EZB startet Anleihenprogramm : Draghi kauft ein

Die Europäische Zentralbank hat mit dem Kauf von Staatsanleihen begonnen – die Kurse steigen.

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EZB-Präsident Mario Draghi. Die Notenbank pumpt jeden Monat 60 Milliarden Euro in den Markt – bis mindestens September 2016. Foto: picture alliance / dpa
EZB-Präsident Mario Draghi. Die Notenbank pumpt jeden Monat 60 Milliarden Euro in den Markt – bis mindestens September 2016.Foto: picture alliance / dpa

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält sich noch bis Anfang nächster Woche bedeckt. Erst dann wird sie darüber berichten, wie viele und möglicherweise welche Staatsanleihen sie in der zweiten Märzwoche gekauft hat. Am Montag startete sie ihr 1,14-Billionen-Programm, mit dem sie von März 2015 bis mindestens September 2016 Monat für Monat Staatsanleihen im Volumen von 60 Milliarden Euro kaufen will.

Die EZB und auch die Bundesbank bestätigten, dass sie am Markt aktiv seien, nannten aber keine Details. „Es gab wohl erste Käufe, vor allem von Bundesanleihen und französischen Staatsanleihen“, sagte Michael Schubert, EZB-Experte bei der Commerzbank. „Aber stark waren die Bewegungen bei Renditen und Kursen nicht. Aber es geht in die richtige Richtung.“ Eugen Keller vom Bankhaus Metzler dagegen betonte, dass die Entwicklung „extrem ordentlich“ gewesen und die Renditen erkennbar gefallen seien. Dem Vernehmen nach wurden belgische, spanische und niederländische Papiere gekauft. Wer Anleihen verkauft hat, war am Montag unklar.

Abzulesen waren die Käufe der Notenbanken im Rahmen des sogenannten „QE“-Programms („Quantitative Easing“ – quantitative Lockerung) an den Renditen und Kursen der Staatsanleihen. Die Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen sank gegenüber Freitag von 0,402 auf zeitweise 0,328 Prozent. Bei italienischen Titeln ging es von 1,323 auf 1,274 Prozent nach unten, bei spanischen von 1,242 auf 1,197 Prozent. Im Gegenzug stiegen die Kurse der Papiere.

Das Programm zielt vor allem auf deutsche und französische Anleihen

Am 22. Januar hatte der EZB-Rat das Programm beschlossen, gegen die Stimme von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann und EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger. Damit bringt sie elektronisch neu geschaffenes Geld in Umlauf, Beobachter sprechen auch von Aktivierung der Banknoten-Presse. Gekauft wird entsprechend der Kapitalanteile der nationalen Notenbanken an der EZB. Damit zielt das Programm vor allem auf Bundesanleihen und französische Staatsanleihen, Deutschland und Frankreich sind die größten Anteilseigner der EZB. Die EZB koordiniert die Käufe. Gekauft werden auch Anleihen staatlicher Institutionen oder von Förderbanken wie etwa der bundeseigenen KfW oder des Euro-Rettungsfonds ESM. Das Programm zielt auf Anleihen mit Laufzeiten zwischen zwei und 30 Jahren, auch dann wenn ihre Rendite aktuell mit 0,2 Prozent negativ ist. Die Papiere müssen mindestens eine Bonitätsnote von „BBB-“ aufweisen. Maximal kann die EZB über die nationalen Notenbanken ein Drittel der umlaufenden Anleihen eines Staates kaufen, aber nur 25 Prozent einer Anleihe.

Mit dem Programm will die EZB die Deflationsgefahren bannen, nachdem die Inflationsrate in der Euro-Zone in den negativen Bereich gerutscht ist. Im Februar hatte sie bei minus 0,3 Prozent gelegen. Die EZB peilt eigentlich eine Rate von knapp zwei Prozent an. Deflation könnte gefährlich werden, weil Verbraucher Käufe und Unternehmen Investitionen verschieben, weil sie weiter sinkende Preise erwarten. Daraus könnte sich eine Abwärtsspirale entwickeln, die die Konjunktur bremst und zu steigender Arbeitslosigkeit führt. Über die Geldschwemme von 1,14 Billionen Euro will EZB-Präsident Draghi die Rendite drücken und den Banken mehr Geld zur Verfügung stellen, das sie möglichst als Kredit herausgeben sollen. Das wiederum bringt die Konjunktur und auch die Inflationsrate auf Trab, so die Hoffnung der Notenbanker.

Auch private Anleger sind betroffen

Offen ist allerdings, ob die EZB jeden Monat tatsächlich Anleihen im geplanten Volumen kaufen kann. Deutsche Banken haben bereits abgewunken. Zum einen haben sie genug Liquidität, zum anderen könnten sie das Geld kaum wieder renditeträchtig anlegen. In den südeuropäischen Krisenländern soll die Verkaufsbereitschaft aber deutlich größer sein.

Ökonomen sind skeptisch, dass die EZB Erfolg hat. Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchner Ifo-Instituts, sieht keine Deflationsgefahren. Die Preise seien nur durch den Absturz des Ölpreises rückläufig. Vielmehr erlaube das Programm den Euro-Staaten eine noch höhere Verschuldung. Faktisch würden damit auch Eurobonds eingeführt, für die alle Euro-Staaten haften müssten. Andere Volkswirte hatten schon zuvor die Notwendigkeit des Programm bestritten, weil der Leitzins mit 0,05 Prozent ohnehin auf historisch niedrigem Niveau liege und genug Geld in Umlauf sei. Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sieht keine Deflationsgefahr. Er führt die niedrige beziehungsweise negative Inflationsrate auf das billige Öl und günstige Preise auch für andere Rohstoffe zurück.

Auch private Anleger sind vom Billionen-Programm betroffen. Wer etwa Bundesanleihen hält, sieht die steigenden Kurse und liebäugelt vielleicht mit einem Verkauf. Hält er die Papiere bis zum Ende der Laufzeit, hat er freilich dafür die jährlichen Zinszahlung sicher, die bei älteren Anleihen durchaus attraktiv sein kann. Verkauft er, hat er das Problem, wie Commerzbanker Schubert betont, das Geld wieder rentabel anzulegen. Zinsen lassen sich mit neuen Bundesanleihen kaum verdienen. Bei fünfjährigen Papieren ist die Rendite sogar schon negativ, das heißt der Finanzminister erhält sogar Geld, wenn er für den Bund über solche Papiere Mittel beschafft. Und auch bei zehnjährigen Bundesanleihen muss er kaum etwas bieten. Der Zins liegt aktuell bei gerade mal rund 0,5 Prozent.

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