Wirtschaft : Glücksritter im Reich der Scheichs

Der Boom lockt viele Deutsche nach Dubai. Auf schnell verdientes Geld hoffen die meisten vergebens

Alexander Visser

Dubai - Es dürfte schwer sein, für das haushohe Baustellenschild in Berlin eine Baugenehmigung zu bekommen – geschweige denn für das Gebäude dahinter. Mit über 800 Metern soll das Burj Dubai das höchste Gebäude der Welt werden. Das Emirat Dubai wäre um einen Superlativ reicher. Seit Jahren macht das kleine Scheichtum – eines der sieben Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) – durch gigantische Bauprojekte auf sich aufmerksam: Das segelförmige Luxushotel Burj al Arab, künstliche Ferieninseln, auch der größte Flughafen der Welt soll hier entstehen. Der Boom lockt auch viele Deutsche an den Golf.

Am heutigen Sonntag besucht Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) die Emirate. Dabei geht es auch um den weiteren Ausbau der engen Wirtschaftsbeziehungen. Für Deutschland sind die VAE schon jetzt der wichtigste Handelspartner in der Region. Besonders rasant ist das Wachstum in Dubai. Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum sorgt dafür, dass Gewinne aus dem Ölgeschäft in Zukunftsbranchen wie Tourismus, Logistik, Gesundheit und Informationstechnik investiert werden.

Auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz kommt Sven Schmedes an der Riesenbaustelle des Burj Dubai vorbei. Auch der Berliner Architekt arbeitet an einem gigantischen Projekt: In der „Dubai Sports City“ sollen einmal 50 000 Menschen leben und arbeiten. Der Architekt aus dem Berliner Büro von Gerkan, Marg und Partner (GMP) hatte vor zwei Jahren den Wettbewerb für die Sportarenen gewonnen, die dem neuen Stadtteil seinen Namen geben. „Wenn man aus Deutschland kommt, ist es unfassbar, wie schnell Bauprojekte hier verwirklicht werden“, sagt Schmedes. „Egal wie groß, der Bauherr erwartet, dass nicht länger als zwei Jahre gebaut wird.“

Eine halbe Stunde später stoppt Schmedes seinen Geländewagen vor einem spartanischen Baucontainer mitten in der Wüste. „Wenn es Wind gibt, bilden sich kleine Dünen auf den Bauplänen, der Sand dringt überall durch“, sagt der Architekt. Kaum vorstellbar, dass hier in der Einöde schon in zwei Jahren drei Sportarenen und 100 Hochhäuser stehen sollen. Bisher sieht man außer Sand nur das aufgeschüttete Plateau, auf dem eine Mehrzweckhalle, ein Cricket- und ein Fußballstadion für bis zu 65 000 Fans entstehen sollen. 300 Millionen Euro investiert eine arabische Investorengruppe. „Dafür kriegen Sie in Deutschland vielleicht anderthalb Stadien“, sagt Schmedes. Nicht nur die Minimallöhne für die meist indischen oder pakistanischen Bauarbeiter sorgen für geringe Kosten: „Genau wie zu Hause gibt es hier regelmäßig Einsparrunden, bei denen gestrichen wird, was nicht unbedingt sein muss.“

Auch reiche Scheichs haben kein Geld zu verschenken: Oliver Parche, stellvertretender Delegierter der Außenhandelskammer in Dubai, muss das vielen Deutschen, die auf schnelles Geld am Golf hoffen, begreiflich machen. „In letzter Zeit kommen immer mehr Glücksritter, die glauben, hier liegt das Geld auf der Straße.“ Viele sind schnell wieder weg. Denn Ausländer, die keinen Job haben, werden rigoros abgeschoben. Auch andere Aspekte des vermeintlichen Luxusemirats sind gewöhnungsbedürftig. So stiegen die Mieten im vergangenen Jahr durchschnittlich um 50 Prozent. Sonntag ist hier am Freitag – und auch dann wird meist gearbeitet. „Unsere Kunden erwarten, dass man jederzeit erreichbar ist, einen Feierabend wie in Deutschland kennt man hier nicht“, sagt Stefan Helsen, der seit kurzem für die Logistikfirma Kühne und Nagel in Dubai ist.

An die Arbeitszeiten haben sie sich gewöhnt, doch jetzt treibt eine neue Sorge die Dubai-Deutschen um: Das 1995 vereinbarte Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und den Emiraten läuft im August aus. Es bedeutet für viele Unternehmer und Angestellte de facto Steuerfreiheit, da in Dubai keine Einkommensteuer erhoben wird. Das Bundesfinanzministerium will im Juni über eine mögliche Verlängerung mit den VAE verhandeln. Die Aussicht, dass das Abkommen nicht erneuert werden könnte, macht die deutschen Gastarbeiter nervös. „Ich will meine Zeit in Dubai nutzen, um etwas Geld für später zur Seite zu legen“, sagt Logistik-Manager Helsen. Sollten nun Steuern anfallen, wird das schwierig: Die Lebenshaltungskosten am Golf sind hoch.

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