Vor Börsenbeginn : Angela Merkel zu neuen Staatsschulden: "Kein Wachstum auf Pump finanzieren"

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich in China gegen ein Wachstum durch neue Staatsschulden ausgesprochen. Der Dax notiert am Dienstagmorgen vorbörslich etwas schwächer.

Andreas Oswald
Börse in Frankfurt.
Börse in Frankfurt.Foto: dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich dagegen ausgesprochen, die Weltwirtschaft mit neuen staatlichen Defiziten anzutreiben. “Ich habe etwas dagegen, wenn man Wachstum auf Pump finanziert“, sagte Merkel am Dienstag an der Tsinghua-Universität in Peking. “Dann muss eben besser die Weltwirtschaft etwas weniger wachsen, als dass man auf Teufel komm raus auf Wachstum setzt.“ Das etwas schwächere Wachstum in China bezeichnete die Kanzlerin als logische Entwicklung, wie Reuters weiter berichtet. Chinas Ministerpräsident Li Keqiang hatte am Montag das Wachstumsziel von 7,5 Prozent in diesem Jahr bestätigt.
China habe mit riesigen Konjunkturprogrammen einen wichtigen Beitrag in der Finanzkrise geleistet, betonte Merkel. Aber dies habe auch zu einer angeheizten Konjunktur und einer sehr angespannten Lage im Bankensektor geführt.
“Man muss jetzt gucken, dass man das in eine gleichförmige Bahn bringt.“ Sie hoffe auf vernünftige Entscheidungen. Wenn es China wirtschaftlich gut gehe, nutze dies der ganzen Welt.
Merkel forderte in ihrem Vortrag vor Studenten zugleich, dass China stärker auf eine nachhaltige Entwicklung setzen müsse. Dies betreffe sowohl den Umgang mit der Natur als auch die gesellschaftliche Entwicklung. “Dafür braucht man Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und soziale Marktwirtschaft.
Das sind die Grundsätze unserer Ordnung“, sagte sie. Der Staat schaffe Leitplanken und Gesetze. “Diese sind notwendig, weil nur eine Gesellschaft, die offen, pluralistisch ist, die jedem seine Freiräume gibt, in der Lage ist, die Zukunft erfolgreich zu gestalten.“

Dax vorbörslich mit leichten Verlusten

Der Dax dürfte am Dienstag nach Einschätzung von Börsianern mit leichten Verlusten in den Handel starten. Anleger üben sich vor den anstehenden Quartalsbilanzen dies- und jenseits des Atlantiks in Vorsicht. Schon zum Wochenauftakt war der deutsche Leitindex um ein Prozent auf 9906,07 Punkte gefallen.
An der Wall Street war ebenfalls Zurückhaltung angesagt: Der Dow-Jones-Index verlor am Montag 0,3 Prozent, der S&P-500 0,4 Prozent und der Nasdaq-Composite 0,8 Prozent. Eröffnet wird der Bilanzreigen traditionell vom Aluminiumhersteller Alcoa, der am Dienstag nach US-Börsenschluss seinen Bericht für das zweite Quartal vorlegt.


An der Tokioter Börse sind die Aktienkurse am Dienstag auf den tiefsten Stand seit einer Woche gefallen. Börsianer machten dafür Kaufzurückhaltung von Pensionsfonds, die Verluste an der Weltleitbörse in New York und Vorsicht vor den anstehenden Quartalsbilanzen der Unternehmen verantwortlich.
Der Nikkei-Index gab 0,8 Prozent auf 15.261 Punkte ab, der Topix fiel im gleichen Maße auf 1.269 Zähler. “Der Markt ist zuletzt unter Druck geraten, weil die Leute denken, die Käufe durch die Pensionsfonds seien zuende“, sagte Hideyuki Ishiguro von Okasan Securities. “Wenn die Quartalsergebnisse gut ausfallen, könnte es wieder mehr Käufe geben“ sagte Hiroshi Ono von Sumitomo Life. Japanische Aktien seien im Vergleich zu US-Aktien günstig bewertet. (mit Reuters)

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