Energiewende : Konzerne verbünden sich gegen die Politik

Vorstandschefs von zehn Energieversorgern in der EU fordern verlässliche Rahmenbedingungen. Die Bosse treffen sich Treffen mit Merkel und Hollande - und haben drei zentrale Anliegen.

Jürgen Flauger
Die Idylle trügt. Der europäische Energiemarkt ist aus den Fugen geraten – vor allem wegen der deutschen Energiewende und der Förderung der Erneuerbaren.
Die Idylle trügt. Der europäische Energiemarkt ist aus den Fugen geraten – vor allem wegen der deutschen Energiewende und der...Foto: dpa

Der Energiebranche geht es so schlecht wie nie zuvor. Jetzt funkt sie SOS: Die Vorstandsvorsitzenden von zehn Unternehmen aus Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Tschechien, Schweden und den Niederlanden kommen an diesem Freitag in Brüssel zusammen, um einen Notruf abzusetzen. Mit dabei: Johannes Teyssen von Eon und Peter Terium von RWE. Die zehn Versorger stehen für 50 Prozent der Kraftwerkskapazitäten in der EU und 213 Millionen Kunden. Mit ihrer Initiative setzen die Vorstandschefs ganz oben an. Bei Frankreichs Präsident Francois Hollande war schon eine Abordnung, darunter Teyssen. Aber auch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten von Großbritannien, Spanien, Italien, Belgien und den Niederlanden wollen die Manager vorstellig werden.

Die Chefs von Eon, RWE, Enel, Eni, Gas-Natural, GDF Suez, Gasterra, CEZ, Iberdrola und Vattenfall haben drei zentrale Anliegen: Bezahlbare Energie, Versorgungssicherheit und Klimaschutz. Die Strom- und Gasrechnungen müssten wieder „so weit wie möglich die Marktpreise für Energie“ wiedergeben, und dürften nicht zur Finanzierung anderer Projekte verwendet werden. Steuern, Abgaben und Umlagen sollten also sinken. Gleichzeitig müssten die Erneuerbaren schneller an den Markt heran geführt werden.

Um die sichere Versorgung zu gewährleisten fordern die Manager unter anderem eine stärkere Koordination auf europäischer Ebene. Die bestehenden Kraftwerke sollen nicht durch Subventionen in neue Stromerzeugungsanlagen benachteiligt werden. Gleichzeitig solle die EU einheitliche Richtlinien für Kapazitätsmärkte aufstellen, bei denen Kraftwerksbetreiber allein dafür bezahlt werden, dass sie zur Sicherung der Netzstabilität Reservekapazitäten vorhalten. Beim Thema Klimaschutz plädieren die Vorstände für eine Wiederbelebung des europaweiten Handels mit CO2-Zertifikaten.

Stromfresser im Haushalt
In der Küche sind Kühlschrank und Herd die schwierigsten Kandidaten. Gerade beim Herd kann viel Energie verloren gehen. Grundsätzlich sind Induktionsfelder besser als Ceran-Felder: Ein Topf mit fünf Liter Wasser braucht auf einem Ceranfeld doppelt so lange, bis er erhitzt ist, und benötigt ein Drittel mehr Strom. Der Tipp: Immer den passenden Topf auf's passende Feld stellen. So geht keine Energie verloren. Ebenso: Deckel drauf!Alle Bilder anzeigen
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08.04.2014 11:47In der Küche sind Kühlschrank und Herd die schwierigsten Kandidaten. Gerade beim Herd kann viel Energie verloren gehen....

Die Energiemanager haben durchaus unterschiedliche Interessen. Eon und GDF-Suez beispielsweise sorgen sich um ihre Gaskraftwerke, RWE-Chef Peter Terium drängt darauf, dass seine Kohlekraftwerke weiter eine Zukunft haben. Insbesondere bei der Ausgestaltung der Kapazitätsmärkte oder dem Emissionshandel haben sie deshalb unterschiedliche Vorstellungen. Alle zehn Manager eint aber die Sorge, dass die nationalen Energiepolitiken den europäischen Markt durcheinander wirbeln. Durch die Förderung der erneuerbaren Energien, die beispielsweise in Deutschland mit dem EEG Vorrang genießen, sind die Preise im Stromgroßhandel europaweit gesunken. Kohle- und Gaskraftwerke lohnen sich teilweise überhaupt nicht mehr.

Die zehn Konzerne nahmen in letzter Zeit Kraftwerke mit einer Kapazität von 51,5 Gigawatt vom Netz. Das entspreche den gesamten Kapazitäten von Belgien, Tschechien und Portugal zusammen. Dass der Markt aus den Fugen geraten ist, belegt eine Studie der Unternehmensberatung Capgemini. Rund 60 Prozent der auf Gas basierenden Kraftwerkskapazitäten seien derzeit unrentabel und könnten bis zum Jahr 2016 geschlossen werden. (HB)

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