Equal Pay Day : Männer und Frauen: Der große Unterschied

Alle reden von Gleichstellung, doch die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen ist nach wie vor enorm. Ein Experte erklärt, warum sich so wenig ändert.

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Gegenwind. Am 21. März, dem Equal Pay Day, protestieren Frauen weltweit gegen die Lohnlücke.
Gegenwind. Am 21. März, dem Equal Pay Day, protestieren Frauen weltweit gegen die Lohnlücke.Foto: dpa

Am Donnerstag haben die Frauen es geschafft. Bis zum 21. März – und damit 80 Tage länger – hätten sie über den Jahreswechsel hinaus arbeiten müssen, um auf das durchschnittliche Jahresgehalt ihrer männlichen Kollegen zu kommen. Am sogenannten „Equal Pay Day“, dem Tag der Lohngleichheit von Männern und Frauen, wollen Frauenverbände und Gewerkschaften in ganz Deutschland gegen den Unterschied bei der Bezahlung demonstrieren.

Denn während die Politik Kitaplätze verspricht, Firmen mit flexiblen Arbeitsmodellen werben und Frauen nach und nach in Vorstände einziehen, tut sich bei den Gehältern nichts. Das belegen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes, das seit 2006 die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen erhebt. 2012 lag der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen bei 15,21 Euro, während Männer im Schnitt 19,60 Euro erhielten. Das ist eine Differenz von 22 Prozent und obendrein noch die gleiche wie schon 2011 und 2010. Wie wenig sich in den vergangenen Jahren verändert hat, zeigt auch der Blick auf die erste Berechnung 2006 – damals lag die Lohndifferenz bei 23 Prozent. Im Westen ist der Unterschied unverändert hoch (24 Prozent), im Osten deutlich niedriger, aber leicht ansteigend (acht Prozent).

Doch warum tut sich nichts bei der Bezahlung von Frauen? Ein Grund ist die Qualifikation. „Betrachtet man den gesamten Arbeitsmarkt, sind Männer im Schnitt noch immer höher qualifiziert als Frauen“, sagt Hermann Gartner, Experte am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Bei den jungen Menschen, die heute die Universitäten verlassen, sei das genau andersherum. „Die Frauen holen derzeit auf, aber eine solche Entwicklung dauert.“

Hinzu komme der stark gewachsene Niedriglohnsektor. „In Minijobs und anderen gering bezahlten Arbeitsverhältnissen arbeiten überwiegend Frauen“, sagt Gartner. Hier aber seien in den vergangenen Jahren die Löhne nicht gestiegen. Im Gegenzug hätten die Gehälter der Besserverdienenden zugelegt. „Gerade die Vergütungen von Managern oder gefragten Fachkräften wie Ingenieuren sind überproportional gestiegen, und in diesen Positionen arbeiten in erster Line Männer“, sagt Gartner. Zudem nehmen mehr Frauen (7,7 Millionen) Lohnabschläge durch Teilzeit hin als Männer (1,8 Millionen). Blickt man nicht auf den gesamten Arbeitsmarkt, sondern nur auf Männer und Frauen mit vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit, bleibt ein Lohnunterschied von sieben Prozent. Das Statistische Bundesamt erhebt diese Zahl alle vier Jahre, zuletzt 2010. Das IAB, das die Berufe breiter definiert, kommt dagegen auf zwölf Prozent. „Vergleicht man eine Sachbearbeiterin mit dem männlichen Kollegen, ergibt sich ein Gehaltsunterschied zum Beispiel aus einer Unterbrechung der Arbeit für die Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen“, sagt Gartner. Das ist auch ein Grund, warum der Verdienstabstand mit dem Alter steigt, von zwei Prozent beim Berufseinstieg auf 24 Prozent bei den 35- bis 44-Jährigen. Auch würden Männer häufiger mit Sonderaufgaben betreut, die Zulagen einbrächten. Sogar im öffentlichen Dienst mit seiner transparenten Tarifstruktur bleibt eine Lohndifferenz von acht Prozent zwischen Männern und Frauen, teilte der Beamtenbund (dbb) mit. Der Frauenanteil liegt bei 53 Prozent.

Eine Prognose, wann die Lücke sich verkleinern könnte, kann das IAB nicht abgeben. „Mittelfristig dürften die vielen gut qualifizierten Frauen den Unterschied verringern“, sagt Gartner. Damit sich signifikant etwas ändere, seien aber große Anstrengungen seitens der Politik und der Firmen nötig. „Wir brauchen eine bessere Kinderbetreuung, damit Eltern arbeiten können, und eine Reform des Ehegattensplittings, weil es den Einverdienerhaushalt fördert.“ Auch eine Quote könne helfen, damit Frauen mehr Rollenvorbilder in Führungspositionen haben.

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