Wirtschaft : Filmbranche attackiert Raubkopierer Kampagne gegen „Verbrecher“ gestartet

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Berlin – Der Kinospot soll drastisch und witzig zugleich wirken: Mitten auf der Straße singen eine Mutter und ihre Kinder „Happy birthday, Papa.“ Dann schwenkt die Kamera auf ein Gefängnis, in dem der Vater einsitzt – wegen illegaler Verbreitung von Spielfilmen.

Der kurze Streifen läuft ab heute in vielen Kinos und gehört zur Aktion „Raubkopierer sind Verbrecher“ der deutschen Filmwirtschaft. Die vor einem Jahr gestartete Kampagne gehe mit neuen Plakaten und Spots weiter, gaben Branchenvertreter am Dienstag bekannt. Den Schaden durch Raubkopien schätzt die federführende Zukunft Kino Marketing GmbH für 2004 auf eine Milliarde Euro. Ein Drittel dieser potenziellen Einnahmen entgehe den Kinos und der Rest dem Videohandel. Es würden zunehmend Filme über das Internet heruntergeladen und mit DVDBrennern kopiert, so Johannes Klingsporn vom Verband der Filmverleiher. Immerhin sei der Anstieg weniger stark als befürchtet. Denn auch das Unrechtsbewusstsein und die Angst vor Strafen nähmen zu. Bisher war die Machart der Kampagne (Motto: „Hart aber gerecht!“) durchaus umstritten. So kritisierte der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft einen Spot, der Raubkopierer auf drohende Vergewaltigungen im Gefängnis hinwies.

Als größten Schlag gegen die kommerzielle Verbreitung von Raubkopien über das Internet werteten Branchenmanager die Schließung des Portals „FTPWelt“. Die Staatsanwaltschaft Mühlhausen teilte auf Nachfrage mit, dass gegen 19 500 Benutzer des Dienstes Strafverfahren eingeleitet werden. Zu wie vielen Prozessen es kommen werde, sei offen. Darüber müssten die örtlich zuständigen Staatsanwaltschaften entscheiden. Die vier mutmaßlichen Betreiber des Angebots, darunter ein Münchener Anwalt, waren im September verhaftet worden. Sie sind wieder auf freiem Fuß, sollen aber demnächst angeklagt werden. CD

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