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Gehälterkluft : Warum Frauen weniger verdienen

29.01.2012 00:00 Uhrvon
Gesammelte Erfahrung. Die Berliner Beraterin Brigitte Freiburghaus arbeitet mit Gründerinnen an Strategien zum finanziellen Erfolg. Foto: Mike WolffBild vergrößern
Gesammelte Erfahrung. Die Berliner Beraterin Brigitte Freiburghaus arbeitet mit Gründerinnen an Strategien zum finanziellen Erfolg. - Foto: Mike Wolff

In fast allen Branchen und Berufen ist das Einkommen von Frauen im Schnitt viel niedriger als das von Männern: Warum das sogar bei Unternehmerinnen zutrifft – und wie sich das ändern lässt.

Wenn Brigitte Freiburghaus in ihrem Büro jungen Gründerinnen gegenübersitzt, erzählt sie ihnen gerne von Hanna Hilfreich, einer Heilpraktikerin, die es nicht übers Herz bringt, für ihre Massagen einen Stundensatz von 70 Euro zu nehmen – und beginnt, für 30 Euro brutto in der Stunde zu arbeiten. Es dauert nicht lange, bis sie dann die Betriebskosten und die Miete nicht mehr zahlen kann – und nach einem halben Jahr die Praxis schließen muss.

Freiburghaus führt ihre Existenzgründerberatung in Tiergarten. Ihr Terminkalender ist gut gefüllt. Sie arbeitet als Beraterin, Coach und Dozentin und beschäftigt fünf Mitarbeiter. Die Geschichte der Heilpraktikerin Hilfreich hat sie sich ausgedacht.

Weit weg von der Wirklichkeit sei sie häufig aber nicht, sagt die 53-Jährige. Daraus erwächst nun ihre Aufgabe: „Ich bin dazu da, das zu ändern und mit Gründerinnen dazu gemeinsam Strategien zu entwickeln“, erklärt sie.

Nicht erst seit dem Jahr 2008, als in Deutschland der internationale „Equal Pay Day“ eingeführt wurde, der auf die Ungleichheit in der Bezahlung von Männern und Frauen aufmerksam macht, ist die Lücke zwischen den Einkommen von Männern und Frauen bekannt. Bei Angestellten beträgt sie im Schnitt 23 Prozent. Laut einer aktuellen Studie der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin ist die Lücke bei den Selbstständigen aber sogar noch größer. Unternehmerinnen bekommen im Schnitt 34 Prozent weniger aufs Konto überwiesen als selbstständige Männer.

Die Zahlen wurden deutschlandweit erhoben. „Die Situation lässt sich aber durchaus auf Berlin übertragen“, sagt Claudia Gather. Die HWR-Professorin hat die Studie durchgeführt.

Doch was steckt dahinter? Warum ist bei Frauen, die in der Regel viel Eigeninitiative, Mut und Risikobereitschaft brauchen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, die Kluft sogar noch größer als bei angestellten Frauen, die in ihrem Arbeitsalltag hinsichtlich ihres Gehaltes oft viel weniger Spielraum haben?

„Eine Annahme ist es, dass Frauen gar nicht erst in den Bereichen gründen, in denen das meiste Geld verdient wird“, sagt Gather. Ein Hinweis darauf sei, dass Frauen auch im branchenspezifischen Vergleich deutlich schlechter abschneiden. In der Gesundheitsbranche zum Beispiel kommen sie nur auf die Hälfte des Einkommens ihrer männlichen Kollegen.

Das könnte daran liegen, dass Männer in diesem Bereich lukrativere Arztpraxen gründen und gut verdienen – während Frauen als Physiotherapeutinnen oder Hebammen mit ihren Praxen im unteren Einkommensbereich liegen. Doch das sei nur eine Vermutung und durch die HWR-Studie nicht eindeutig zu belegen.

Ein zweiter Aspekt, der immer wieder als Argument für geringere Einkommen von Frauen aufgeführt wird, hat laut der Studie bei selbstständigen Frauen weniger Relevanz: Eine zusätzliche Belastung durch Kinderbetreuung kann danach nicht als Grund für das ungleiche Einkommen herhalten, denn auch Frauen ohne Kinder oder mit erwachsenen Kindern erwirtschaften ein Drittel weniger.

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