EU-Arzneimittelagentur : Warum die EMA nicht von London nach Berlin umzieht

Die europäische Arzneimittelagentur EMA wird höchstwahrscheinlich nicht von London nach Berlin umziehen. Berlins Regierender Bürgermeister Müller zeigt sich enttäuscht.

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Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), hier bei einem Termin Ende Mai in Berlin, sagt, Berlin werde die Bewerbung aufrecht erhalten. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa
Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), hier bei einem Termin Ende Mai in Berlin, sagt, Berlin werde die Bewerbung...Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Offiziell haben sich die EU-Mitgliedsstaaten noch nicht auf einen neuen Standort verständigt, doch es besteht offenbar Einigkeit darüber, dass die Behörde mit rund 900 Mitarbeitern nicht nach Deutschland kommen wird. Das soll Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) mitgeteilt haben.

Der Umzug der EMA wird nötig wegen des Ausstiegs Großbritanniens aus der EU in etwa zwei Jahren. Das Kanzleramt verhandelt derzeit auch über die Ansiedlung der Bankenaufsichtsbehörde EBA, die ebenfalls in London sitzt, nach Frankfurt am Main. „Sollte sich die Bundesregierung auf die Ansiedlung der Bankenaufsicht EBA als auf die der Arzneimittelbehörde EMA konzentrieren, wäre das für Berlin sehr bedauerlich“, sagte Müller dem Tagesspiegel. „Wir erhalten unsere Bewerbung in jedem Fall aufrecht und sind davon überzeugt, als Gesundheits-, Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort für die EMA beste Voraussetzungen zu bieten.“

EMA-Chef Guido Rasi sagte dem Tagesspiegel unlängst: "Berlin hat sicherlich viel zu bieten." Foto: European Medicines Agency
EMA-Chef Guido Rasi sagte dem Tagesspiegel unlängst: "Berlin hat sicherlich viel zu bieten."Foto: European Medicines Agency

Guido Rasi, Chef der EMA hatte in einem am 5. Juni veröffentlichen Interview gesagt: „Ich hoffe nur, dass die Entscheidung für einen Standort am Ende nicht auf politischen, sondern auf rationalen und operativen Erwägungen beruht“. Auf die Frage, ob Berlin als Standort geeignet sei, sagte Rasi. „Berlin hat sicherlich viel zu bieten – mehr sage ich dazu nicht.“ Nun ist es aber offenbar doch zu dem Kuhandel gekommen. Frankreich bekommt die EMA - und Deutschland wahrt seine Chancen, die Bankenaufsicht anzusiedeln.

Zuletzt hatte es auch Wirbel um den langfristig abgeschlossenen Mietvertrag für das EMA-Gebäude in der Londoner City gegeben. Während sich angeblich nun Paris, Warschau und Prag Chancen als Heimat der EMA ausrechnen können, freut man sich im Berliner Senat über andere Entscheidungen. „Mit der beabsichtigten Ansiedlung der Infrastrukturgesellschaft Verkehr und des Deutsche Internet-Instituts wird Berlin als wichtiger Standort in Europa zusätzlich gestärkt“, sagte Müller.

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