Elektrooauto : Meckern zum Geburtstag

Die Nationale Plattform Elektromobilität ist zwei Jahre alt. Aber was hat sie gebracht? Die Umwelthilfe kritisiert Geldverschwendung, die Autoindustrie freut sich über die Förderung.

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Subventionierter Flitzer. Für die Umrüstung von drei Porsche mit je zwei Elektromotoren gab es 3,7 Millionen Euro Förderung. Foto: dapd Foto: dapd
Subventionierter Flitzer. Für die Umrüstung von drei Porsche mit je zwei Elektromotoren gab es 3,7 Millionen Euro Förderung. Foto:...Foto: dapd

Viel weiter können die Einschätzungen nicht auseinandergehen: Für die einen ist die Nationale Plattform Elektromobilität eine wunderbare Erfindung, für die anderen nur skandalöse Geldverschwendung. „Im Windschatten des Budenzaubers entwickeln und verkaufen die deutschen Autobauer wie gehabt grotesk übermotorisierte und spritdurstige Fahrzeuge“, moserte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) am Mittwoch anlässlich des zweiten Geburtstags der Plattform. „Nun wird deutlich, dass die weltweit einzigartige Bündelung aller Kräfte aus Industrie, Wissenschaft, Politik, Gewerkschaften und Gesellschaft ein echtes Erfolgsrezept ist“, jubelte dagegen Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Autoindustrie (VDA) und einer der Paten der Plattform. Und er freute sich, dass die Regierung am Ziel festhält, bis 2020 eine Million Elektroautos hierzulande auf den Straßen zu haben.

Das wird schwer. „Es gibt etwas zu feiern – eine Million Elektrofahrzeuge in Deutschland“, überraschte Umwelthilfe-Geschäftsführer Jürgen Resch seine Zuhörer. Ein hübscher Gag, denn die Million hat zwei Räder: Mehr als 995 000 Stück sind Elektro-Fahrräder. Nur 4541 Elektroautos waren Anfang 2012 hier zugelassen, das sind 0,1 Promille der gesamten Pkw-Flotte. „Gleichzeitig boomen übermotorisierte Pkw – Geländewagen, SUVs und Limousinen – nirgendwo in Europa so stark wie in Deutschland“, ärgert sich die Umwelthilfe und regt einen Politikwechsel an: Verbrauchsarme und damit saubere Autos sollten steuerlich gefördert werden. Und die Finanzierung ist auch kein Problem, wenn „die entstehenden Ausgaben durch eine Höherbesteuerung nicht mehr zeitgemäßer Spritschlucker kompensiert werden“.

Die Umwelthilfe schlägt zum Beispiel „Strafsteuern“ vor für dicke Autos wie den Audi Q7. Solche Steuern würden in anderen Ländern erhoben und führten dazu, dass „bestimmte Autos verschwinden“, wie Resch meinte. Das ist selbstverständlich nicht im Sinne von Audi und der deutschen Industrie insgesamt, die gerade in der Oberklasse den Weltmarkt dominiert. Und die in Sachen Sparsamkeit ganz besonders eifrig ist, wie Präsident Wissmann bei jeder Gelegenheit betont. „Die deutschen Hersteller und Zulieferer investieren in den kommenden drei bis vier Jahren über zehn Milliarden Euro in die Forschung und Entwicklung alternativer Antriebe“, sagte Wissmann am Mittwoch. Und dazu gehört eben auch die Elektromobilität.

Nach Angaben Wissmanns bringen deutsche Hersteller in den kommenden zwei Jahren mehr als 15 neue „elektrifizierte Fahrzeugmodelle auf den Markt“. Und mit Verweis auf den „aktuellen Elektromobilitätsindex EVI“ der Unternehmensberatung McKinsey freute er sich über das hohe Tempo der heimischen Stromautoentwickler – „Deutschland überholt China bei Elektromobilität“. Zumindest bei diesem Punkt gibt es eine Annäherung der Autobranche mit den Umweltfreunden, die von „deutlich reduzierten Erwartungen“ in China berichten, weil die dort fahrenden Elektrofahrzeuge „nicht alltagstauglich waren“.

Nach Angaben der Umwelthilfe sind in der Bundesrepublik bislang 500 Millionen Euro öffentlicher Hilfen für die E-Mobilität ausgegeben worden, weitere 560 Millionen bis 2013 stünden in der Planung. „In hohem Maße profitieren Autobauer von der Förderung aus Steuermitteln, die sich in den vergangenen Jahren über Milliardengewinne freuen konnten“, wundert sich Resch. So bekomme etwa BMW eine Million Euro Förderung für 200 Elektro-Falträder, die der bayerische Konzern für die Olympioniken in London zur Verfügung stelle. Bei einem Gewinn von zuletzt fünf Milliarden Euro hätte BMW diese Förderung nicht nötig.

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