Elektromobilität : Berlin baut Ladesäulen-Netz aus

Der Berliner Senat lässt den niederländischen Netzbetreiber Alliander 400 neue Ladestationen für E-Autos errichten. Außerdem soll die kundenunfreundliche Vielfalt von unterschiedlichen Ladekarten vereinheitlicht werden.

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Ohne Vertrag kein Saft. Die hohe Zahl der öffentlichen Ladesäulen (500) in Berlin ist zunächst beeindruckend. Allerdings müssen erst Verträge abgeschlossen werden.
Ohne Vertrag kein Saft. Die hohe Zahl der öffentlichen Ladesäulen (500) in Berlin ist zunächst beeindruckend. Allerdings müssen...Foto: dpa

Berlin baut das öffentlich zugängliche Netz von Ladesäulen für Elektroautos deutlich aus. Errichtet und betrieben wird die Infrastruktur von Alliander, dem größten Energienetzbetreiber der Niederlande, und dessen Tochterfirmen The New Motion und Allego. Bis Mitte 2016 soll das bestehende Netz von rund 400 Ladepunkten in Berlin um 400 weitere ausgebaut werden. Zusätzlich seien 20 Schnelllade-Stellen vorgesehen, teilte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt am Freitag mit. Später sollen je nach Bedarf bis zu 700 weitere Ladestationen folgen.

Alliander erhielt den Zuschlag am Ende einer langwierigen Ausschreibung. Berlin wählte als erste deutsche Stadt ein wettbewerbliches Vergabeverfahren. Ende 2012 wurde die europaweite Ausschreibung gestartet, ursprünglich sollten schon im Sommer 2013 private Betreiber für das Ladenetz gefunden sein. Gut zwei Dutzend Bewerber gab es. Doch das Verfahren gestaltete sich kompliziert, Berlin geriet mit seinen Plänen deutlich in Verzug. Der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur ist Teil des Schaufensters Elektromobilität, mit dem die Bundeshauptstadt sich national und international profilieren will. Der Senat rechnet mit einem maximalen Zuschussbedarf von 6,5 Millionen Euro bis 2020.

Insgesamt 1800 Elektroautos in Berlin und Brandenburg

Alliander habe sowohl beim Preis als auch bei der Technik und Dienstleistung das beste Angebot abgegeben, hieß es beim Senat. Aus ursprünglich 28 Bewerbern nahm Berlin vier in die engere Wahl.

Alliander ist ein reiner Netzbetreiber, seit Vattenfall im Jahr 2009 den Niederländern den Energieversorger Nuon („Lekker Strom“) für 8,5 Milliarden Euro abkaufte. Mit 3,1 Millionen Strom- und 2,6 Millionen Gasanschlüssen ist Alliander Marktführer in den Niederlanden. Die Aktionäre sind Provinzen und Kommunen. In Deutschland betreibt Alliander lokale Strom- und Gasnetze sowie Straßenbeleuchtungen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen. In Berlin managt die Alliander-Tochter Stadtlicht den Betrieb der 2000 Ampeln. Im April 2014 hatte das Unternehmen seine Bewerbung für das Berliner Gas- und Stromnetz zurückgezogen.

„Ich freue mich über die gute Nachricht für alle Besitzer von Elektroautos und für alle Kaufinteressenten“, sagte Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD). Die Erweiterung der Ladeinfrastruktur und deren langfristiger Betrieb seien jetzt sichergestellt. „Damit schaffen wir Planungs- und Investitionssicherheit für alle, die mit einem Elektrofahrzeug arbeiten oder sich fortbewegen.“ Geisel forderte Carsharing-Unternehmen auf, „ihre Flotten jetzt schnell auf Elektroantrieb umzustellen“.

Nach Angaben der Agentur für Elektromobilität (Emo) sind in Berlin 450 E-Fahrzeuge im Carsharing unterwegs, insgesamt werden 1800 Elektroautos in Berlin und Brandenburg gezählt. „Die Infrastruktur ist wichtig für den Markthochlauf der Elektromobilität, der 2015 beginnt“, sagte Emo-Leiter Gernot Lobenberg.

Ende der Vielfalt von Ladekarten?

Alle vom Land Berlin geförderten Ladesäulen sollen künftig mit einer Karte nutzbar sein; idealerweise mit der „Fahrcard“ des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg. Das System ist offen für private Anbieter wie etwa Volkswagen oder BMW, die eigene Zugangs- und Abrechnungskarten für das Laden von Elektroautos haben. Auch die bestehenden, privaten Ladesäulen, die zum Beispiel von RWE oder Vattenfall betrieben werden, können sich dem Verbund anschließen. „Die kundenunfreundliche Vielfalt von unterschiedlichen Ladekarten und anderen Zugangstechniken hat sich als Hemmnis für die Marktentwicklung von Elektro-Pkws herausgestellt“, sagte Senator Geisel.

Senat und Alliander machten am Freitag keine Angaben zur Höhe der Investitionen in die Infrastruktur. „Wir sind stolz darauf, dass wir dieses Projekt für die Stadt Berlin realisieren dürfen”, teilte Marcus Groll, Business Manager von Allego, mit. In den Niederlanden hat die Tochter Allego bereits ein Ladesäulen-Netz aufgebaut.

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