Geldanlage : Erneuerbare Rendite

Geld in die Energiewende zu investieren, scheint für viele Anleger attraktiv. Doch das Geschäft birgt auch Risiken - die lassen sich mit gewissenhafter Information und professioneller Beratung minimieren.

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Wer bereit ist, ein höheres Risiko zu tragen und sein Geld ruhen zu lassen, findet gerade bei Windkraftprojekten ein großes Angebot seriöser geschlossener Fonds.
Wer bereit ist, ein höheres Risiko zu tragen und sein Geld ruhen zu lassen, findet gerade bei Windkraftprojekten ein großes...Foto: Reuters

Geld stinkt nicht. Und grünes Geld, glaubt mancher Anleger, duftet sogar ein bisschen. Eine angenehme Vorstellung: Rendite erzielen und nebenbei die Welt ein wenig sauberer machen. Firmen, Fondsanbieter und Anlageberater nutzen diesen Wunsch von Kleinanlegern jedoch aus, deklarieren ökologisch fragwürdige Projekte zu „nachhaltigen Investments“. Oder sie erwecken den Eindruck, dass man mit ökologisch oder ethisch sauberen Geldanlagen überdurchschnittliche Renditen erzielen kann. Nur wer bei der Auswahl der Anlage Zeit investiert, kann tatsächlich „grünes Geld“ verdienen.

Dass Erneuerbare an Bedeutung gewinnen werden, daran zweifelt jedenfalls kein Experte ernsthaft – trotz der aktuellen Debatte über das Tempo der Energiewende. Nach Angaben des Datendienstes Bloomberg wurden 2010 rund 195 Milliarden Dollar direkt in erneuerbare Energien investiert. 2020 dürften es bereits 395 Milliarden, 2030 sogar 460 Milliarden Dollar sein. Und selbst dann dürfte erst ein Viertel der global benötigten Strommenge regenerativ erzeugt werden, wie die Internationale Energieagentur vorrechnet.

Für Anleger begann alles mit Bürgerwindparks in den 80er Jahren. Heute gibt es deutlich unkompliziertere Angebote: Man kann Aktien, Anleihen, offene und geschlossene Fonds, Open-End-Zertifikate, Genussrechte und viele Vehikel mehr erwerben und sich so an existierenden oder noch zu bauenden Windparks, Staudammprojekten, Tropenholzplantagen oder Solarfirmen beteiligen.

Angebote werden regelmäßig in Magazinen wie „Ökotest“, „Finanztest“, auf dem Portal „Ecoreporter“ oder im Börsenbrief „Öko-Invest“ vorgestellt. Ein unabhängiges Siegel zur Orientierung existiert nicht. „Stattdessen gibt es einen gewaltigen Wildwuchs an Kapitalanlagen, die sich alle grün nennen, weil das im Vertrieb ein attraktives Verkaufsargument ist“, sagt Niels Nauhauser, Experte für Altersvorsorge, Banken und Kredite bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Wie sortiert man das Angebot? Mancher identifiziert zunächst eine Technologie, die er für vielversprechend hält und kauft dann irgendein Anlageprodukt, das die Entwicklung entsprechender Unternehmen abbildet. Ein anderer schaut, welche Anlage sich bisher gut entwickelt hat und steigt mit ein. „Weder das eine noch das andere ist zielführend. Es gibt unzählige, aus Entwicklersicht vielversprechende, aber für Anleger ruinöse Technologien“, sagt Verbraucherschützer Nauhauser. Bei Fonds sei es so, dass diejenigen, die am besten performt haben, oft auch diejenigen sind, die das höchste Risiko eingegangen sind, da sie sich spezialisiert haben. „Das aber heißt auch: das Rückschlagpotenzial ist hier viel größer als bei Fonds, die durchschnittlich abgeschnitten haben, weil sie viel breiter diversifiziert haben.“

Was die Anlageform angeht, rät Nauhauser zum Konservatismus. „Offene Fonds sind hierzulande relativ gut reguliert, hier kann man breit diversifiziert anlegen.“ Von geschlossenen Fonds oder dem Kauf einzelner Aktien rät er dagegen ab. „Geschlossene Fonds haben eine sehr lange Laufzeit, sind also unflexibel. Zudem bergen sie in der Regel Totalverlust risiken“, sagt er. Wer aber bereit ist, das zu tragen und sein Geld ruhen zu lassen, findet gerade bei Windkraftprojekten ein großes Angebot – auch seriöser – geschlossener Fonds. Anbieter werben damit, dass das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hierzulande fixe Abnahmepreise für Windstrom über 20 Jahre ab Anschluss der Anlage garantiert. Aber: Der Blitz kann dennoch einschlagen oder ein windschwaches Jahr kommen.

Das Unternehmen Prokon aus dem schleswig-holsteinischen Itzehoe bietet gar Genussscheine als Beteiligungsform an seinen Windparks an und wirbt dafür intensiv in TV-Werbespots und mit Postwurfsendungen. 2010 und 2011 gab Prokon 35 Millionen oder 7,5 Prozent der in diesem Zeitraum eingeworbenen Anlegergelder nur für Werbung aus. Kritiker, wie Michael Olbrich, Professor am Institut für Wirtschaftsprüfung an der Universität des Saarlandes, hatte jüngst im Auftrag der Zeitschrift „Capital“ die Geschäftszahlen der Gruppe geprüft. Er hege „Zweifel, dass es sich bei Prokon um ein seriöses Unternehmen handelt“, sagte er.

Ein Kernvorwurf: Prokon zahle derzeit acht Prozent Zinsen jährlich an die Genussscheininhaber – eine Rendite, die Windparks kaum abwerfen könnten. Auch Verbraucherschützer Nauhauser warnt vor Genussrechten und -scheinen aufgrund „des hohen Risikos“ und der „miserablen Transparenz“.

Prokon weist die Vorwürfe zurück. Eine derartige Verzinsung sei sehr wohl möglich, auch habe man sämtliche Geschäftsberichte der vergangenen Jahre nachträglich von unabhängigen Wirtschaftsprüfern testieren lassen. Vielmehr sieht sich das Unternehmen als Opfer einer Kampagne. „Wir sind eben etwas anders als andere, aber damit sehr erfolgreich“, sagt eine Sprecherin.

Die auf grüne Geldanlagen spezialisierte Unternehmensberatung und Beteiligungsgesellschaft Murphy & Spitz aus Bonn rät Anlegern ein paar einfache Regeln zu befolgen, um seriöse Anbieter zu identifizieren: Der Anbieter solle stets klare Anlagekriterien nennen und transparent machen, wo genau er investiert. Als Anleger sollte man sich eine Leistungsbilanz aller bisher betreuten Projekte vorlegen lassen. „Wenn diese Informationen nicht zur Verfügung gestellt werden, ist Skepsis angebracht“, sagt Sandra Murphy von Murphy & Spitz.

Ihr Unternehmen würde – anders als andere Anbieter grüner Anlagen – nicht den „Best-in-Class-Ansatz“ verfolgen, bei dem ein Fonds etwa in die nachhaltigsten Unternehmen in allen Branchen investiert. So könnten nämlich auch Öl- oder gar Rüstungskonzerne in einem vermeintlich grünen Fonds landen.

Was Grün ist, liegt auch im Auge des Betrachters. Sind Staudammprojekte in der Türkei, die derzeit häufig beworben werden, ökologisch sinnvoll, weil damit klimafreundlich Strom erzeugt werden kann? Oder zählt, dass lokale Lebensräume für Mensch und Tier zerstört werden? Ähnlich umstritten sind Beteiligungen an Holzplantagen in Entwicklungsländern: Stehen dort schnell wachsende Bäume für die Möbelindustrie, kann sich das Investment rechnen. Wurden dafür aber langsam wachsende Tropenbäume abgeholzt? Bei der Frage nach ökologischen Investments in die Recyclingbranche winken viele Experten ab. „Zu viele schwarze Schafe“, sagt Sandra Murphy. Oft sei unklar, woher der verarbeitete Müll komme.

Mit Aktien hatten Anleger in den vergangenen Jahren wenig Freude: So sank der auf Xetra gehandelte Öko-Dax seit seinem Start 2007 fast stetig von mehr als 800 auf zuletzt noch 60 Punkte. Er bündelt zehn Werte aus der deutschen Erneuerbare-Energien-Branche. Der internationale Renixx (Renewable Energy Industrial Index) fiel von rund 2000 Punkten im Jahr 2008 auf zuletzt 160 Punkte. Dagegen schlug sich der 2007 aufgelegte Fonds DWS Klimawandel, der erste dieser Art, geradezu wacker: Er verlor in fünf Jahren fast 60 Prozent des Wertes.

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