Elektroautos : Schick, umweltschonend – aber untauglich

Der Staat sollte kein Geld für Kaufprämien ausgeben, sondern in die Entwicklung von Batterien und Tankstellen investieren. Ein Kommentar

Arno Makowsky
Der BMW i3, ein Elektroauto.
Der BMW i3, ein Elektroauto.Foto: Thilo Rückeis TSP

Von null auf hundert in 7,2 Sekunden – das hat was. Vor allem, wenn der Fahrer beim Beschleunigen nur ein elegantes „Ssssssssssst“ hört, während es ihn in den Sitz drückt. Sieht auch nett aus, dieser BMW i3, so sympathisch rund, ein bisschen wie eine Mischung aus Mondfahrzeug und Papamobil. Seit der Carsharing-Anbieter „Drive now“ den i3 im Programm hat, kann sich jeder für ein paar Euro davon überzeugen, dass Elektroautos richtig Spaß machen. Vollgas geben und sich dabei als Öko fühlen – toll!

Warum kaufen so wenige Leute die Elektroautos

Warum, so fragt man sich, kaufen sich eigentlich so wenige Leute ein Elektromobil? Bis 2020, so hatte es die Bundesregierung geplant, sollten eine Million solcher Autos auf deutschen Straßen unterwegs sein. Schön wär’s. Bis jetzt sind es gerade 30 000. Im Januar wurden in ganz Deutschland genau 477 Elektrofahrzeuge zugelassen, bei Benzinern und Dieselautos waren es 218 000. Das heißt: Der Anteil der Elektroautos macht gerade mal 0,2 Prozent aus. Was kann man dagegen tun? Gibt es überhaupt ein Rezept, die Elektromobilität in Deutschland nach vorne zu bringen?

Um mit dem Monaco Franze zu reden: Des werd schwer. Aber es geht.

Gabriel will jedem 5000 Euro erlassen, der sich für E-Autos entscheidet

Mit einer Kaufprämie, wie sie gerade der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel vorgeschlagen hat, aber wohl eher nicht. 5000 Euro will Gabriel jedem erlassen, der sich für ein Elektroauto entscheidet. Klingt erst mal gut. Nur: Warum sollte ich ein Auto kaufen, das auch nach Abzug der 5000 Euro Prämie immer noch doppelt so teuer ist wie ein vergleichbarer Wagen mit herkömmlichem Antrieb? Und mit dem ich nach ungefähr 150 Kilometern an eine nicht vorhandene Tankstelle zum Aufladen fahren muss.

Der Preis ist für die Kunden gar nicht so entscheidend

Nehmen wir den BMW i3. Schickes Auto, super Design, interessante Technik. Allerdings: ein Kleinwagen. Kostet als Basismodell 34 950 Euro, inklusive einer eher zurückhaltenden Ausstattung sogar 46 000 Euro. Zum Vergleich: Für einen VW Polo muss man 12 600 Euro hinlegen. Als Benziner, klar. Wer sich trotzdem für einen Elektrowagen entscheidet, für den spielt der Preis nicht die wichtigste Rolle.

Aber was dann? Klar, das gute Gefühl, mit einem Auto unterwegs zu sein, das keine Abgase produziert und unsere Städte sauberer und leiser macht. Man könnte einwenden, dass das nicht so ganz stimmt, weil der Strom zum großen Teil mit fossilen Brennstoffen erzeugt wird – aber geschenkt. Gutes zu tun, sich vernünftig zu verhalten, macht Spaß, und dafür sind viele bereit, auch mehr zu bezahlen. Zum Glück. Ein Biohuhn kostet 14 Euro, das Industrie-Hähnchen 3,50 Euro. Und der Schrumpelapfel aus dem Öko-Laden ist auch wesentlich teurer als der hochgezüchtete Royal Gala. Die Menschen verstehen das, sie finden es sogar gut.

Das E-Auto fährt nur 150 Kilometer weit

Woran liegt es dann, dass immer mehr Leute ihre Lebensmittel im Ökomarkt kaufen, aber nicht daran denken, sich ein Elektroauto anzuschaffen? Auch dann nicht, wenn sie es sich leisten könnten. Ganz einfach: Das Biohuhn schmeckt besser als das Industriehuhn. Der Schrumpelapfel sieht nicht gut aus, aber ist viel süßer als der Gala aus Chile. Das Elektroauto hingegen ist nicht besser als ein Benzinauto, sondern schlechter. Weil sein Radius extrem begrenzt ist. Niemand kauft aber ein Auto, mit dem er nicht längere Strecken herumfahren kann. Idealismus ist schön und darf auch teuer sein – aber bekommen möchte man dafür auch etwas Gescheites.

Es müsste flächendeckend Ladestationen geben

Das bedeutet, dass man die Deutschen nicht davon überzeugen muss, dass Elektroautos sinnvoll und großartig sind. Zum Lebensstil junger Großstädter passt kein Fahrzeug besser: Es sieht cool aus und nützt der Umwelt. In den Kofferraum passt sogar Sven-Oles neuer Titanbuggy. Die hippen Gutverdiener vom Prenzlauer Berg würden den BMW i3 sofort kaufen, jede Wette. Wenn man mit ihm etwas anfangen könnte.

Sigmar Gabriels Kaufprämie erinnert deshalb an die Strategie eines Gebrauchtwagenhändlers: Die Karre bringt’s nicht, deshalb geben wir sie billiger her. Ein paar Leute wird er damit ködern, aber zum Durchbruch verhilft das der Elektromobilität nicht.

Eine Kaufprämie subventioniert Autofirmen, die eh schon Milliardengewinne machen

Der kommt ganz von selbst, wenn das Produkt stimmt. Wenn die Batterie mehrere hundert Kilometer hält und es genügend Ladestationen im Land gibt. Dafür Geld auszugeben, wäre sinnvoll. Eine Kaufprämie dagegen subventioniert Autofirmen, die schon jetzt Milliardengewinne machen.

Bis es soweit ist, fahren wir auch elektrisch. Aber nur beim Carsharing. Sssssssssssst!