Wirtschaft : EM.TV: Schulterschluss mit der Kirch-Gruppe

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Die EM.TV & Merchandising AG will ihre Zukunft durch einen Schulterschluss mit der Kirch-Gruppe sichern. Der führende deutsche Filmrechtehändler Kirch steigt im Zuge einer Kapitalerhöhung mit 16,74 Prozent bei dem am Neuen Markt notierten Konkurrenten ein, wenn die Kartellbehörden zustimmen. Dies gab EM.TV-Chef Thomas Haffa am Montag in München bekannt. Zudem überträgt er als bislang dominierender EM.TV-Aktionär der Kirch-Gruppe rund acht Prozent seiner Stimmrechte, die dadurch gut ein Viertel der Stimmen bei EM.TV hält.

"EM.TV hat eine schwierige Phase überstanden", sagte Haffa. Kirch übernimmt unter Buchwert auch knapp die Hälfte der EM.TV-Anteile an der Formel-Eins-Dachgesellschaft Slec. EM.TV erhält im Gegenzug gut 1,2 Milliarden Mark als Finanzspritze. Zudem gibt Kirch seinen 50-Prozent-Anteil am mit EM.TV gehaltenen Gemeinschaftsunternehmen Junior TV an den neuen Partner ab. Junior TV vermarktet Kinderfilmrechte und gilt als Ertragsperle von EM.TV.

Thomas Haffas Bruder Florian, der als ehemaliger EM.TV-Finanzchef für die Misere hauptverantwortlich ist und dieses Amt vor Monatsfrist niedergelegt hat, ist auch als stellvertretender Konzernchef zurückgetreten. "Ich habe offenbar nicht mehr das Vertrauen bei den Investoren und den Aktionären", begründete er seinen Schritt. Trotz dieser personellen Konsequenzen und des Einstiegs von Kirch blieb die EM.TV-Aktie am Montag weiter auf Talfahrt. Sie verlor nach den jüngsten Kursstürzen zeitweise nochmals gut ein Drittel auf unter zehn Euro.

EM.TV glaubt, dieses Jahr nur noch einen Gewinn vor Steuern und Zinsen von 50 Millionen Mark erreichen zu können und verfehlt frühere Planungen damit um rund eine halbe Milliarde Mark. Nicht in der revidierten Gewinnschätzung enthalten sind Firmenwertabschreibungen auf die jüngsten Zukäufe, die der neue EM.TV-Finanzchef Rolf Rickmeyer auf 260 bis 300 Millionen Mark schätzte. Dennoch wollte Rickmeyer nicht bestätigen, dass das Unternehmen bis Jahresende auf rote Zahlen zusteuert. EM.TV hatte für rund sechs Milliarden Mark einen 45-prozentigen Anteil an der Tele-München-Gruppe (TMG), die Hälfte der Slec und den Muppet-Produzenten Jim Henson Company übernommen. Die Verbindung mit TMG soll nun - offenbar mit Blick auf die Kartellbehörden - gelöst werden.

Eine Mitschuld am Absturz seines Unternehmens stritt Thomas Haffa indessen ab. "Ich habe mir keine Vorwürfe zu machen", sagte er. Die fehlerhafte Rechnungslegung führte er auf die komplizierte Materie zurück. Die großen Zukäufe, allen voran der 50-prozentige Einstieg in der Formel Eins, seien strategisch richtig gewesen. Zusammen mit Kirch sieht er nun keine Probleme, weitere 25 Prozent der Slec zu übernehmen, wozu ihn deren Gründer Bernie Ecclestone vertraglich zwingen könnte. Auch dies habe zur Partnerschaft mit Kirch gezwungen, räumte Haffa ein. EM-TV teilte weiter mit, Haffa und Ecclestone führten derzeit Gespräche mit Daimler-Chrysler sowie anderen Autoherstellern über den Verkauf von Formel-Eins-Anteilen. Mit einem Abschluss wird bis Ende 2000 gerechnet. Die Gewinnwarnung begründete Haffa mit einem 400 Millionen Mark umfassenden Lizenzgeschäft und Erlösen von 137 Millionen Mark aus dem Verkauf des Senders tm3, die nach einem Einspruch von Wirtschaftsprüfern nicht ergebniswirksam verbucht werden dürfen. Davon sei EM.TV aber bis Ende voriger Woche ausgegangen. Gesichert sei, dass EM.TV trotz Bankschulden in Höhe von 1,3 Milliarden Mark kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen nachkomme.

Kirch-Manager Dieter Hahn wollte den Einstieg von Kirch nicht als Rettungsaktion verstanden wissen. Der neue Partner stecke in keiner Krise. Eine Mehrheitsübernahme von EM.TV stehe nicht bevor.

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