und Wissenschaftsvorbereitung konzentriert“, sagt Initiatorin Tine Maikowski. Die Reihe wurde gegründet, weil das Thema Elektromobilität immer wichtiger für die Automobilindustrie aber auch für viele andere Branchen der deutschen Wirtschaft wird. Bis 2020 will die Bundesregierung eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen bringen. „Durch die Unterrichtsreihe wollen wir unser Angebot erweitern und berufspraktischer ausrichten“, erklärt Maikowski. „Dabei orientieren wir uns an den aktuellen Ansprüchen auf dem Arbeitsmarkt.“

Die deutsche Automobilindustrie begrüßt das Engagement. Eckehart Rotter, Sprecher des Verbands der Automobilindustrie (VDA), findet es sinnvoll, dass sich Schülerinnen und Schüler schon früh mit dem Thema Mobilität auseinandersetzen. „In Deutschland ist der Bedarf an technikaffinen Ausbildungen jetzt schon hoch, und er wird sicher weiter steigen“, sagt Rotter.

Finanziert wird „Mobil mit Elektro“ vom Europäischen Sozialfonds ESF. Er wurde von der EU geschaffen, um Beschäftigungsmaßnahmen zu unterstützen. Aus dem Budget werden auch die 200 Euro für die Elektroautos bezahlt, die die Schüler zusammenbauen. Die Studenten unterrichten unentgeltlich. Die Workshops stoßen auf große Nachfrage. „Bereits während der Testphase vor den Sommerferien haben sechs Schulen Interesse an dem Programm bekundet“, sagt Christian Johann, Sprecher der SWiM Bildung. Viele Schulen sind für das kostenlose Angebot dankbar. Am Rheingau-Gymnasium leitet Tobias Borchert den Elektro-Unterricht. Der 21-Jährige ist Lehramtsstudent an der Humboldt-Universität und glücklich, dass er erste Praxiserfahrungen sammeln kann. „Während des Studiums sind nur kleine Praktika vorgesehen, das ist mir zu wenig“, findet er. Mit „Studenten machen Schule“ war er schon an 26 Schulen.

Die Stunde neigt sich dem Ende zu und Borchert fasst die Erkenntnisse zusammen. „Eine der größten Herausforderungen für die Zukunft ist, die langen Ladezeiten der Elektroautos zu verbessern“, sagt er. Das findet Teilnehmerin Amira spannend. „Dadurch werden viele neue Arbeitsplätze geschaffen“, sagt die 14-Jährige. Sie kann sich vorstellen, in Zukunft mit Elektromobilität beruflich zu tun zu haben. „Aber wenn, dann nur in der Forschung“. Mathias Scheithauer

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