Genmais : Spanien will ihn haben, Deutschland nicht

In der EU herrscht Unsicherheit über die Zukunft des umstrittenen Genmais 1507. Während südeuropäische Länder die Pflanze anbauen wollen, ist die Skepsis in Deutschland groß.

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Lecker oder bedrohlich? Die meisten Deutschen lehnen gentechnisch veränderten Mais ab.
Lecker oder bedrohlich? Die meisten Deutschen lehnen gentechnisch veränderten Mais ab.Foto: picture alliance / dpa

Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“ Mit diesem Slogan hat das Bundesland Baden-Württemberg in der Vergangenheit für die Pfiffigkeit seiner Landeskinder, der Wirtschaft und der Politik geworben. Im Landkreis Ludwigburg in der Nähe der Landeshauptstadt Stuttgart wollen die Grünen nun sogar das Unmögliche wagen und bereits heute in die Zukunft eingreifen. An diesem Montag wollen die Umweltschützer im Ausschuss für Umwelt und Technik des Kreistages durchsetzen, dass der umstrittene Genmais 1507 niemals auf den Feldern des Landkreises angebaut wird.

Die EU-Kommission muss den Genmais aus den USA noch zulassen

Damit sind die agilen Kommunalpolitiker ihrer Zeit weit voraus. Denn noch herrscht in der Europäischen Union große Unsicherheit, wie es mit dem ungeliebten Mais weitergehen soll. Im Februar hatten die EU- Agrarminister den Weg für den Genmais des US-Anbieters Dupont Pioneer grundsätzlich frei gemacht. Da auch die europäische Lebensmittelbehörde EFSA grünes Licht gegeben hatte, muss die EU-Kommission die Pflanze nun für den Anbau in der Europäischen Union zulassen. Doch das ist bislang nicht geschehen. Unklar ist auch, wann Pioneer mit einer Zulassung rechnen kann: „Einen Zeitplan gibt es noch nicht“, heißt es auf Anfrage bei der EU- Kommission.

In den USA, Kanada und weiteren Ländern wird der Mais bereits angebaut

An den Amerikanern liegt es nicht. Sie haben bereits 2001 in der EU die Zulassung für ihren Genmais beantragt. In den USA, Kanada und elf weiteren Ländern steht der Mais bereits auf den Feldern, für 46 Länder gibt es Importgenehmigungen, betont Unternehmenssprecher Heinz Degenhardt. In Europa sind vor allem Spanien, Portugal, Tschechien und die Slowakei interessiert, in Deutschland trifft der Genmais dagegen auf heftigen Widerstand.

Mais 1507 ist gegen den Schädling Maiszünsler und Unkrautvernichtungsmittel resistent

Zwei artfremde Gene machen den Mais 1507 nicht nur gegen die Larven des Pflanzenschädlings Maiszünsler, sondern auch gegen das Unkrautvernichtungsmittel Glufosinat resistent. Nach Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO werden weltweit vier Prozent der Maisernte von den Raupen des Maiszünslers vernichtet. Der Schädling treibt auch in Europa sein Unwesen. Der Süden ist betroffen, deshalb wollen Spanien und Portugal den Genmais einsetzen. Der Maiszünsler ist aber – glaubt man Degenhardt – auch längst in Deutschland aktiv, vor allem in Bayern.

Deutsche Konsumenten lehnen den Genmais mehrheitlich ab

Dennoch wollen die deutschen Landwirte den neuen Mais nicht anbauen. Sie fürchten, auf ihren Produkten sitzen zu bleiben. Denn die Mehrheit der deutschen Konsumenten lehnt die grüne Gentechnik auf den Feldern ab. Das betrifft auch die Konkurrenz des 1507, den einzigen in der EU zugelassenen Genmais „Mon 810“ aus dem Hause Monsanto, der zwar in Spanien angebaut wird, in Deutschland aber nicht zugelassen ist.

Die EU-Agrarminister sind für nationale Anbauverbote

Wegen der Skepsis der Bürger sucht die Politik nach Wegen, den neuen Mais „Dupont 1507“ zu verhindern. Ende Mai bemühten sich die Agrarminister der EU-Länder in Brüssel um eine erste Schadensbegrenzung. Sie votierten für nationale Anbauverbote. Danach soll jeder Mitgliedstaat selbst entscheiden, ob er den Anbau von Genpflanzen erlaubt oder nicht. Der Weg dahin ist jedoch kompliziert: Der Mitgliedstaat signalisiert der EU-Kommission den Wunsch, den Anbau abzulehnen. Die Kommission informiert den Pflanzenhersteller, der diesen Mitgliedstaat dann – freiwillig – aus seinem Zulassungsantrag ausnehmen kann. Tut er das nicht, kann der Mitgliedstaat nach der EU-weiten Zulassung ein nationales Anbauverbot verhängen.

Landwirtschaftsminister präferiert eine regionale Lösung

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Was die Minister verabschiedet haben, muss noch im Trilog mit dem Europaparlament und der EU-Kommission beschlossen werden. Das dürfte frühestens am Jahresende geschehen. Parallel dazu diskutieren in Deutschland die Agrarminister der Bundesländer, Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) und Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) über die Frage, wie man das Anbauverbot hierzulande ausgestalten soll. Soll ein Verbot für ganz Deutschland gelten, oder sollen die Regionen selbst entscheiden dürfen? Landwirtschaftsminister Schmidt neigt zu regionalen Lösungen, will daraus aber keine Glaubensfrage machen. Wanka will sich noch nicht festlegen. Auf der Agrarministerkonferenz im September sollen erste Festlegungen getroffen werden.

Pioneer will den alten Zulassungsantrag nicht verändern

Klein beigeben will Dupont Pioneer nicht. „Es macht für uns wenig Sinn, aus dem Zulassungsantrag bestimmte Länder auszunehmen“, sagte Degenhardt dem Tagesspiegel. Seinen alten Zulassungsantrag für das EU-Gebiet will Pioneer daher nicht verändern. Auch wenn sich das Verfahren dadurch noch weiter verzögern dürfte. „Die neuen Regeln betreffen auch den Pioneer-Mais 1507“, sagte Frédéric Vincent, Sprecher von EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg, dem Tagesspiegel. In Buxtehude, wo die deutsche Vertriebszentrale von Pioneer sitzt, hofft man nun auf das nächste Jahr. „Für dieses Jahr ist es jetzt ohnedies zu knapp“, sagt Degenhardt, „vielleicht können wir aber nächstes Jahr starten.“ Vielleicht wird es dann etwas in Spanien. In Deutschland und im Kreis Ludwigsburg aber wohl sicherlich nicht.

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