EU will Mentholzigaretten verbieten : Eine Frage des Geschmacks

Die EU schlägt vor, Mentholzigaretten zu verbieten. Am Wochenende wollen die Minister in Luxemburg darüber diskutieren.

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Selten ohne. Altkanzler Helmut Schmidt raucht gern Mentholzigaretten. Seine Marke ist Reyno. Foto: dpa
Selten ohne. Altkanzler Helmut Schmidt raucht gern Mentholzigaretten. Seine Marke ist Reyno.Foto: dpa

Berlin - Altkanzler Helmut Schmidt hat einen besonderen Geschmack: Er raucht Mentholzigaretten der Marke Reyno. Diese Leidenschaft teilt er nur mit etwa 300 000 Menschen in Deutschland, der Marktanteil der Mentholzigaretten liegt unter drei Prozent. Anders etwa bei unseren Nachbarn, den Polen, dort haben sie einen Marktanteil von mehr als 20 Prozent, die Finnen rauchen sogar noch häufiger Mentholzigaretten. Sie alle müssen nun um ihre spezielle Vorliebe fürchten.

Denn der EU-Entwurf für die neue Tabakrichtlinie sieht vor, charakteristische Aromen, die den Tabakgeschmack verändern, zu verbieten. An diesem Freitag treffen sich die Verbraucher- und Gesundheitsminister in Luxemburg, um über den Entwurf von Ende 2012 zu beraten. Ihr Ziel ist es, Jugendliche vom Rauchen abzuhalten. Und ähnlich wie bei den Alkopops, die wegen des süßen Geschmacks zum Trinken verführen, vermuten einige Politiker, dass Zusatzstoffe den Tabak für Jugendliche genießbarer machen. Stoffe wie Menthol, argumentiert etwa der Sprecher von Verbraucherministerin Ilse Aigner, dämpften die natürliche Abwehr des Körpers gegen die Inhalation und seien vor allem für Jugendliche eine Gefahr.

Die Industrie sieht das anders. „Menthol ist der am meisten untersuchte Zusatzstoff“, sagt Dirk Pangritz, Geschäftsführer des Deutschen Zigarettenverbands. „Und es gibt keine Beweise für eine besondere gesundheitliche Gefährdung.“ Auch das Argument, Menthol sei vor allem für Jugendliche verführerisch, lassen die Unternehmen nicht gelten. Mentholzigaretten würden gerade von älteren Rauchern nachgefragt, teilt British American Tobacco mit (Lucky Strike). Daher sei das Menthol-Verbot ein völlig ungeeignetes Mittel, um Jugendliche vom Rauchen abzuhalten, argumentiert Japan Tobacco International (Camel, Reyno). Denn Jugendliche mögen den scharfen, kühlenden Geschmack offenbar gar nicht.

Helmut Schmidt raucht übrigens nicht nur Mentholzigaretten, er schnupft auch Tabak. Seine Marke ist Gletscherbrise, die die 111-jährige mittelständische Firma Pöschl in Niederbayern produziert. Dort ist die Frage der Zusatzstoffe eine Frage der Existenz: „Ohne Menthol kein Schnupftabak“, sagt Geschäftsführer Robert Engels. Er hofft, dass der Schnupftabak von dem Verbot ausgenommen wird. Schließlich sei der nun wirklich kein Produkt für junge Leute. Dann könnte Helmut Schmidt wenigstens weiter schnupfen. Corinna Visser

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