Wirtschaft : Enron - den Kapitalismus schützen

Aus dem Wall Street Journal[übersetzt],ge

Die Schadenfreude über den Absturz Enrons könnte mancherorts nicht größer sein. Wie jedes schnell wachsende innovative Unternehmen hat sich der texanische Energiehändler viele Feinde gemacht. Enron war ein Verfechter des Wettbewerbs. Einige sehen durch den Zusammenbruch des Unternehmens nun die Philosophie des Marktes diskreditiert, die Enron stets hervorgehoben hatte. Das Gegenteil freilich liegt näher bei der Wahrheit.

Enron ist zum Teil Opfer des eigenen Erfolges geworden. Die Umsätze vervierfachten sich innerhalb eines Jahres. Die Gewinne stiegen hingegen langsamer. Denn Enron arbeitete im Energiehandel mit schmalen Margen. Enron besitzt kein einziges Kraftwerk in den USA und schien auch keine ungerechtfertigt hohen Gewinne mit dem Wiederverkauf von Strom zu machen. Das hinderte Kaliforniens Staatsanwalt Bill Lockyer gleichwohl nicht daran, Enron für die Probleme mit der Stromversorgung in dem Staat verantwortlich zu machen. Ein ungerechtfertigter Vorwurf.

Beunruhigender dagegen sind die Ungereimtheiten, die bei Enron in der Buchhaltung aufgetaucht sind. Es gab offenkundig Firmen, mit denen der Konzern zweifelhafte Geschäfte machte und die - zu allem Überfluss - auch noch Enron-Führungskräften gehörten und von ihnen geleitet wurden. Andererseits hatten viele der Manager einen großen Teil ihres eigenen Vermögens in Enron-Aktien fest angelegt; also Aktien, deren Kurse von 90 auf 0,61 Dollar gefallen sind. Allein aus der Existenz dieser Firmen lässt sich also nicht unmittelbar auf korrupte Absichten schließen. Nur durch eine genaue Untersuchung lässt sich feststellen, inwieweit ehrliche Absichten hinter den Geschäftsvereinbarungen standen.

Enron ist für die Regierung von Bush eine gute Gelegenheit, zu zeigen, dass man unsauberen Finanzmachenschaften durchaus Herr werden kann - wenn man sie denn auch aufdeckt. Auch auf diese Weise kann man den Kapitalismus schützen: indem man zwischen Kapitalisten und Gaunern ganz genau unterscheidet.

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