Wirtschaft : Entscheidung bei Karstadt vertagt

Die Zukunft des Karstadt-Konzerns ist weiter unklar. Eine neues Gläubigertreffen, auf dem eine Lösung gefunden werden könnte, findet erst in frühestens drei Wochen statt.

David C. Lerch

25 000 Mitarbeiter von Karstadt müssen weiter bangen, denn auch nach dem für diesen Mittwoch angesetzten Gläubigertreffen der Vermietergruppe Highstreet wird es keine endgültige Entscheidung geben. Das erfuhr der Tagesspiegel aus Kreisen des Konsortiums. Der Grund: Nur ein Teil der Gläubiger stimmt am Mittwoch in einer Anwaltskanzlei in London über die mit dem designierten Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen ausgehandelten Mietsenkungen ab. Erwartet werden Vertreter von rund 100 Investoren, die über Immobilienfonds an 44 der 120 Karstadt-Häuser beteiligt sind. Die Gläubiger der restlichen 36 Häuser, darunter die Essener Valovis-Bank, bleiben erstmal außen vor.

Sollten in London drei Viertel der Anwesenden zustimmen, was erwartet wird, muss ein neuer Termin für dann alle Highstreet-Gläubiger gefunden werden. Das bestätigte ein Sprecher der Vermieter am Dienstag. Ein neues Treffen wäre jedoch frühestens in drei Wochen denkbar, denn die Statuten von Highstreet schreiben einen Vorlauf von 21 Tagen vor. Damit ist klar, dass bis zum 10. August keine endgültige Einigung vorliegt. Bis dahin hatte das Amtsgericht Essen den Parteien Zeit gegeben. Es ist die vierte Frist, die ohne Ergebnis verstreichen wird. Platzt der Kaufvertrag mit Berggruen, droht Karstadt die Zerschlagung.

Das erscheint unwahrscheinlich, denn Berggruen und Highstreet haben sich im Grundsatz auf die Miethöhe verständigt. Berggruen soll im ersten Jahr 210 Millionen Euro zahlen, danach soll die jährliche Miete bis 2018 auf 240 Millionen Euro steigen. Probleme gibt es jedoch nach wie vor bei der finanziellen Absicherung. Berggruen pocht darauf, die niedrigeren Mieten im Grundbuch festzuschreiben. Damit hätten sie auch Bestand, wenn Karstadt-Häuser weiterverkauft würden.

Dagegen sträubt sich die Valovis-Bank, die Highstreet für 36 der Immobilien rund 850 Millionen Euro als Kredit zur Verfügung stellte. Das Problem: Valovis hat die Kreditforderungen verbrieft und weiterverkauft und befürchtet Ermittlungen der Bafin, sollte sie einer Wertminderung zustimmen. Um den Konflikt zu lösen, verhandeln Berggruen und Valovis seit Wochen direkt – ohne Ergebnis. Am Montag kursierten Meldungen, Berggruen verzichte auf den Eintrag ins Grundbuch. Das dementierte am Dienstag eine Sprecherin von Valovis: „Es gibt bisher keinerlei Einigung.“ Auch die Gespräche zwischen Berggruen und Highstreet kommen nur mühsam voran. „Es ist zuletzt nicht viel passiert“, erklärte ein Sprecher von Highstreet.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben