Eran Davidson im Interview : „Das Wichtigste ist die Leidenschaft“

Der Geschäftsführer und Partner von Hasso Plattner Ventures über das Blitzen in den Augen, fehlende Risikobereitschaft und Mentalitätsunterschiede.

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Eran Davidson (52) stammt aus Israel. Er hat viele Jahre Erfahrung als Investor. Seit 2005 ist er Geschäftsführer und Partner von Hasso Plattner Ventures.
Eran Davidson (52) stammt aus Israel. Er hat viele Jahre Erfahrung als Investor. Seit 2005 ist er Geschäftsführer und Partner von...Foto: Hasso Plattner Ventures

Herr Davidson, was ist Ihnen als Investor wichtiger: das Team oder die gute Idee?

Wir investieren in Menschen. Wenn wir von einem Team überzeugt sind, dann glauben wir auch, dass sie eine mittelmäßige Idee zu einem hervorragenden Ergebnis führen können.

Was macht ein gutes Team aus?

Das Wichtigste ist die Leidenschaft. Das Team muss brennen für seine Idee, muss sie 24 Stunden am Tag vorantreiben. Am Anfang müssen Gründer viele Dinge parallel tun und zwar häufig völlig Neues.

Und wie erkennen Sie so eine Gründerpersönlichkeit?

Ich sehe es am Blitzen und Strahlen in ihren Augen und an der absoluten Hingabe an ihre Idee. Solche Menschen ragen einfach aus der Masse hervor.

Wie finden Sie diese Menschen?

Man muss überall sein. Wenn man nur im Büro hockt, passiert jedenfalls nichts. Wir haben inzwischen ein großes Netzwerk aufgebaut, sprechen mit Menschen, gehen zu Veranstaltungen, richten unser Annual Forum aus, bei dem außerordentliche Persönlichkeiten zusammenkommen. Wenn ich einen inspirierenden Menschen sehe, finde ich einen Weg, mit ihm in Kontakt zu kommen.

Wie lange dauert es vom ersten Treffen bis zur Entscheidung, Geld zu geben?

In etwa vier bis sechs Wochen. Je länger es dauert, desto unwahrscheinlicher wird es, dass wir investieren. Wenn die Entscheidung gefallen ist, fängt die Arbeit erst richtig an, denn zu dem Zeitpunkt wissen wir noch längst nicht alles über die Start-ups. Wir besuchen unsere Unternehmen wöchentlich, sind nie passiv. Nur wenn man am Puls bleibt, kann man die Entwicklungen beeinflussen.

Kommt es vor, dass Sie als Geldgeber abgelehnt werden?

Ja, auch das gibt es. Bei richtig guten Unternehmen stehen die Investoren Schlange.

Wie oft haben Sie bei Ihren Investments daneben gelegen?

Zwei Firmen mussten wir schließen.

Bekommt jemand, der gescheitert ist, eine zweite Chance?

Ja, scheitern ist keine Schande. Aber wenn es an den Personen selbst gelegen hat, dass das Unternehmen floppte, geben wir denen natürlich nicht noch einmal Geld.

Woran darf man denn Scheitern?

Manchmal ist der Markt noch nicht reif, oder die technologische Entwicklung schlägt eine andere Richtung ein.

Gibt es in Berlin genug Geld für junge Firmen?

Ja, das Geld ist da, aber es gibt zu wenig richtig gute Ideen.

Aber Berlin wird doch gerade so hoch gelobt, als neues Silicon Valley?

In Berlin gibt es noch zu viele Nachahmer und zu wenig Innovationen. Das ist keine Kritik, nur eine Feststellung. Aber solche Firmen interessieren uns nicht. In Israel oder USA zum Beispiel gibt es viel mehr innovative Start-ups. Und das liegt sicher nicht daran, dass die Menschen dort cleverer sind.

Woran liegt es dann?

Die Israelis lieben das Risiko, die Deutschen nicht. Sie wollen um keinen Preis scheitern. Das ist eine Mentalitätsfrage.

Wie kann man das ändern?

Es ändert sich bereits langsam: Als ich nach Deutschland kam, habe ich am Hasso Plattner Institut eine Lehrveranstaltung zum Thema Innovation gehalten. Nur zwei oder drei Studenten von 30 wollten ein Unternehmen gründen. Ich war schockiert. Inzwischen sind es schon 50 Prozent der Studenten. Aber in Harvard oder Stanford sind es hundert Prozent.

Am 12. September findet in Potsdam zum achten Mal das Hasso Plattner Ventures Forum statt. Das Thema ist „Passion“, denn Leidenschaft für die Sache ist der Schlüssel zum Erfolg, meint HPV- Chef Eran Davidson. 250 internationale Teilnehmer sind geladen, darunter Unternehmer, Nobelpreisträger, Künstler und Sportler. Der Tagesspiegel ist Medienpartner. Junge IT-Firmen können sich bewerben, um sich auf dem Forum zu präsentieren. Für die Pitch-Hour wählt eine Jury sieben Firmen aus. Teilnahmebedingungen: Die Firma darf nicht älter als drei Jahre sein, nicht mehr als zehn Mitarbeiter haben und muss ein originäres Produkt vorweisen. Bewerbung (maximal fünf Seiten) an: pitch-hour@hp-ventures.com. Das Publikum kürt das beste Start-up, der Gewinner erhält 10 000 Euro. Weitere Informationen: www.hp-ventures.com.

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