Fernbusmarkt : Die Post steigt aus

Der Postbus wird an den Marktführer Flixbus verkauft. Damit setzt sich die "Marktbereinigung" fort: immer mehr Anbieter geben wegen hoher Verluste auf.

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Bald Geschichte: Vom November an fahren die bisherigen Postbusse bei Flixbus.
Bald Geschichte: Vom November an fahren die bisherigen Postbusse bei Flixbus.Foto: dpa

Nach gut zweieinhalb Jahren gibt die Post auf: Der Postbus, mit dem der Konzern im Herbst 2013 auf dem Fernbusmarkt eingestiegen war, wird an den Marktführer Flixbus verkauft. Dessen Marktanteil steigt damit von 70 auf rund 80 Prozent. Derzeit sind rund 100 der gelben Postbusse unterwegs. Durch die Übernahme, die zum 1. November erfolgt, erwartet Flixbus-Chef André Schwämmlein einen zusätzlichen Umsatz von 15 bis 20 Millionen Euro im Jahr. Nach eigenen Angaben rechnet Flixbus 2016 mit rund 30 Millionen Passagieren, der Jahresumsatz liegt schätzungsweise in einer Bandbreite zwischen 300 und 400 Millionen Euro.

Auch die Bahn denkt über ihr Busgeschäft nach

Ob Marktführer Flixbus Geld verdient, ist unwahrscheinlich. Bahn-Chef Rüdiger Grube hatte vergangenen Woche den Preiskampf auf dem stagnierenden Fernbusmarkt als "Blödsinn" bezeichnet. Derzeit würde die Busbetreiber im Schnitt 3,7 Cent je Passagier und Kilometer erlösen, um kostendeckend fahren zu können, seien aber sechs Cent erforderlich. "Wir fahren mit Dumpingpreisen Minusbeträge ein", ärgerte sich Grube und kündigte an, sich das "genauer ansehen" zu wollen. Bei Post-Chef Frank Appel hat das genauere Hinsehen zur Aufgabe des Geschäfts geführt. Zwar sei man mit dem Postbus zum Qualitätsführer geworden, doch die "Erwartungen an die Wirtschaftlichkeit dieser neuen Dienstleistung haben sich nicht ausreichend erfüllt", erklärte Joachim Wessels, Chef der Deutschen Post Mobility GmbH. Wie hoch der Verlust mit den Postbussen war, teilte der Konzern nicht mit.

Flixbus will noch mehr Kleinstädte anfahren

Nach dem Verkauf würden alle Postbuslinien wie gewohnt fahren und könnten auf den üblichen Plattformen gebucht werden. Für Buchungen ab November würden die Kunden automatisch in das Flixbus-Netz überführt. "Durch den Verkauf an Flixbus können die Postbus-Kunden zukünftig das größte deutsche und europäische Fernbusnetz nutzen", teilte die Post mit. Flixbus-Chef Schwämmlein betonte gegenüber der "Wirtschaftswoche", sein Unternehmen werden den größeren Marktanteil nicht zu Preiserhöhungen nutzen. Es sollten vielmehr die Parallelverkehre reduziert und dadurch die Auslastung der Busse gesteigert werden. "Man kann auf dem derzeitigen Preisniveau Gewinne erwirtschaften, wenn man die Busse voll macht", sagte Schwämmlein. Das werde durch die Übernahme der Postbusse erleichtert, weil Flixbus noch mehr Kleinstädte anfahren und noch mehr Fahrgäste über Drehkreuze verteilen könne. Anfang 2015 war Flixbus mit dem Berliner Wettbewerber MeinFernbus fusioniert.

Der Gewinn des Postkonzerns steigt um 44 Prozent

Den Verkauf der Postbusse gab der Post-Konzern anlässlich der Vorlage der Halbjahreszahlen bekannt. Konzernchef Appel freute sich dabei über "das stärkste zweite Quartal unserer Geschichte". In den ersten sechs Monaten insgesamt erhöhte sich das operative Ergebnis um fast 30 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro, der Konzerngewinn stieg sogar um fast 44 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Die Börse reagierte begeistert: In einem eher schwachen Markt war die Post-Aktie am Dienstagmorgen mit zeitweilig plus vier Prozent der mit Abstand stärkste Wert im Dax. Für 2016 erwartet die Post ein operatives Ergebnis von bis zu 3,7 Milliarden Euro und bekräftigte am Mittwoch das Ziel, zwischen 2013 und 2020 den operativen Gewinn um durchschnittlich gut acht Prozent jährlich zu steigern. Im Geschäftsfeld Post, das nur noch knapp ein Sechstel zum Konzernumsatz beiträgt, profitierte der Konzern von der Briefportoerhöhung von 62 auf 70 Cent zu Beginn dieses Jahres. Zur Deutschen Post DHL Group setzt sich aus den Marken Deutsche Post und DHL zusammen. Insgesamt beschäftigt der Konzern rund 500 000 Mitarbeiter in mehr als 220 Ländern, bei der Deutschen Post arbeiten davon rund 150 000.

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