Firmenübernahme : Ravensburger kauft Brio

Der deutsche Brettspielhersteller übernimmt den schwedischen Holzeisenbahnbauer. Ravensburger will mit der Übernahme neue Marktsegmente erobern.

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Spielzeug mit Tradition. Die berühmte Holzeisenbahn brachte Brio 1958 auf den Markt. Dieses Foto zeigt eine moderne Variante.
Spielzeug mit Tradition. Die berühmte Holzeisenbahn brachte Brio 1958 auf den Markt. Dieses Foto zeigt eine moderne Variante.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Die einen sind vor allem für ihre Puzzles und Brettspiele bekannt, die anderen für ihre Holzeisenbahn: Das süddeutsche Spielwaren-Unternehmen Ravensburger übernimmt mit sofortiger Wirkung die schwedische Traditionsfirma Brio. „Wir kaufen damit eine sehr angesehene Marke, die gut zu Ravensburger passt“, sagte Unternehmenssprecher Heinrich Hüntelmann dem Tagesspiegel. Die nordische Firma stehe für hochwertige, sichere und innovative Produkte, die speziell auf die Spielfreude der Kinder ausgerichtet seien. „In Schweden ist Brio eine Ikone.“ Wie tief die Ravensburger für den Besitzerwechsel in die Tasche greifen, bleibt geheim. Man habe Stillschweigen über den Kaufpreis und weitere Details vereinbart, sagte Hüntelmann. Offenbar hatten sich die Süddeutschen aber schon seit Längerem nach einem geeigneten Übernahmeobjekt umgeschaut, um ihre Geschäfte auszuweiten.

Ravensburger gehört zu den Top Ten der deutschen Spielwarenhersteller

Auch ohne Brio läuft es für Ravensburger prächtig: Knapp 360 Millionen Euro setzte das Unternehmen im Jahr 2013 nach eigenen Angaben um. Rund 80 Prozent verdiente man dabei mit Spielen, Puzzles sowie Mal- und Bastelprodukten. Neben klassischen Brettspielen wie „Malefiz“ oder „Fang den Hut“ produziert Ravensburger auch Hybrid-Spielzeuge, die Brettspiele mit einer Elektronik-Komponente vereinen. Dazu zählt etwa das Lernspiel „Tiptoi“, das Kleinkindern ab vier Jahren mithilfe eines intelligenten Lesestiftes die Lebenswelt der Großen näherbringt. „Gerade im Kleinkinder- und Vorschulbereich sind wir noch nicht so stark“, sagt Ravensburger-Sprecher Hüntelmann.

Die berühmte Holzeisenbahn ist heute mehr als Züge und Schienen

Brio habe dagegen genau in dieser Sparte einiges zu bieten. Die Holzeisenbahn der Schweden beispielsweise ist heute viel mehr als nur Züge und Schienen: Zubehör wie Passagiere, Bahnhofsvorsteher, Batterie-Loks, Tunnels, klappbare Brücken, bewegliche Schranken und der Bahnhof, bei dem die Kinder Ansagen selbst aufnehmen können, bereiten nicht nur den Kleinen, sondern auch manch Erwachsenem große Freude. Dabei schont die „Brio“ nicht gerade das Portemonnaie: Schon das „Starter-Set“ kostet im Handel 15 Euro aufwärts.

Brio bietet auch diverse Spielzeuge für Kleinkinder an

Neben der berühmten Eisenbahn gibt es bei Brio aber auch allerlei Spielzeug für Babys, Krabbelkinder und Lauflerner. So hat das Unternehmen für praktisch jede Altersgruppe ab der Geburt mehrere Produkte im Sortiment. Die Palette für jüngere Kinder reicht von Holzrasseln und anderen Greiflingen über Musikinstrumente, einen Dackel zum Nachziehen und Stapel-Clowns bis hin zum Wagen, den der laufwillige- aber noch nicht fähige Nachwuchs vor sich herschieben kann.

Die Schweden sollen eine eigenständige Tochter von Ravensburger werden

An den Produkten von Brio wird sich auch nach der Übernahme von Ravensburger nichts ändern. „Marke, Management und Belegschaft bilden künftig eine eigenständige Tochter unseres Unternehmens“, sagt Ravensburger-Sprecher Hüntelmann. Auch werde Brio seinen bisherigen Firmensitz in der Stadt Malmö beibehalten. Das schwedische Unternehmen wurde 1884 gegründet, beschäftigt derzeit rund 80 Mitarbeiter und ist in mehr als 20 Ländern vertreten. Der Jahresumsatz lag 2013 bei umgerechnet 37,6 Millionen Euro.

Ravensburger will den Rückstand auf Lego und Co wettmachen

Ravensburger will durch den Kauf von Brio zumindest ein Stück weit an die Branchenführer Lego, Mattel und Playmobil heranrücken: Nach vorläufigen Zahlen des Marktforschungsinstituts npd Group hatten diese Spielwarenhersteller gemessen am Umsatz im Jahr 2014 die Nase vorn. Ravensburger landete in dem Ranking auf dem vierten Platz.

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