Elektromobilität : Strom im Depot

Traum vom Autofahren ohne Benzin, Lärm und CO2-Emission: Wie Anleger vom Megatrend Elektromobilität profitieren können.

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Volle Ladung. Autofahrer der Zukunft achten nicht mehr auf einen vollen Tank, sondern auf eine geladene Batterie. Heute reichen moderne Akkus für rund 150 Kilometer.
Volle Ladung. Autofahrer der Zukunft achten nicht mehr auf einen vollen Tank, sondern auf eine geladene Batterie. Heute reichen...Foto: picture alliance / dpa

Glaubt man Wang Chuanfu, dann können Chinesen Träume wahr machen. Zum Beispiel den Traum vom Autofahren ohne Benzin, Lärm und CO2-Emission. Doch auch der Gründer und Großaktionär des chinesischen Batterie- und Autoherstellers BYD („Build Your Dreams“) – der reichste Mann Chinas – kann nicht zaubern. Für seine Aktionäre wurde 2010 so etwas wie ein Alptraum wahr: Das in Hongkong notierte BYD-Papier stürzte nach einem steilen Höhenflug ebenso steil ab. Der Grund: BYD hatte zu viel versprochen. Statt der ursprünglich geplanten 800 000 Elektroautos verkaufte das Unternehmen im vergangenen Jahr nur etwas mehr als 500 000. Als dann noch Gerüchte aufkamen, Großaktionär Warren Buffett denke an einen Verkauf seiner BYD-Anteile gab es kein Halten mehr. BYD-Aktien, die auch im deutschen Xetra-Handel zu haben sind (Wertpapierkennnummer A0M4W9), gingen zu Boden. Eine Gelegenheit zum Einstieg?

Dass die Chinesen beim Thema Elektromobilität und Batteriezellen den Ton angeben, hat sich herumgesprochen. Auch deshalb hat sich der Aktienindex der Börse in Schanghai seit Ende 2008 verdreifacht. Doch nicht alles, was aus China kommt, ist ein Selbstläufer, wie BYD zeigt. Und: Elektromobilität ist komplexer als nur Batterie und Auto. Anleger, die daran glauben, dass die Zukunft des Individualverkehrs elektrisch sein wird, finden auf der ganzen Welt, in vielen verschieden Regionen, Branchen und Märkten Investmentideen.

Wer das Risiko streuen will, kann seit 2009 in den Absolut Future Mobility Fonds (A0RDF9) der Luxemburger Gesellschaft Alceda einzahlen (Mindestanlage 500 Euro), der ganz auf Elektromobilität setzt. Für die Erstzeichner hat sich das gelohnt: Seit seiner Auflage im Juni 2009 hat der Fonds 25 Prozent an Wert gewonnen. Vor allem seit Mitte 2010 sind Anteilspreis und Fondsvermögen deutlich gestiegen. Aktuell verwaltet der Fonds 4,5 Millionen Euro. Werden fünf Millionen Euro erreicht, was das Fondsmanagement spätestens im März anstrebt, hat ein Großinvestor weitere 500 000 Euro zugesagt. Vor allem Zulieferer wie Hersteller von Batterien und Ladetechnik sowie Entwickler und Betreiber von Ladeinfrastrukturen sind Investitionsziele des Fonds. Wichtigste Regionen sind die USA (35 Prozent) und Asien (34 Prozent). Auch BYD ist mit einem kleinen Anteil im Portfolio.

Den Schwerpunkt auf Elektromobilität setzt ebenfalls das E-Power-Automobil- Indexzertifikat der Deutschen Bank (DB3TXQ). Das Open-End-Papier bildet den Solactive E-Power Automobil Performance-Index ab, in dem zehn internationale Unternehmen notiert sind, die alternative Antriebe für Autos entwickeln oder produzieren. Darunter zum Beispiel der US-Konzern Advanced Battery Technologies, der Batterien auf Lithium-Ionen-Basis baut und mehrere Produktionslinien in China besitzt. Gemessen an der positiven Entwicklung der Aktienmärkte blieb der Index (und damit das Indexzertifikat) in den vergangenen Monaten zurück. Aktuell kostet ein Anteil rund 7,70 Euro – vor knapp einem Jahr waren es mehr als zehn Euro. Bedenken sollten Anleger, dass ein Zertifikat – im Unterschied zu einem Fonds – wertlos wird, sollte der Emittent insolvent sein.

Neben den beiden reinen E-Mobility- Produkten gibt es eine Reihe von Fonds auf dem Markt, die sich im Kontext von Mobilitätsthemen mit erneuerbaren Energien beschäftigen. Das macht Sinn, weil CO2-freies Fahren nur möglich ist, wenn der Strom nicht in schmutzigen Kohlekraftwerken entsteht, sondern aus regenerativen Energiequellen.

Seit neun Jahren im Angebot: der Vontobel Global Trend New Energy (794740), der knapp 70 Prozent in Energieversorger investiert und den Rest unter anderem in Elektromobilitätsbereiche. Zu den deutschen Investments gehören Siemens, Wacker Chemie, Repower Systems und SMA Solar. Nach einem tiefen Fall im Krisenjahr 2008 erholt sich der Fonds langsam wieder. Mit aktuell 113 Euro ist er aber noch weit von seinem Rekordhoch bei 169 Euro Ende 2007 entfernt.

Stabiler entwickelte sich der Fonds VCH New Energy (AOMJV9), der die Wertschöpfungskette von der Energieumwandlung bis hin zur Distribution und Energieeinsparung abdeckt, mit einem „Elektroanteil“ (Batterien, chemische Speicherung, Brennstoffzellen) von gut sieben Prozent. „Das Marktpotenzial für Elektroautos ist zwar langfristig enorm, kurzfristig aber kaum realisierbar“, gibt Olaf Koester von VCH zu bedenken. Investoren sollten „auf Märkte setzen, die heute schon einen ökonomisch sinnvollen Einsatz von Elektromobilität ermöglichen“ – seien es Hersteller von Antriebssystemen für den industriellen und innerstädtischen Kurzstreckenbetrieb oder Batterieproduzenten. Hoch bewertete Nischenfahrzeughersteller wie die US-Firma Tesla oder die großen Autohersteller seien hingegen aus Anlegersicht derzeit nicht mehr zu empfehlen. Anleger, die das Risiko von Einzelinvestments eingehen wollen, können gleichwohl bei den Aktien großer Zulieferer fündig werden, die in der Elektromobilität führend sind: etwa Continental (543900) oder Elring Klinger (785602). Oder sie greifen zu Unternehmensanleihen von Bosch oder Evonik.

Von hohen Erwartungen und Spekulanten nach oben getrieben wurden bereits die für die Elektromobilität relevanten Rohstoffaktien. Ob der US-Hersteller von Spezialchemikalien Rockwood (A0F5ML), der weltgrößte Kupferproduzent Freeport McMoran Copper (896476) oder der chilenische Lithium- Produzent SQM (895007) – alle haben teils große Kurssprünge hinter sich. Doch selbst, wenn sich die Hoffnungen auf ein schnelles Vorankommen der Elektromobilität nicht erfüllen sollten, bieten diese Marktführer eine in der Zukunftsindustrie seltene Qualität: Sie sind seit vielen Jahren hochprofitabel.

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