Gas-Leck auf der Nordsee : Flamme auf der Total-Plattform

Auf der Total-Plattform brennt eine Flamme, die nicht mehr vor der Evakuierung gelöscht werden konnte. Es soll jedoch keine akute Explosionsgefahr bestehen.

Mittlerweile hat man das Leck gefunden, aus dem Gas austritt. Doch bis das Loch gestopft ist, wird es noch eine Weile dauern.Weitere Bilder anzeigen
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28.03.2012 09:32Mittlerweile hat man das Leck gefunden, aus dem Gas austritt. Doch bis das Loch gestopft ist, wird es noch eine Weile dauern.

Experten haben sich beunruhigt über die Tatsache gezeigt, dass an der lecken Nordsee-Gasplattform noch immer eine Gasfackel brennt. Ein Sprecher des französischen Energiekonzerns Total räumte am Mittwoch ein, dass die Flamme an der Spitze der Anlage drei Tage nach der vollständigen Evakuierung der Anlage weiterhin brenne. Experten zufolge könnte es zu einer Explosion kommen, wenn das durch ein Leck austretende Gas mit der Fackel in Kontakt kommt. Angesichts der gegenwärtigen Wetterverhältnisse bestehe jedoch keine Explosionsgefahr, teilte Total am Mittwoch mit. Dennoch würden derzeit Pläne entwickelt, wie die Flamme gelöscht werden könnte. Bei der Evakuierung der Plattform am Montag sei die Gasfackel nicht gelöscht worden, zitierte die britische Rundfunkanstalt BBC einen Unternehmenssprecher.

Unterdessen wurden die Überwachungsflüge in der Region fortgesetzt. Zuletzt war dabei ein dünner Film kondensierten Gases auf der Wasseroberfläche entdeckt worden. Total-Sprecher Jacques Emmanuel Saulnier beschrieb die Lage am Mittwoch als ernst, aber stabil. „Die ersten Hinweise deuten darauf hin, dass es momentan keine signifikanten Beeinträchtigungen der Umwelt gibt“, sagte Saulnier dem Rundfunksender France-Info. „Die absolute Priorität liegt heute darauf, das Gasleck zu schließen und die Umweltschäden zu begrenzen.“ Zur Schließung des Gaslecks an dem Bohrloch vor der Ostküste Schottlands prüfte Total mehrere Optionen. Bis zur Fertigstellung einer Entlastungsbohrung könnten sechs Monate vergehen, erklärte Total laut einem BBC-Bericht vom Mittwoch. Die Lage sei stabil, das Leck jedoch noch nicht gefunden.

Der Vorfall auf der „Elgin“ weckt Erinnerungen an die Explosion der BP-Förderplattform „Deepwater Horizon“ und die anschließende Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko vor knapp zwei Jahren. Der britische Umweltminister Charles Hendry erklärte jedoch, es seien bislang keine größeren Mengen Öl in die Umwelt gelangt. Der Ölfilm auf der Meeresoberfläche sei kleiner als ein Olympia-Schwimmbecken. Dennoch nehme die Regierung die Lage ernst.

Von zwei benachbarten Bohrstationen vor der schottischen Ostküste vor Schottlands Ostküste zog der Energiekonzern Shell am Dienstag vorsichtshalber große Teile seines Personals ab, wie das Unternehmen mitteilte. Die Küstenwache errichtete um die leckgeschlagene Plattform eine Zwei-Meilen-Sperrzone für Schiffe und eine Drei-Meilen-Zone für Flugzeuge. Total flog nach eigenen Angaben 10 bis 20 Spezialisten ein.

Die „Elgin“-Plattform von Total war bereits am Sonntag geräumt worden, nachdem das Leck bemerkt worden war. Alle 238 Arbeiter sind in Sicherheit. Total kündigte an, „alle möglichen Maßnahmen zu ergreifen, um das Leck zu identifizieren“. Der Sprecher bezeichnete die Gefahr, dass die Plattform explodieren könne, als gering. „Aber man sollte nie nie sagen“, betonte er. Er schloss auch eine Vergrößerung der Sperrzone nicht aus.

Die Ölpest im Golf von Mexiko
20. April 2010: Die 80 Kilometer vor der Küste des US-Bundesstaats Louisiana gelegene Förderplattform "Deepwater Horizon" explodiert, elf Arbeiter sterben.Weitere Bilder anzeigen
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19.04.2011 13:0120. April 2010: Die 80 Kilometer vor der Küste des US-Bundesstaats Louisiana gelegene Förderplattform "Deepwater Horizon"...

Nach Angaben des Total-Sprechers handelt es sich bei dem austretenden Stoff um ein Gas-Kondensat, das in flüssiger Form gefördert wird. Es sei entzündlich und potenziell auch explosiv. Die Auswirkungen auf die Umwelt seien jedoch deutlich geringer als etwa bei Erdöl. Das Gas-Kondensat sei sehr leicht und verflüchtige sich. Allerdings könne es Wochen oder Monate dauern, bis das Leck gestopft sei.

Britische Umweltschützer kritisierten die Gasförderung in der Nordsee, für die Finanzminister George Osborne erst vor wenigen Tagen Steuererleichterungen in Milliardenhöhe in Aussicht gestellt hatte. Das austretende Gas sei 20 Mal klimaschädlicher als Kohlendioxid. Großbritannien müsse auf umweltfreundliche Technologien wie Wind und Sonne umstellen.

Der Unfall sei „ein weiterer Beweis für die Unbeherrschbarkeit von Bohrungen in großer Meerestiefe“, erklärte der Meeresschutzexperte Stephan Lutter vom WWF Deutschland und forderte ein Moratorium für solche Anlagen. Außerdem seien strengere Auflagen und höhere Sicherheitsvorkehrungen für die Betreiber von Öl- und Gasplattformen notwendig. Sollte der Gasaustritt länger andauern, könnten „Todeszonen in der Umgebung entstehen und das Ökosystem der Nordsee schädigen“, warnte Lutter.

Für die Öffentlichkeit an Land besteht nach Angaben der Behörden keine unmittelbare Gefahr. Das ausströmende Gas enthalte aber giftigen Schwefelwasserstoff, weshalb Personen direkt am Leck gefährdet seien. Nach Angaben der Behörden wird sich das Gas mit der Zeit in die Atmosphäre verflüchtigen.

Die norwegische Umweltgruppe Bellona sprach von einem Horrorszenario, das eingetreten sei. „Das Problem ist außer Kontrolle geraten.“

An der „Elgin“-Plattform förderte Total täglich neun Millionen Kubikmeter Gas, was drei Prozent der britischen Gesamtfördermenge von Erdgas entspricht. Zudem wurden an der Bohrinsel täglich 60 000 Barrel Leichtöl gewonnen, was rund 5,5 Prozent der britischen Gesamtfördermenge von Erdöl entspricht.

An der Pariser Börse verlor die Total-Aktie mehr als sechs Prozent. (rtr/dpa/dapd)

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