Gesundheitsprogramm "Vitality" : „Versicherer gehen verantwortungsvoll mit Daten um“

Die Versicherung Generali machte Schlagzeilen, weil sie ihren Kunden anbieten will, Geld zu sparen - wenn sie ihr Gesundheitsverhalten im Gegenzug per App erfassen. In seinem Gastbeitrag verteidigt Generali-Vorstand Schmallenbach das "Vitality"-Programm.

Christoph Schmallenbach
Vor allem Datenschützer sehen das "Vitality"-Programm skeptisch.
Vor allem Datenschützer sehen das "Vitality"-Programm skeptisch.Foto: dpa

Wie viel Vertrauen wir in andere Menschen haben, hängt entscheidend von unserem persönlichen Menschenbild ab. Sehen wir im Anderen den Wolf, werden wir Dritten stets misstrauen. Glauben wir dagegen, der Mensch sei von Natur aus gut, sind wir offen gegenüber Neuem und Unbekanntem. Mut, Offenheit und Vertrauen scheinen uns derzeit vielerorts zu fehlen. Anders lässt sich die öffentliche Diskussion über das Vorhaben der Generali Deutschland, künftig Produkte anzubieten, die gesundheitsbewusstes Verhalten fördern, nur schwer erklären. Wie kann es sein, dass wir einerseits die fehlende digitale Innovationskraft Deutschlands beklagen, andererseits aber die bloße Ankündigung einer Produktkooperation als Dammbruch hin zum „gläsernen Versicherten“ interpretieren?

Eine Vielzahl von Meinungsbildnern hat sich zu Wort gemeldet, nachdem unser Unternehmen bekanntgegeben hat, mit dem südafrikanischen Versicherer Discovery zu kooperieren, um in Deutschland sogenannte Vitality-Produkte anzubieten. „Vitality“ ist das weltweit größte auf Anreizen basierende Gesundheitsprogramm. Es wird von namhaften Universitäten begleitet und ist in anderen Märkten etabliert. Keine Historie also, die rechtfertigt, die Einführung in Deutschland unter Generalverdacht zu stellen. Wie so oft dominiert in Deutschland jedoch die Maschinenstürmerposition. Dass die öffentliche Diskussion weitgehend ohne uns als betroffenes Unternehmen geführt wird, zeigt, dass hier Dogmen diskutiert werden. Beim Thema Digitalisierung herrscht in der Gesellschaft vor allem Unsicherheit.

Gesundheitsorientiertes Verhalten wird gefördert

Einer der Hauptkritikpunkte von Vitality-Gegnern ist, dass Kranke keinen Versicherungsschutz mehr erhielten. Diese Behauptung ist falsch und verkennt die grundsätzliche Vitality-Idee, bei der nicht ein Gesundheitszustand belohnt, sondern gesundheitsorientiertes Verhalten gefördert wird. Jeder kann teilnehmen, unabhängig davon, wie krank oder gesund er ist. Es geht um den Anreiz, zukünftig gesünder zu leben, sich Gesundheitsziele zu setzen, die man erreicht und deshalb auch belohnt haben möchte. Und eine stetig wachsende Gruppe, die sich auch gesamtgesellschaftlich verantwortlich verhält, wünscht, dass ihre Anstrengungen honoriert werden – wie es bereits mit dem Bonusheft des Zahnarztes üblich ist. Jeder Dritte würde deshalb seine Daten grundsätzlich mit seinem Versicherer teilen.

"Der Kunde bestimmt selbst, welche Daten er mitteilt"

Auch der Sorge, die Bonifizierung der Vitality-Versicherten würde zu einer Verteuerung der Tarife von Nicht-Vitality- Kunden führen – nach dem Motto, wenn einer weniger zahlt, muss ein anderer mehr zahlen – ist unbegründet. Fakt ist dagegen, dass die Gesamtkosten der Versichertengemeinschaft in diesen Märkten sinken, sodass die Anreizfinanzierung bestritten werden kann, ohne die anderen Versicherten durch Mehrkosten zu belasten. Ein weiterer Aspekt ist der Datenschutz. Von einer Vitality-Fitness-App ist fälschlicherweise die Rede, die Kunden überwacht. Die hohe Sensibilität in Sachen Datenschutz in Deutschland ist ebenso begrüßenswert wie das verbriefte Recht auf informationelle Selbstbestimmung.

Die geplanten Vitality-Aktivitäten jedoch bereits im Vorfeld zu verteufeln und den Versicherern Ausspähung und die Erosion der Privatsphäre zu unterstellen, grenzt an klassenkämpferischen Antagonismus. Gerade die Versicherer sind es, die seit Jahrzehnten verantwortungsvoll im Umgang mit sensiblen und personenbezogenen Daten sind. Datensicherheit sowie Schutz der Privatsphäre gehören zu den Kernkompetenzen der Branche und entsprechen den besonders hohen Anforderungen von Bundesdatenschutzgesetz und Code of Conduct, der für Versicherer zusätzliche Regularien beinhaltet. Welche Vitality-Daten der Kunde dem Unternehmen mitteilt, wird ausschließlich er selbst bestimmen.

Generali-Vorstand Schmallenbach.
Generali-Vorstand Schmallenbach.Foto: promo

Last but not least sehen die Kritiker des Vitality-Gedankens die Versichertenkollektive erodieren. Auch dies verwundert, wird doch übersehen, dass der Grundgedanke der privaten Versicherungswirtschaft die risikogerechte Tarifierung also die Äquivalenz von Beitragshöhe und individuellem Risiko sowie gewünschtem Leistungsspektrum ist. Wenn also von einem Verfall der Solidargemeinschaft durch die risikogerechte Tarifierung gesprochen wird, so geht das am Kern des privaten Versicherergedankens vorbei. Ob Sterbetafeln, Angaben zur Fahrleistung oder Gesundheitsfragebogen – private Versicherer erheben von jeher Daten über die Risiken ihrer Kunden, um deren Tarife möglichst exakt kalkulieren zu können. Dies wird vom Kunden erwartet.

Christoph Schmallenbach ist Vorstandsmitglied der Generali Deutschland Holding.

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