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Geschlossene Fitnessstudios in Berlin : Hard Candy meldet Insolvenz an

Seit Freitag läuft ein Insolvenzeröffnungsverfahren gegen die Fitnessstudio-Kette. Aber nicht alle Filialen in Berlin sind geschlossen.

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Popsängerin Madonna und die Unternehmer Jürgen (l) und Ralf Jopp bei der Eröffnung des ersten Clubs 2013 in Berlin.
Popsängerin Madonna und die Unternehmer Jürgen (l) und Ralf Jopp bei der Eröffnung des ersten Clubs 2013 in Berlin.Foto: picture alliance / dpa

Die Jopp AG, nach eigenen Angaben Betreiberin von insgesamt elf Fitness-Studios in Berlin, hat offenbar Insolvenz angemeldet. Das Amtsgericht Charlottenburg hat am Freitag Torsten Martini zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt (Aktenzeichen: 36j IN 2547/16). Er soll prüfen, ob die Jopp AG tatsächlich pleite ist und ihre Schulden nicht mehr zahlen kann. Erst dann wird das Insolvenzverfahren eröffnet. Ziel ist die Sanierung des Unternehmens. Sollte dies nicht funktionieren, wird das verbliebene Vermögen unter den Gläubigern aufgeteilt.

Die Jopp AG ist auch Betreiberin der neun Hard Candy Fitness-Studios in Berlin - fast alle in teuren Top-Lagen wie dem Kudamm, der Mall of Berlin, dem Europa-Center oder der Friedrichstraße. Viele der Clubs sind gut ausgestattet, haben Pool und Sauna. Die Marke war 2013 in Berlin als Premiummarke eingeführt worden. Zur Eröffnung wurde sogar Namenspatronin Madonna - der Name Hard Candy geht auf ein Album der Musikerin zurück - eingeflogen. Sie absolvierte öffentlichkeitswirksam ein paar Trainingseinheiten. Aber ansonsten hat sie mit dem Geschäft nichts zu tun.

In den vergangenen Wochen und Monaten häuften sich im Internet auf der Hard-Candy-Facebookseite und bei der Berliner Verbraucherzentrale Beschwerden und Warnungen. Dabei ging es unter anderem um unbezahlte Trainer, ausgefallene Kurse und defekte Geräte.

Viele Studios sind bereits geschlossen, allerdings nicht alle. Die Filialen im Europacenter und der Mall of Berlin haben am Samstag geöffnet. In anderen Studios sieht es anders aus. So zum Beispiel in der Zweigstelle an der Bergmannstraße in Kreuzberg. Dort ist seit Tagen zu. Begründung: Stromausfall. Die anwesenden Fitnesstrainerinnen können nicht sagen, wann das Studio wieder zum Training bereitsteht. In der Filiale am Kurfürstendamm haben sie ein handgeschriebenes Schild an die Glastür gehängt: „Liebe Mitglieder, wegen einer Betriebsstörung ist das Studio leider geschlossen! Bitte weicht auf das Studio am Leipziger Platz oder im Europacenter aus!“, heißt es dort. Das Studio in Zehlendorf ist seit Mittwochabend dicht. Angeblich sei die Baustelle auf der Truman Plaza schuld, merkwürdigerweise haben aber alle anderen Geschäfte Strom. Kunden werden auch dort an die Studios in der Mall of Berlin oder im Europa-Center verwiesen. „Vielleicht hat Hard Candy die Stromrechnung nicht bezahlt“, mutmaßt ein Mitglied in Zehlendorf, das fort geschickt wird. Auch das Studio an der Schönhauser Allee ist vorerst geschlossen.

Ärger um den Umweltbeitrag

Im vergangenen Herbst buchte Hard Candy ohne Ankündigung und ohne Einwilligung 49 Euro „Umweltbeitrag“ von seinen Mitgliedern ab und wurde dafür von der Verbraucherzentrale Berlin abgemahnt. Der Ärger ging weiter. Seit Monaten fallen Kurse aus. Auch mit Trainern gab es Probleme, die wechselten häufig. Bei den freien Trainern habe es „vereinzelt Zahlungsschwierigkeiten“ gegeben, bestätigten Ralf und Jürgen Jopp kürzlich in einem Interview mit der B.Z. Denn Madonna, deren Bilder überlebensgroß an den Wänden hängen und deren Videos in Dauerschleife laufen, gibt nur ihren Namen, hat mit dem Geschäft aber nichts zu tun.

Der Vorwurf der Insolvenz sei "Blödsinn", sagen die Brüder Jopp

„Wir haben auf die große Zugkraft von Madonnas Namen gesetzt“, berichtet Jürgen Jopp im B.Z.-Interview. Doch viele Bauvorhaben seien später fertig geworden als geplant. Zudem habe man gedacht, dass die Kette weltweit schneller wachsen würde. Die „Superwoman“-Studios – auch ein Teil des Jopp-Konzerns – habe man aber inzwischen für einen siebenstelligen Betrag verkauft, zudem habe ein Teil der Aktionäre einen weiteren siebenstelligen Betrag bereitgestellt. Der Vorwurf der Insolvenz sei aber „Blödsinn“, hieß es in dem Interview noch. Anfragen des Tagesspiegels an Jopp und seine Anwälte blieben unbeantwortet.

Was wäre, wenn?

Trotz aller Beteuerungen: Viele der Kunden fürchten um ihr Geld. Einige Mitglieder haben langlaufende Verträge abgeschlossen und das Geld bereits im Voraus überwiesen, sogar Verträge auf Lebenszeit hat es gegeben. Doch der Rabatt, der mit der Vorkasse verbunden ist, könnte sich in Luft auflösen, falls Hard Candy wirklich Insolvenz anmelden müsste. „In einem solchen Fall hat der Insolvenzverwalter die Möglichkeit zu entscheiden, ob er die Verträge erfüllt oder nicht“, sagt Frithjof Jönsson von der Verbraucherzentrale Berlin. Falls die Verträge nicht fortgeführt werden, haben die Kunden einen Anspruch an die Insolvenzmasse. Doch aus der werden erst viele andere bedient. „Die externen Kunden kommen am Schluss“, sagt der Verbraucherschützer.

Vertrag jetzt kündigen?

Die Verbraucherzentrale (VZ) Berlin berichtete am Freitag von einer großen Verunsicherung unter den Mitgliedern. Viele würden sich fragen, ob sie jetzt ihren Vertrag kündigen sollen, sagt Jana Brockfeld, Juristin bei der VZ. "Grundsätzlich kommt bei gravierenden Mängeln und erheblichen Leistungsstörungen ein fristloses Kündigungsrecht in Betracht“, meint die Verbraucherschützerin. „Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Verbraucher aber trotzdem noch einmal an die Jopp AG herantreten und zur Beseitigung der Mängel beziehungsweise zur Bereitstellung der vertraglich vereinbarten Leistungen auffordern“, rät Brockfeld. Dabei sollte man eine angemessene Frist setzen, zu empfehlen seien zwei Wochen. Mitglieder könnten in diesem Schreiben (zu Beweiszwecken: per Einwurfeinschreiben oder Einschreiben mit Rückschein) schon eine fristlose Kündigung in Aussicht stellen, falls die Mängel innerhalb der Frist nicht beseitigt werden. Verstreicht die Frist ergebnislos, können Verbraucher ihren Vertrag dann fristlos kündigen und unverzüglich die Zahlung ihrer Mitgliedsbeiträge einstellen, rät Brockfeld. Mit der Kündigungserklärung sollte man auch gleichzeitig die gegebene Einzugsermächtigung widerrufen. Für Verbraucher, die ihre Verträge bereits vollständig im Voraus gezahlt haben, ist die Lage deutlich schwieriger. "Sie müssen die Jopp AG neben der fristlosen Kündigung nun zusätzlich zur Rückerstattung eines Teils der bereits im Voraus gezahlten Mitgliedsbeiträge auffordern", betont die Juristin.

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