Flughafenbau : Geschenk des Himmels

Die Politik wirbt gerne mit den enormen wirtschaftlichen Impulsen, die von einem Flughafen ausgehen – beginnend beim Bau: Doch so einfach ist das nicht.

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Im dichtbesiedelten Europa werden quasi nie neue Flughäfen gebaut.
Im dichtbesiedelten Europa werden quasi nie neue Flughäfen gebaut.Foto: dpa

Im nordwestfranzösischen Nantes sagt man, ein ehemaliger Minister habe in Paris den Beschluss zum Neubau eines Flughafens durchgedrückt. Er habe seiner Heimatstadt „etwas Gutes“ tun wollen. Eine äußert hartnäckige Bürgerbewegung lehnt dieses Geschenk ab und setzt alles daran, den für kommendes Jahr geplanten Baustart zu verhindern – womöglich mit Erfolg.

In Portugals Hauptstadt Lissabon legte die Regierung den Bau ihres neuen Hauptstadtflughafens wegen der Schuldenkrise auf Eis. Die Regierung in Warschau wiederum würde angesichts eines neuen Wohlstandes in Polen und stetig steigender Passagierzahlen gern einen neuen Flughafen in der Mitte des Landes bauen, sucht aber noch dringend private Geldgeber.

Bleibt noch Berlin als vierte von europaweit nur vier Städten, in denen man sich derzeit mit einem Flughafenneubau „beschäftigt“, um es neutral zu sagen. Auch hier ist der Ausgang noch offen.

Die Geschichte des Flughafen Tegel in Bildern
Sieht man ja auch nicht alle Tage aus dieser Perspektive: den Flughafen in Berlin-Tegel. Rechts das Terminal mit den zwei Pisten davor. Oben im Bild Flughafensee (rechts, der kleine) und der Tegeler See. Unten die Kleinanlagen zwischen Piste und Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal.Weitere Bilder anzeigen
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02.02.2017 09:45Sieht man ja auch nicht alle Tage aus dieser Perspektive: den Flughafen in Berlin-Tegel. Rechts das Terminal mit den zwei Pisten...

Es scheint normal, dass so ein gewaltiges Projekt die jeweils lokale Bevölkerung spaltet. Die Politik, die auch langfristige Entwicklungen im Blick haben soll, wirbt dann gern mit den enormen wirtschaftlichen Impulsen, die von so einem Flughafen ausgehen – beginnend beim Bau: Beim BER (einst BBI genannt) seien zwei Drittel des Auftragsvolumens, insgesamt knapp 1,44 Milliarden Euro, an Bauunternehmen in der Region Berlin/Brandenburg vergeben worden, hieß es in der bis heute aktuellsten Wirtschaftlichkeitsstudie von Mai 2009.

„In den folgenden Jahren ist weiterhin zu erwarten, dass der Luftverkehr in Berlin und die Großbaustelle BBI eine tragende Rolle für die Wirtschaft und die Bevölkerung in der Region Berlin/Brandenburg spielen werden“, hieß es in dem Bericht.

Nach Fertigstellung solle der Airport statistisch insgesamt 73 000 neue Jobs mit einem Gesamtjahreseinkommen von 2,3 Milliarden Euro schaffen – auch in Hotels, Gaststätten, neu angesiedelten Firmen. Auf diesen Jobsegen, der über BER in die Region einschweben soll, müssen die Menschen in Berlin und Brandenburg noch lange warten.

Sofern er überhaupt jemals kommt. Denn Erfahrungen mit Neubauten und ihren ökonomischen Auswirkungen gibt es in Europa kaum. Anders als in China, wo zwischen den Jahren 2000 bis 2020 insgesamt 78 neue Großflughäfen gebaut wurden und werden, wurde in Europa zuletzt im Jahre 2001 ein großer Flughafenneubau fertiggestellt. Das war ausgerechnet im heute verarmten Athen – und übrigens vom Baukonzern Hochtief, den man in Berlin vor die Tür setzte. Seither hat sich aber viel getan.

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