Erfolgreiche Geschäftsidee : Zauberstäbe aus Cottbus

Elbenwald startete als ein Projekt für „Herr der Ringe“-Fans. Inzwischen ist der Händler international anerkannt.

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Der Magier Gandalf. Gerade ist „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ in den Kinos angelaufen. Das belebt auch das Geschäft von Elbenwald.
Der Magier Gandalf. Gerade ist „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ in den Kinos angelaufen. Das belebt auch das Geschäft von...Foto: dpa

CottbusEs hat schon Besucher gegeben, die enttäuscht waren, dass in seiner Firma keine Zwerge im Lager arbeiten, erzählt Alexander Lapeta. Und dass die Firma, die Elbenwald heißt, nicht in einem verwunschenen Tal, sondern in einem Industriegebiet im Osten von Cottbus liegt. „Aber wir tragen die Fantasie ja auch in unserem Herzen“, sagt Lapeta.

Gemeinsam mit seinen Partnern Jens Geppert und Dirk Wiedenhaupt hat er Elbenwald im November 2000 als Onlineversand für „Herr der Ringe“-Fanartikel gegründet. Ein Liebhaberprojekt von einer Gruppe Studenten. Heute ist Elbenwald im internationalen Vergleich einzigartig: Es gibt keinen größeren Anbieter für Fantasyartikel. Filmproduktionsfirmen wie Warner Bros. oder Disney loben die Cottbusser Firma für ihr umfangreiches Merchandising-Angebot.

So groß war Elbenwald dabei nie geplant, sagen die Gründer. Es habe viele so wie ihn gegeben, die gern die Bücher von J. R. R. Tolkien lasen, aber ihre Liebe zu der „Ringe“-Trilogie nicht mit Fanartikeln zelebrieren konnten, sagt Lapeta. Daher war Elbenwald zunächst als Fan-Projekt und nicht als Profit-Firma angelegt. Entsprechend überrascht waren die drei Studenten, als im Dezember 2001 ein „gigantischer Ansturm“ auf die Homepage zukam – der erste Teil der „Herr der Ringe“-Trilogie kam in die Kinos und plötzlich wollte jeder Elben-Langbögen oder Hobbit-Kalender haben. „Wir hatten damals unsere ersten Kartons im Studi-Wohnheim gelagert“, erinnert sich Lapeta, „vollgestapelt bis auf’s Klo“. Mit Unterstützung der Cottbusser Wirtschaftsförderung zog die Firma 2004 an den jetzigen Standort um. „Dort konnten wir am Anfang noch Tennis spielen“, sagt Mitgründer Wiedenhaupt. Mittlerweile ist das Lagerhaus jedoch voll. Die Produktpalette geht längst über „Herr der Ringe“ hinaus: Es gibt Zauberstäbe aus dem „Harry Potter“-Universum, „Star Wars“-Lichtschwerter oder auch vom Bogenbauer entworfene Langbögen, sei es als Wandschmuck oder für die Spieler von Rollenspielen.

Im hinteren Teil des Lagers druckt Elbenwald Fan-T-Shirts und Tassen in Eigenproduktion, vorn sind die Büros. Auf dem Tisch steht eine Obstschale: „Greift zu und bleibt gesund“, steht da. An den Wänden hängen Zauberstäbe, Streitäxte und Kampfschwerter. Und ein „Boba Fett“- Kostüm, ein Kopfgeldjäger aus der Serie „Star Wars“, steht neben den Schreibtischen. „Wenn wir einen Laden eröffnen, müssen wir uns doch auch verkleiden“, sagt Dirk Wiedenhaupt.

Neben dem Versandhandel gibt es bereits fünf Elbenwald-Stores in deutschen Shoppingcentern. Der erste Laden eröffnete im September 2010 im Berliner Alexa, der jüngste gerade in Braunschweig. Zu jeder Eröffnung reisten Fans aus ganz Deutschland an und verkleideten sich, berichten die Gründer. Dabei haben die Geschäfte nichts mit dem Klischee gemein, düstere Orte für fanatische Spieler oder verrückte Fans zu sein: Comic-Shirts hängen wie Warhol- Bilder an der Wand, Zauberstäbe werden wie Smartphone-Kollektionen präsentiert. „Für uns ist Fantasy ja auch Lifestyle“, sagt Lapeta. Die Geschäfte – und mit ihnen die Welt von Trollen und Superhelden – sollen ans Licht anstatt in die Nebenstraßen. Man stehe noch bei ganz vielen deutschen Shoppingcentern auf der Warteliste, sagt Lapeta.

Ein Fan: Elbenwald-Geschäftsführer Alexander Lapeta im Warenlager.
Ein Fan: Elbenwald-Geschäftsführer Alexander Lapeta im Warenlager.Foto: Marc Röhlig

Dass das Geschäft mit den Fantasy-Artikeln auch nach dem Ende der „Herr der Ringe“-Filmreihe so gut läuft, erklären sich die Gründer mit einem „guten Gespür für Strömungen“. Lapeta mache noch heute „so ein bisschen“ Rollenspiele, Wiedenhaupt sei eher ein Fan des „World of Warcraft“-Spiels. Die Fans wollen qualitativ hochwertige Ware anstatt „Plastik-Ramsch“. Je mehr die Fankultur in die Mitte rücke, sagt Lapeta, desto mehr steige auch der Anspruch. Wenn Elbenwald also die Schuluniform von „Harry Potter“ anbiete, dann die aus schottischer Schafwolle. Die Authentizität sei zum Teil so groß, freut sich Lapeta, dass auch schon mal kleine Kinder in Cottbus anriefen und Harry Potter verlangten. Es ist eine Nische, die Elbenwald besetzt. Aber der Stoff geht nie aus: Gerade ist „Der Hobbit“ in den Kinos angelaufen. Der Ansturm auf die Elbenwald- Homepage wird von neuem beginnen.

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