Gar nicht süß : Zuckerhersteller müssen für Preisabsprachen büßen

Über Jahre hinweg haben Zuckerhersteller die Preise abgesprochen. Jetzt bekommen sie Millionenstrafen - für eines der vier Unternehmen wird es besonders teuer.

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Weißes Gold. Nicht nur Haushaltszucker, auch Gummibären, Kekse und nahezu alle anderen Süßigkeiten dürften durch die Absprachen der Hersteller teurer geworden sein. Industriekunden sprechen von „teils immensen Steigerungen“.
Weißes Gold. Nicht nur Haushaltszucker, auch Gummibären, Kekse und nahezu alle anderen Süßigkeiten dürften durch die Absprachen...Foto: IMAGO

Nach Kartoffel- und Mehlkartell nun auch noch das: Jahrelang haben deutsche Verbraucher offenbar mehr Geld für Zucker und Süßigkeiten bezahlen müssen, als rechtmäßig war. Das Kartellamt ist am Dienstag zu dem Schluss gekommen, dass Produzenten systematisch ihre Kunden betrogen haben. Laut Kartellamtspräsident Andreas Mundt gilt als erwiesen, dass es zwischen den Unternehmen Südzucker, Nordzucker und Pfeifer und Langen, die den Diamant-Zucker verkaufen, Absprachen über Vertriebsgebiete, Quoten und Preise gegeben hat.

Ziel sei es dabei gewesen, möglichst hohe Gewinnspannen zu schaffen. Bußgelder in Höhe von 280 Millionen Euro verhängte die Behörde deshalb am Dienstag gegen die Unternehmen. Die höchste Einzelstrafe erhielt die Südzucker AG aus Mannheim, Europas größter Zuckerhersteller. Nach eigenen Angaben muss das Unternehmen eine Strafe über 195,5 Millionen Euro zahlen. Man habe den Bescheid akzeptiert, heißt es dort. Ein Schuldeingeständnis? „Wir wollten das seit fast fünf Jahren anhängige Verfahren beenden, um Rechts- und Planungssicherheit zu erhalten“, begründete Südzucker vage. Südzucker ist im Dax der mittleren Werte notiert. Die Aktien rutschten am Dienstag um 1,9 Prozent ins Minus.

Der Zufall half den Wettbewerbshüters

Auf die Spur waren die Wettbewerbswächter 2009 eher zufällig gestoßen, als sie ein Fusionsvorhaben in der Branche prüften. Die Braunschweiger Firma Nordzucker wollte die Zuckersparte des dänischen Nahrungsmittelkonzerns Danisco übernehmen. Dabei fiel den Wettbewerbsrechtlern auf, dass deutsche Produzenten zwar Ware ins Ausland, aber fast nie in die Kernvertriebsregionen ihrer Konkurrenten lieferten.Razzien bestätigten den Verdacht, dass die Hersteller sich auf Hoheitsgebiete verständigt hatten. Der Revierschutz ermöglichte ihnen ein Quasi-Monopol und verhinderte jeden Konkurrenz- und Preiskampf. Teils sei es dadurch laut Industriekunden zu erheblichen Preissteigerungen gekommen, erfuhr das Kartellamt. Vereinzelt sogar zu Versorgungsengpässen.

Während des Verfahrens hatten die Unternehmen sich auch damit zu entlasten versucht, dass angeblich Vertreter staatlicher Stellen von den Absprachen gewusst und diese auch gebilligt hätten. Dazu habe die Behörde aber keine belastbaren Hinweise finden können, hieß es.

Nordzucker schasst führende Mitarbeiter

Auch Nordzucker teilte mit, man sei mit der Strafe einverstanden. Insidern zufolge ist die Firma mit einem Bußgeld in einstelliger Millionenhöhe davongekommen. Die genaue Summe ist nicht bekannt. Die Firma, wegen der die Ermittlungen ins Rollen gekommen waren, hat offenbar die Kronzeugenrolle eingenommen. Das Unternehmen habe „mit dem Bundeskartellamt im Rahmen der Bonusregelung umfassend kooperiert und daher einen weitreichenden Bußgelderlass erhalten“, gab das Amt preis. Bußgelder verhängte das Kartellamt auch gegen sieben persönlich Verantwortliche.

Nordzucker habe Konsequenzen aus dem Fall gezogen und führende Mitarbeiter ihres Amtes enthoben, sagte eine Sprecherin. Auch habe man wesentliche Geschäftsprozesse neu organisiert und sei bereit für einen Neuanfang. Pfeifer & Langen mit Sitz in Köln kommentierte die Strafe bis zum Redaktionsschluss nicht. Ob das Ausmaß der Klüngelei womöglich noch größer ist als nun angenommen, untersucht die Europäische Kommission. Im Mai vergangenen Jahres hatte sie ihrerseits Niederlassungen von Zuckerherstellern durchsucht wegen des Verdachts, dass europaweit Absprachen getroffen wurden.

Der Zuckermarkt ist in Europa streng reguliert: Die Zuckerverordnung von 2006 legt fest, dass 85 Prozent des europäischen Bedarfs aus eigener Produktion gedeckt werden müssen. Im Gegenzug dürfen europäische Produzenten ihren Zucker nicht an Länder außerhalb Europas liefern. Die Spielräume der Hersteller sind darum begrenzt. mit dpa

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