Geldanlage : Spekulation auf dem Acker

Agraranlagen sind bei Anlegern beliebt. Doch die Rohstoffpreise schwanken stark und manche Produkte sind ethisch stark umstritten.

Ertragreich kann die Getreideernte nicht nur für die Bauern sein. Spekulationen auf alle möglichen Agrarprodukte sind inzwischen ein Milliardengeschäft.
Ertragreich kann die Getreideernte nicht nur für die Bauern sein. Spekulationen auf alle möglichen Agrarprodukte sind inzwischen...Foto: Fotolia

Finanziell hat Jim Rogers lange ausgesorgt. Dennoch denkt der US-Investor nicht ans Aufhören – auch nicht mit 72 Jahren. Rogers, der zusammen mit George Soros einst den legendären Quantum Fund gegründet hat, wettet weiter. Als Anleger hat es ihm vor allem ein Sektor angetan: die Landwirtschaft. Glaubt man Rogers, ist der Agrarbereich ein Wachstumsmarkt.

Die Weltbevölkerung wächst und mit ihr der Bedarf an Lebensmitteln. Weizen, Mais, Soja, Reis: Ohne kommt der Mensch nicht aus. Gleichzeitig kann das Angebot aber kaum mit der Nachfrage mithalten. Zudem erschweren immer wieder extreme Wetterereignisse den Landwirten die Arbeit. Die Folge: steigende Preise.

Da ist es nicht verwunderlich, wenn Investoren wie Rogers oder auch Kleinanleger davon profitieren wollen. Doch wer sein Geld im Agrarsektor anlegen will, muss ein paar Dinge beachten – und sich vor allem fragen, was er für ethisch vertretbar hält. So stehen Indexfonds, die die Preise von Agrarrohstoffen nachbilden, in der Kritik. Der Vorwurf: Sie beeinflussten die Lebensmittelpreise. Doch es gibt Alternativen.

Der Marktausblick

Zwar sind die Preise für viele Agrarrohstoffe (in der Fachsprache Soft Commodities genannt) zuletzt gesunken. Doch die Commerzbank rechnet „für die meisten Agrarprodukte“ in diesem Jahr mit einem „moderaten Preisanstieg“. Die Banker gehen davon aus, dass weltweit wetterbedingt weniger Mais und Weizen geerntet wird, während die Nachfrage weiter steigt. So gehen sie zum Beispiel davon aus, dass der Preis für Weizen zulegen wird: von aktuell etwa 559 US-Cent je Scheffel (gut 35 Liter) auf 610 US-Cent bis Ende des Jahres. Der Grund: In Australien war das Wetter für den  Weizenanbau zuletzt zu heiß und trocken, in den USA ist es dagegen zu kalt. Und auch in der EU kann laut Commerzbank nicht mit „sehr hohen Erträgen“ gerechnet werden.

Zulegen dürften nach Einschätzung der Analysten ebenfalls die Preise für Mais – unter anderem weil die Landwirte in den USA wie auch in Argentinien und Brasilien derzeit lieber Sojabohnen statt Mais anbauen.

Doch auch wenn der Preistrend nach oben zeigt: Eine Renditegarantie gibt es nicht. Im Gegenteil. Das Wetter – für die Ernte entscheidend – ist langfristig kaum vorhersehbar. Daher schwanken die Kurse für Agrarprodukte oft stark – mit entsprechenden Risiken für Anleger.

Sind Banken für Hungersnöte verantwortlich?

Finanzpapiere, die die Preisentwicklung von Agrarrohstoffen nachzeichnen, stehen zudem in der Kritik. Banker und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) streiten seit Jahren über die Frage, ob Investoren mit ihrer Spekulation die Lebensmittelpreise nach oben treiben. NGOs machen die Banken mit für die weltweiten Hungersnöte verantwortlich. Allerdings gibt es ebenso viele Studien, die den Einfluss der Spekulanten auf die Preisentwicklung beweisen, wie solche, die das Gegenteil zeigen.

Mehrere Banken haben sich mittlerweile vorsorglich aus dem Geschäft zurückgezogen – zum Beispiel die Commerzbank, die Dekabank, die DZ-Bank oder die britische Großbank Barclays. Andere wie die Deutsche Bank oder auch der Versicherer Allianz halten am Investment im Agrarsektor fest. Die Deutsche Bank hat lediglich erklärt, keine neuen Fonds mehr aufzulegen, die auf der Momentum-Strategie basieren. Bei solchen Produkten kauft ein Fonds Rohstoffe, deren Preise zuletzt gestiegen sind, und setzt darauf, dass sie weiter zulegen. Ihren Kritikern geht das aber nicht weit genug – sie appellieren an die Politik. „Der Markt ist noch immer unzureichend reguliert“, sagt David Hachfeld von der Hilfsorganisation Oxfam. Zwar haben die EU-Politiker sich auf Limits für den Handel mit Agrarrohstoffen verständigt, allerdings sind die Details noch nicht ausgearbeitet.

Wie Bauern an der Börse handeln

Doch ganz abschaffen wollen auch NGOs den Handel mit Agrarrohstoffen nicht. So sind zum Beispiel Großbauern auf Finanzprodukte angewiesen. Sie können nur grob vorhersagen, wie viel Mais, Weizen oder Soja sie im Jahr ernten und welche Preise sie später erzielen können. Gleichzeitig brauchen die Landwirte jedoch eine gewisse Sicherheit. Sie müssen ihre Mitarbeiter bezahlen und einschätzen, wie viel Geld sie etwa für neue Maschinen ausgeben können.

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Für solche Fälle gibt es den Terminmarkt: Statt der tatsächlichen Ware werden dort Finanzpapiere gehandelt, die dazu berechtigen, Ware zu einem späteren Zeitpunkt zu einem bereits heute festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Auf diese Weise kann der Landwirt sicher sein, seinen Weizen später zu einem gewissen Preis loszuwerden. Auch auf der anderen Seite dieses Handels stehen Firmen, die sich absichern. Zum Beispiel eine Großbäckerei. Auch sie kann besser planen, wenn sie heute schon weiß, zu welchem Preis sie den Weizen einkaufen kann. NGOs nennen das „gute Spekulation“. Gleichzeitig sind in diesem Markt aber eben auch Investoren unterwegs, die gar keinen Weizen kaufen wollen – sondern auf steigende Preise setzen.

Die Alternativen

Allerdings müssen Anleger den Agrarsektor nicht gleich meiden. Und zwar auch dann nicht, wenn sie ihr Geld ethisch korrekt anlegen und verhindern wollen, mit ihrem Investment womöglich die Lebensmittelpreise zu beeinflussen. Eine Alternative zu den spekulativen Indexfonds sind Aktien aus dem Agrarsektor. Sie können etwa Titel von Landmaschinenbauern kaufen, in Düngemittel- oder Saatgutfirmen investieren oder Aktien von Rohstoffproduzenten erwerben. Zugelegt haben zuletzt zum Beispiel die Papiere von Europas größtem Agrarhändler Baywa. Allerdings hatten sie vorher aufgrund der niedrigen  Weizenpreise deutlich nachgegeben. Nun hofft die Firma, die im Index für kleinere Werte S-Dax notiert ist, auf eine Erholung der Preise.

Anstelle von Einzelaktien mit hohem Risiko können Anleger in Fonds investieren, die die Gelder über diverse Firmen aus dem Agrarsektor streuen. Verbraucherschützer raten, sich aber genau die Unterlagen durchzulesen und zu schauen, in welche Firmen der Fonds konkret investiert. Denn ein Gütesiegel für nachhaltige Geldanlage gibt es bislang nicht.

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