Wirtschaft : Geld mit gutem Gewissen

Ein private Organisation zeichnet Banken mit einem Siegel aus, die nachhaltige Finanzprodukte anbieten.

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Rendite im Kornfeld? Nur Banken, die nicht mit Nahrungsmitteln wie Getreide spekulieren, bekommen das Siegel. Foto: AFP
Rendite im Kornfeld? Nur Banken, die nicht mit Nahrungsmitteln wie Getreide spekulieren, bekommen das Siegel. Foto: AFPFoto: AFP

Frankfurt am Main - Maximal zwölf Banken, Finanzberater und Anlageprodukte dürften sich in diesem Jahr mit dem neuen Siegel schmücken und damit werben – fünf haben es bisher erhalten. Sie dürfen sich dank der Organisation Ecoreporter als nachhaltige Bank, als Anbieter eines nachhaltigen Finanzproduktes oder als Finanzdienstleister mit nachhaltiger Anlageberatung bezeichnen. „Es ist gut, dass es jetzt ein solches privates Siegel gibt“, sagte Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag. „Aber es fehlt ein staatliches Siegel ähnlich wie bei Bio-Produkten.“ Auch der Markt der nachhaltigen Geldanlage sei von großer Intransparenz geprägt. Die will Ecoreporter mit dem Siegel für nachhaltige Geldanlagen jetzt ein wenig lichten.

„Es gelten strenge Kriterien“, betonte Jörg Weber, Vorstand von Ecoreporter am Dienstag in Frankfurt am Main. „Die Besonderheit des Siegels ist die Konzentration auf das Kerngeschäft des Anbieters.“ Bei Banken seien das Kredite und Anlagenprodukte, aber auch eigene Geldanlagen, bei Finanzdienstleister nicht die Investments sondern auch die Art der Beratung. Bei Finanzprodukten schließlich gehe es zwar um das jeweilige Angebot, aber auch um die anderen Produkte. Eine einzige Solaranleihe unter „normalen“ Anleihen sei nicht ausreichend. „Ziel ist ernsthaft nachhaltige Geldanlagen von den Produkten zu unterscheiden, die nur von einem Trend profitieren wollen“, sagte Weber. Im Übrigen würden die Angebote auch ökonomisch geprüft, ob die Renditeversprechen realistisch seien.

Die Mindeststandards, die Ecoreporter setzt, entsprechen den üblichen Kriterien für nachhaltige Geldanlagen: Keine Atomenergie, keine Rüstung, keine Kinderarbeit, keine Länder, in denen die Todesstrafe praktiziert wird, keine Menschenrechtsverletzungen. Anlagen, die auf Gentechnik, auf Tierversuche, Glückspielen oder Suchtmittel setzen, sind ebenso tabu wie Produkte zur Spekulation mit Nahrungs- und Lebensmitteln.

Zu den Finanzprodukten, die das Siegel erhalten können, gehören Weber zufolge auch geschlossene Fonds und Genussrechte. Da allerdings rät Schick zur Vorsicht: „Möglicherweise entsprechen solche Produkte, auch wenn sie das Nachhaltigkeitssiegel tragen, nicht den Vorgaben des Verbraucherschutzes.“ Bei geschlossenen Fonds etwa kann im Fall einer Krise für den Anleger eine teure Nachschusspflicht bestehen, dass heißt, er muss ein zweites Mal Geld einzahlen. Geschlossene Fonds haben mitunter auch bei Anlageskandalen in der Vergangenheit eine unrühmliche Rolle gespielt.

Drei Banken, eine Anleihe und ein Finanzberater wurden jetzt nach intensiver Prüfung mit dem Nachhaltigkeits-Siegel bedacht: Die Bank für Kirche und Caritas, die GLS Bank, die Steyler Bank, der Finanzberater Mehrwert und die Stufenzins-Anleihe V des Bremer Energiekontors, der Windkraft- und Solaranlagen finanziert. Es handelt sich ausnahmslos um Geldhäuser und Anbieter, die sich schon lange und ausschließlich der nachhaltigen Geldanlage widmen.