Failcon : Scheitern als Chance

Auf der Gründerkonferenz Failcon in Berlin berichten junge Unternehmen über Misserfolg und Neuanfang.

Mirko Heinemann

Berlin - Im März 2012 schien das Berliner Start-up Twago in bester Verfassung. 30 feste und zahlreiche freie Mitarbeiter programmierten an der Internetplattform zur Auftragsvermittlung zwischen Freiberuflern und Agenturen. Dann aber zog sich der Hauptinvestor zurück. Twago war von einem auf den anderen Tag zahlungsunfähig. Über die genauen Umstände will Gunnar Berning, einer der drei Gründer, nichts verraten. In der Gründerszene wird jedoch kolportiert, der Investor habe wegen einer Steuerprüfung keinen Zugriff mehr auf seine Konten gehabt. „Am Donnerstagmorgen habe ich die Mitarbeiter informiert“, erinnert sich der 39-jährige Berning. „Und am selben Abend habe ich die Unterlagen zum Insolvenzgericht gebracht.“

Erst kam der Schock, dann folgte Pragmatismus. „Wir haben sofort in den Überlebensmodus geschaltet.“ Die einzige Chance: Binnen neun Wochen mussten die Gründer eine siebenstellige Summe auftreiben. „Neun Wochen, in denen wir alle so hart gearbeitet haben wie nie zuvor.“ Berning ist stolz darauf, dass kein Mitarbeiter in dieser Zeit die Firma verlassen hat und nichts von der Insolvenz an die Medien drang.

Seine Geschichte wird Gunnar Berning am heutigen Donnerstag auf der Failcon erzählen, der ersten deutschen Gründerkonferenz, auf der nicht der Erfolg zählt, sondern das Scheitern. Mehrere Referenten werden in der Jerusalemkirche in Berlin-Kreuzberg berichten. Und sie werden darlegen, warum sie mit ihren Unternehmen erfolglos waren. Ausgerichtet wird die Failcon vom Entrepreneurs Club und dem Business Angels Club Berlin. Die Veranstalter ließen sich von ähnlichen Konferenzen inspirieren, die bereits in San Francisco, Singapur, Paris und Brasilien stattgefunden haben. Alle Vorträge werden in englischer Sprache gehalten, hier zeigt sich der Einfluss der auf der Failcon stark vertretenen IT-Branche.

Der Erfolg der Veranstaltung steht und fällt mit der Frage, wie ehrlich die Referenten auf der Bühne mit sich selbst und ihren Fehlern sind. „Wir wissen es nicht. Es ist ein Experiment“, räumt Bernd Monitor von den Business Angels ein. In der erfolgsorientierten Gründerszene sei es besonders schwer, über Misserfolge zu sprechen; zumal das Image gescheiterter Gründer in Deutschland seiner Ansicht nach besonders schlecht sei. „In den USA wird Scheitern eher als Erfahrung verbucht. Man versucht es noch einmal.“

So werden auf der Failcon vorwiegend Unternehmer sprechen, die in ihrem Berufsleben zwar schon Misserfolge erlebt haben, am Ende aber doch wie strahlende Sieger dastehen. Stephan Uhrenbacher etwa, dessen erste IT-Firma scheiterte. Das Nachfolgeprojekt Qype indes, ein Internet-Bewertungsportal, hat er kürzlich für 50 Millionen Dollar an den US-amerikanischen Konkurrenten Yelp verkauft.

Für Twago, das Berliner Start-up, ist es gut ausgegangen. Die Firma hat neue Investoren gefunden und konnte ihre Mitarbeiterzahl seit der Insolvenz fast verdoppeln. Bernings Lektion, die er auf der Failcon weitergeben möchte, lautet einfach: „Man kann fast alles schaffen, wenn man nur will.“Mirko Heinemann

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