Geldanlage : Wohnungsgenossenschaften zahlen hohe Dividenden

In Zeiten extrem niedriger Sparzinsen suchen Anleger nach soliden Alternativen. Wohnungsgesellschaften bieten bis zu vier Prozent Rendite – bei überschaubaren Risiken.

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Boomender Markt. Eine Garantie für den Erfolg der Genossenschaft gibt es nicht.
Boomender Markt. Eine Garantie für den Erfolg der Genossenschaft gibt es nicht.Foto: Imago

Die Zinsen sind im Keller, Sparer fühlen sich enteignet. Gerade hat die Europäische Zentralbank den Leitzins erneut auf nun 0,25 Prozent gesenkt. Doch es gibt Alternativen zu mager verzinsten Tages- oder Festgeldkonten: die Beteiligung an einer Wohnungsgenossenschaft. Vier Prozent pro Jahr sind meist für einen Anleger drin, der Anteile an einer Wohnungsbaugenossenschaft zeichnet. Einzelne Anbieter wie die Wohnungsgemeinschaft Hannoverland schütteten zuletzt sogar sechs Prozent aus. Die rund 2000 deutschen Wohnungsgenossenschaften bewirtschaften etwa 2,2 Millionen Wohnungen.

Wer sich einkauft, wird zum Unternehmer und trägt das volle Geschäftsrisiko. Dafür erhalten Anleger nicht nur ein Mitspracherecht und die Aussicht auf eine genossenschaftliche Wohnung mit günstigen Mieten, sondern auch einen Ausgleich in Form einer Dividende, deren Höhe jedes Jahr von den Genossenschaftsmitgliedern neu festgesetzt wird. Im bundesweiten Schnitt lag die Rendite zuletzt bei 3,49 Prozent.

DREI BIS VIER PROZENT IN BERLIN

Auch die Berliner Wohnungsbaugenossenschaften schütteten für 2012 meist drei bis vier Prozent aus. Möglich seien die vergleichsweise guten Ausschüttungen, heißt es etwa bei der Berolina, „weil sich die Genossenschaft für die Finanzierung von Investitionen die Aufnahme normaler Bankkredite sparen kann und den Vorteil an die Mitglieder weitergibt“. Während die Berolina, die gerade auf dem Mauerstreifen in Mitte neue energieeffziente Wohnungen baut, zuletzt drei Prozent ausgeschüttet hat, sind es etwa bei der BBG Berliner Baugenossenschaft vier Prozent. Mit 8800 Mitgliedern und 6779 eigenen Wohnungen ist sie auch eine der größeren im Raum Berlin. Wer sich beteiligen möchte, muss mindestens zwei Anteile zu je 200 Euro zeichnen, zudem 50 Euro Eintrittsgeld zahlen.

Bei der Ideal eG mit 7400 Mitgliedern und 4252 Wohnungen unter anderem in Rudow, Neukölln und Lichtenrade sind drei Geschäftsanteile für 540 Euro Pflicht, hinzu kommt eine Aufnahmegebühr von 30 Euro. Auch die Ideal eG zahlte zuletzt vier Prozent Dividende.

Allerdings: Viele Wohnungsbaugenossenschaften wollen mit ihren Dividenden keine Zinsjäger anlocken, sondern sind an Kunden interessiert, die langfristig ihr Geld arbeiten lassen und sich gleichzeitig für eine Genossenschaftswohnung interessieren. Um die Hürden etwas höher zu legen, werden oft die Pflichtanteile als eine Art Eintrittskarte gar nicht verzinst, Dividenden also erst auf weitere Papiere gezahlt. Unter dem Strich reduziert dies den Zinssatz effektiv. Gleichzeitig sind die Kündigungsfristen meist sehr lang. Bei der Berolina etwa müssen Kunden mit „einem Zeithorizont von 1,5 Jahren kalkulieren“. Manche Genossenschaften begünstigen sogar nur Mitglieder, die tatsächlich in einer genossenschaftlichen Immobilie wohnen. So zahlt die Potsdamer Wohnungsgenossenschaft 1956 den Gewinn nicht als Dividende aus, sondern steckte ihn zuletzt in die Rücklagen. Bei der Wohnungsbaugenossenschaft Chemnitz wiederum geht die Rendite als „Rückvergütung“ direkt an die Mieter.

WENIGE INSOLVENZEN

Es empfiehlt sich also, vor der Investition die Satzung der Genossenschaft zu lesen. Klar ist auch: Eine Garantie für erfolgreiches Arbeiten der Genossenschaft gibt es nicht. „Das Verlustrisiko ist bei sorgfältiger Auswahl jedoch vergleichsweise gering“, sagen die Experten von „Ökotest“, die die Anlageform Genossenschaft kürzlich genauer getestet haben. „Schwarze Schafe gibt es sehr wenige“, bestätigt auch der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW). Zudem werde jede Genossenschaft von externen, unabhängigen Prüfern unter die Lupe genommen, so GdW- Sprecherin Katherina Burkardt.

Ein guter Hinweis auf Finanzstärke und Seriosität einer Genossenschaft ist laut Burkardt die Relation zwischen Mitgliedern und Wohnungen: „Hat eine Genossenschaft 3000 Wohnungen mit 3000 bis 5000 Mitgliedern, dann ist das sicherer als eine mit 30 Wohnungen und 3000 Mitgliedern.“ Ein Warnhinweis könnten auch überhöhte Lockangebote sein. So hatte die Erfurter Wohnungsgenossenschaft Inhabitat etwa 1400 Anleger mit Zinsen von sieben Prozent geködert, musste 2011 jedoch Insolvenz anmelden. Burkardt: „Bei sehr hohen Zinsen sollte man sehr vorsichtig sein.“ Branchenweit liege die Insolvenzquote mit etwa 0,2 Prozent jedoch „sehr niedrig“.

48 der 2000 Wohnungsgenossenschaften besitzen derzeit zudem eine eingeschränkte Banklizenz und bieten auch normale Zinsprodukte an, beispielsweise Sparbücher, Termingelder, Riesterprodukte oder Sparbriefe. Die Kundeneinlagen sind zweckgebunden und dürfen nur zur Finanzierung des eigenen Immobilienbestandes verwendet werden. Anders als die Genossenschaftsanteile sind die verschiedenen Sparformen gegen eine Pleite des Anbieters abgesichert. Die Genossenschaften mit Spareinrichtung zahlen in einen Selbsthilfefonds ein, der Ende 2012 insgesamt 21,5 Millionen Euro angesammelt hatte und bei einer Pleite einspringen soll. Zum Vergleich: Insgesamt hatten deutsche Anleger zum gleichen Zeitpunkt 2,4 Milliarden Euro in Sparprodukten bei den Wohnungsbaugenossenschaften angelegt, 200 Millionen mehr als ein Jahr zuvor. Wegen ihrer Banklizenzen werden die Wohnungsgenossenschaften mit Sparzweig auch von der Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin überwacht. Auch der Wohnungsbestand sorgt für eine gewisse Absicherung.

MEHR DIVIDENDE ALS ZINS

Jedoch sind die Zinsen der Genossenschaften, anders als die Dividenden der Geschäftsanteile, mittlerweile ebenfalls merklich geschrumpft. In Berlin sind zwei Anbieter auch mit Bankdienstleistungen am Markt. So zahlt die Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft 1892 für einjährige Festgelder ab 5000 Euro 1,25 Prozent, bei zweijähriger Bindung 1,5 Prozent. Der Beamten Wohnungsverein zu Köpenick eG legt gar nur ein Prozent auf einjährige Kundengelder und 1,2 Prozent auf zweijährige drauf. Hinzu kommt: Wer die Spareinrichtungen nutzen will, muss zuvor der Genossenschaft beitreten. Bei 1892 etwa ist dies an den Kauf von mindestens einem Genossenschaftsanteil für 300 Euro gebunden, der als Pflichtanteil auch nicht dividendenberechtigt ist. Sparen lohnt sich bei den Genossenschaften also bestenfalls für den, der ohnehin Mitglied mit einem Pflichtanteil ist, von der (derzeit) vierprozentigen Dividende profitieren will und sich als eines von 12 100 Mitgliedern auch für ein lebenslanges Wohnrecht in einer der 6500 Genossenschaftswohnungen interessiert.

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