Geldabheben oder Rechnungen bezahlen : Wenn der Supermarkt die Bank ersetzt

An der Ladenkasse kann man Geld abheben, einzahlen oder Rechnungen begleichen. Wie das funktioniert und was Banken und Handel davon haben.

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An der Supermarktkasse kann man inzwischen auch Geld vom Konto abheben.
An der Supermarktkasse kann man inzwischen auch Geld vom Konto abheben.Foto: Robert Kneschke Fotolia

Neben Butter, Wurst und Milch steht bei manchen Deutschen inzwischen auch Bargeld auf dem Einkaufszettel. Denn in vielen Supermärkten kann man längst nicht mehr „nur“ einkaufen, sondern an der Kasse gleich auch noch Geld vom eigenen Konto abheben. Und das ist erst der Anfang: Schon jetzt können manche Bankkunden auf die gleiche Weise an der Supermarktkasse auch Geld auf ihr Konto einzahlen. Manche Händler bieten noch dazu Automaten, an denen man sein Kleingeld in Gutscheine umwandeln kann. Selbst Rechnungen etwa für den Online-Einkauf, für den Strom oder den Handyvertrag lassen sich an der Supermarktkasse begleichen. Kurzum: Statt zur Bank können Verbraucher immer öfter einfach in den Supermarkt gehen. Wie das funktioniert und was Handel und Banken davon haben.

BEIM EINKAUF GELD ABHEBEN

„Cash Back“ nennt sich das bereits weit verbreitete Verfahren, mit dem Kunden an der Supermarktkasse Geld abheben können. Zum Einsatz kommt es zum Beispiel bei Rewe, Edeka, Penny, Netto und Aldi Süd. Bei Aldi Nord soll man darüber nachdenken, den Service anzubieten. Wer an der Kasse Geld abheben will, muss dafür lediglich seine Girokarte ins Lesegerät stecken und seine Pin-Nummer eingeben. Anschließend zahlt die Kassiererin das Geld in bar aus. Die Summe wird dann zusammen mit dem Einkaufswert vom Konto abgebucht.

Nutzen können Kunden den Service allerdings nur, wenn sie gleichzeitig für mindestens 20 Euro einkaufen. Außerdem funktioniert das Ganze nur mit der Girokarte, nicht mit der Kreditkarte. Dafür ist das Geldabheben für alle Kunden gebührenfrei – egal bei welcher Bank sie sind. Maximal können sie so allerdings nur 200 Euro abheben: eine Obergrenze, auf die sich die Händler mit den Banken verständigt haben.

Etwas anders läuft das Ganze an der Tankstelle ab. Bei Shell etwa können Kunden inzwischen auch höhere Summen abheben: bis zu 1000 Euro bekommen sie dort in bar. Und das auch ohne vorher tanken oder einkaufen zu müssen. Wie im Supermarkt wird auch hier die Summe, die man abheben will, über die Girokarte vom Konto abgebucht. Aber Achtung: Anders als im Supermarkt ist das Geldabheben an der Tankstelle nicht für alle Kunden kostenlos. Shell ist an die Cash-Group angeschlossen, eine Bankengruppe, zu der etwa die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Postbank gehören. Ihre Kunden können an den Shell-Tankstellen gebührenfrei Geld abheben. Alle anderen zahlen drauf. Lagen die Gebühren für sie bis November noch bei 1,95 Euro pro Abhebevorgang, sind sie inzwischen auf 3,95 Euro angestiegen.

DIE BARCODE-METHODE

Alternativ zum Geldabheben per Karte hat das Berliner Start-up Barzahlen eine Methode entwickelt, mit der Kunden auch über einen eigens generierten Barcode auf dem Smartphone an der Supermarkt-Kasse Geld vom eigenen Konto abheben können. „Cash im Shop“ nennt sich das Verfahren, das bislang nur Kunden der Direktbanken DKB und N26 nutzen können. Nach eigenen Angaben ist Barzahlen jedoch bereits auch mit Filialbanken im Gespräch, die den Service ebenfalls anbieten wollen.

Praktisch funktioniert das Geldabheben per Barcode so: Während die Kunden in der Schlange stehen, öffnen sie ihre Banking-App. Dort geben sie ein, wie viel Geld sie abheben wollen. Anschließend erscheint auf dem Smartphone ein Barcode. Den zieht die Kassierin über ihren Scanner und zahlt dann die gewünschte Summe aus. Zwischen 50 bis 300 Euro kann man auf diese Weise per Smartphone vom Konto abheben. Möglich ist das etwa in den Supermärkten von Rewe, Penny und Real, in der Bahnhofsbuchhandlung Ludwig oder in Läden der Drogeriemarktkette Budni.

Der Vorteil: Anders als beim Geldabheben per Girokarte im Supermarkt gibt es für „Cash im Shop“ keinen Mindesteinkaufswert. Theoretisch können Kunden also auch nur zum Geldziehen in den Supermarkt gehen. Und: Auf die gleiche Weise lässt sich auch Geld aufs Konto einzahlen. Auch dafür generiert der Kunde auf seinem Smartphone einen Barcode. Das Geld gibt er dann an der Kasse ab und bekommt es auf seinem Konto gutgeschrieben. Dabei ist es gleich, ob er das Geld in Scheinen oder Münzen einzahlt. Wer auf diese Weise allerdings mehr als 100 Euro auf sein Konto transferieren will, zahlt bei N26 dafür eine Gebühr von 1,5 Prozent des eingezahlten Betrags.

Gegründet worden ist das Start-up Barzahlen ursprünglich, um Kunden zu ermöglichen, ihre Online-Einkäufe statt mit Kreditkarte oder auf Rechnung auch bar zu bezahlen. Dafür drucken sich die Kunden nach dem Einkauf im Netz einfach einen Zahlschein mit Barcode aus. Mit dem gehen sie dann zu einem der teilnehmenden Händler wie Rewe, Penny oder dm. Dort lassen sie den Code an der Kasse einscannen und bezahlen den Betrag in bar. Auf ähnliche Weise kann man auch seine Rechnungen vom Strom- oder Telekommunikationsanbieter in bar begleichen.

KLEINGELD EINZAHLEN

Auch die gesammelten Münzen aus dem Sparschwein können Kunden bereits vereinzelt im Supermarkt loswerden. Bei der norddeutschen Kette Familia gibt es dafür zum Beispiel schon jetzt sogenannte Coincasher. Die Supermarktkette Real testet sie nach Angaben einer Sprecherin derzeit in einigen Märkten in Nordrhein-Westfalen. Coincasher sind Automaten, in die man sein Kleingeld reinschüttet und die dann einen Bon ausspucken – ähnlich wie das an Automaten funktioniert, an denen man seine Pfandflaschen los wird. Mit dem Bon geht man dann zur Kasse, wo man den gutgeschriebenen Betrag einfach mit dem Einkauf verrechnen lassen kann.

DER VORTEIL FÜR HÄNDLER

Für die Händler kann es von Vorteil sein, den Kunden das Bargeldabheben anzubieten – auch wenn sie daran direkt nichts verdienen. Denn selbst wenn Gebühren anfallen, gehen die an die Bank, die die Zahlung abwickelt. Der Vorteil für die Supermärkte und Tankstellen ist ein anderer: Zahlen die Kassierer einen Teil des Bargelds, das sie einnehmen, direkt wieder aus, haben sie abends weniger Scheine, die sie zählen müssen. Auch brauchen sie weniger Geldkassetten, in denen das eingenommene Bargeld verstaut und von Sicherheitsdiensten abgeholt wird. Heben viele Kunden Geld ab, kann der Händler so im besten Fall sogar noch Geld sparen. Da können sich selbst die Gebühren lohnen, die die Kartenanbieter den Händler in Rechnung stellen, damit sie die Kartenzahlung abwickeln. Weil diese Gebühren für Händler bei Kreditkarten höher ausfallen als bei Girokarten, bieten sie das Geldabheben an der Kasse bislang nicht per Kreditkarte an.

Die Händler argumentieren zudem, dass sie dem Kunden einen Mehrwert bieten wollen. Schließlich ist es für sie bequem, wenn sie mal eben neben dem Einkauf Geld abheben können, statt dafür extra den nächsten Automaten aufsuchen zu müssen. Angesichts des großen Wettbewerbs versuchen die Supermärkte sich so auch von der Konkurrenz abzugrenzen. Schließlich bieten den Service bislang noch nicht alle Ketten an. Zumal für die Händler dadurch kein größeres Risiko entsteht als bei der normalen Kartenzahlung. Da der Kunde für die Abhebung seine Pin-Nummer eingeben muss, wird die Zahlung im Hintergrund automatisch geprüft und garantiert. Deshalb brauchen die Händler dafür auch anders als Banken keine Erlaubnis für das Betreiben eines Kreditgeschäfts.

DIE MOTIVATION DER BANKEN

Die Banken profitieren von dem Dienst ebenfalls, weil sie so das Geldabheben an mehr Standorten ermöglichen können. Gerade kleinere Institute hoffen, auf diese Weise mehr Kunden gewinnen zu können. Schließlich ist bei der Wahl der Bank für viele Verbraucher ausschlaggebend, ob es in ihrer Nähe einen Geldautomaten gibt. Institute wie die Sparda Bank sind da im Nachteil: Während etwa die Sparkassen bundesweit über 20 000 Automaten haben, kommen die Sparda-Banken gerade einmal auf knapp 3000. Auch Direktbanken, die keine Filialen haben, nutzen die Supermärkte gerne, um die Zahl der Stellen zu erhöhen, an denen man mit ihren Karten Geld abheben kann.

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