Enteignung : Repsol wollte argentinische Ölfirma an Chinesen verkaufen

Mit der Verstaatlichung des Ölkonzerns YPF hat die argentinische Präsidentin offenbar einen milliardenschweren Deal verhindert. Die bisherigen Eigentümer sind empört.

Schiefer Blick: In der Konzernzentrale in Madrid ist man gar nicht erfreut über den Coup der argentinischen Präsidentin. Foto: Reuters
Schiefer Blick: In der Konzernzentrale in Madrid ist man gar nicht erfreut über den Coup der argentinischen Präsidentin.Foto: Reuters

Im Streit zwischen Argentinien und Spanien um die Teilverstaatlichung des Ölkonzerns YPF sorgt ein Medienbericht für neuen Zündstoff: Der spanische Ölkonzern Repsol habe versucht, seinen Mehrheitsanteil an der argentinischen Ölfirma YPF an einen chinesischen Energiekonzern zu verkaufen, berichtet die britische „Financial Times“.

Bei dem Interessenten habe es sich um Sinopec gehandelt, zitierte die Zeitung aus Verhandlungskreisen. Der „geheime Versuch“, den Anteil in Höhe von 57,4 Prozent an der Firma YPF zu verkaufen, sei aber gescheitert, weil Argentiniens Regierung die Teilverstaatlichung von YPF angekündigt habe.

Der Aufsichtsratschef von Repsol, Antonio Brufau, hatte am Dienstag tatsächlich gesagt, es gebe mehrere internationale Investoren, die an Yacimientos Petroliferos Fiscales (YPF) interessiert seien. Repsol habe „Signale“ erhalten, die den YPF-Anteil mit rund acht Milliarden Euro bewerteten. Ein Sprecher der Firma bestätigte am Mittwoch, Repsol habe „verbindliche“ Angebote von „zwei oder drei Unternehmen“ erhalten.

An der Börse büßten Repsol-Aktien bis zu neun Prozent an Wert ein - YPF erwirtschaftete ein Viertel des Repsol-Konzerngewinns. Sinopec ist der größte Raffineriebetreiber in China und arbeitet bereits in Brasilien mit Repsol zusammen: An der dortigen Tochter halten die Chinesen einen Anteil von 40 Prozent.

Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner hatte am Montagabend die Verstaatlichung der Repsol-Tochter YPF angekündigt und diese mit der Bedeutung der Energieversorgung begründet. Mit dem Schritt erfreute sie zwar viele Landsleute, brachte jedoch zahlreiche ausländische Regierungen und Investoren gegen sich auf.

Branchenexperten zufolge handelt es sich um die größte Verstaatlichung im Energiesektor, seit Russland vor rund zehn Jahren den Ölkonzern Yukos des damaligen Magnaten Michail Chodorkowski unter die Kontrolle des Kreml brachte.

Fernandez betonte, sie das Staatsoberhaupt und keine Verbrecherin. Sie hatte YPF vor anderthalb Jahren für den Fund von großen Gasvorkommen gelobt. Die explodierenden Kosten für Energie-Importe haben den Argentiniern zuletzt aber eine drohende Energieknappheit vor Augen geführt: Die Produktion sinkt rapide, während der Bedarf rasant steigt.

Gigantische Investitionen wären nötig, um reichhaltige Schiefergas-Vorkommen auszubeuten. Die Kosten für den Energie-Import erschweren zudem die beliebten Sozialprogramme, die Fernandez im vergangenen Jahr die Wiederwahl sicherten.

Die argentinische Regierung übt deshalb seit geraumer Zeit immensen Druck auf YPF aus, die Produktion von Öl und Erdgas auszuweiten. Weil entsprechende Vorschläge von YPF der Regierung nicht weit genug gingen, wurde bereits seit Wochen über eine Verstaatlichung spekuliert.

Argentinien hat in den vergangenen Jahren bereits Pensionsfonds und eine Fluggesellschaft unter staatliche Kontrolle gebracht und so viele Anleger verschreckt. Seit dem Kollaps des Finanzsystems vor einem Jahrzehnt und der damals weltgrößten Umschuldung kann sich das Land nicht an den Finanzmärkten finanzieren. (AFP/rtr)

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