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Griechenland-Krise : Angst vor dem schwarzen Montag

Die Krise spitzt sich zu. Kanzlerin Merkel informiert die Partei- und Fraktionschefs, die EZB gibt aber weiter Geld. Urlauber können nicht stornieren.

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Geht der Euro unter? Der Grexit rückt näher.
Geht der Euro unter? Der Grexit rückt näher.Foto: dpa

Anlegerschützer rechnen als Folge der Griechenland-Krise mit Kursverlusten, aber nicht mit einer neuen Finanzkrise. "Da das Thema Grexit auf der politischen Ebene zumindest teilweise seinen Schrecken verloren hat, halten wir es für wahrscheinlich, dass die Folgen eingegrenzt werden können", sagte Thomas Hechtfischer, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), dem Tagesspiegel. "Ein wichtiger Gradmesser hierfür wird morgen das Ausmaß des erwarteten DAX-Einbruchs sein." Hechtfischer warnte vor weiteren Schuldenschnitten zu Lasten der Anleger. „Wir sind derzeit immer noch dabei, die Folgen des ersten Schuldenschnitts aus dem Jahr 2012 juristisch aufzuarbeiten“, sagte der Anlegerschützer. „Es ist fast schon in Vergessenheit geraten, dass die Anleiheninhaber schon damals deutliche Verluste verbuchen mussten.“ 

Griechenland-Urlauber können ihre Reisen nicht stornieren

Wie stark die Einbußen für die Aktionäre ausfallen, hängt von vielen Faktoren ab. Am Sonntag entschied der Rat der Europäischen Zentralbank, die Nothilfen für griechische Banken auf dem aktuellem Stand von rund 90 Milliarden Euro zu belassen. Die EZB hatte in den vergangenen Wochen die Nothilfe für die Banken immer wieder erhöht, um einen Engpass in der Bargeldversorgung zu vermeiden und keine Fakten in den Verhandlungen mit den Geldgebern des Landes zu schaffen. Nach der Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), ihre Nothilfen für die Banken nicht zu kappen, sondern zunächst konstant zu halten, ist das schlimmste Szenario für die Banken vorübergehend vom Tisch. Ob die Finanzinstitute am Montag ihren Verpflichtungen gegenüber Kunden uneingeschränkt nachkommen können, gilt aber als unsicher. Griechenlands Finanzminister Gianis Varoufakis hat einer Twitter-Nachricht seine ablehnende Haltung zu sogenannten Kapitalverkehrskontrollen bekräftigt. Damit würden zum Beispiel die Beträge für Abhebungen an Geldautomaten auf relativ kleine Summen gekappt. „Kapitalkontrollen in einer Währungsunion sind ein Widerspruch in sich. Die griechische Regierung lehnt dieses Konzept ab“, schrieb Varoufakis bei dem Kurznachrichtendienst.

Varoufakis, der Chef der griechischen Notenbank, Giannis Stournaras, und weitere Verantwortliche des Finanzsektors wollten sich nach Angaben aus griechischen Medien am Sonntagnachmittag in Athen zu einer Krisensitzung treffen, um die schwierige Situation der Banken zu diskutieren.

Krisensitzung in Berlin

Angesichts der Zuspitzung der Griechenland-Krise trifft sich die Unionsfraktion am Montag zu einer Sondersitzung. Die Abgeordneten seien für 17.30 Uhr eingeladen worden, teilte ein Fraktionssprecher am Sonntag in Berlin mit. Thema sei die "Situation in Griechenland". Informiert werden die Abgeordneten von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU). Merkel unterrichtet am Montag außerdem bei einem Sondertreffen im Kanzleramt um 13.30 Uhr die Partei-und Fraktionsvorsitzenden der im Bundestag vertretenen Parteien über die aktuelle Entwicklung in Sachen Griechenland. Die Linke fordert zudem eine Regierungserklärung von Merkel im Bundestag.

Griechenland steuert derzeit auf die Staatspleite zu. Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte in der Nacht zum Samstag überraschend ein Referendum über die Vorschläge der Geldgeber für den 5. Juli angekündigt. Die Finanzminister der Eurozone warfen Tsipras daraufhin vor, einseitig die Verhandlungen abgebrochen zu haben, und entschieden, das am Dienstag auslaufende Hilfsprogramm nicht zu verlängern. Ohne frisches
Geld droht Griechenland binnen weniger Tage der Bankrott. Am Dienstag wird eine Überweisung an den Internationalen Währungsfonds in Höhe von 1,6 Milliarden Euro fällig.

Ein Grexit hatte nach Angaben von Deutschlands größtem Reiseanbieter TUI keine Konsequenzen für deutsche Urlauber. „Wir sehen keine Auswirkungen auf die Reisenden“, sagte Tui-Sprecherin Anja Braun dem Tagesspiegel . Flüge, Hotels und Transfers seien bezahlt, „die Preise gelten weiter – auch bei einem Grexit“. Selbst wenn der Euro keine Gültigkeit mehr habe, könnten Urlauber mit Kreditkarte oder EC-Karte zahlen. Eine kostenlose Stornierung oder Umbuchung sei daher nicht möglich. Griechenland ist nach Spanien und der Türkei das beliebteste Flugreiseziel. Die Buchungszahlen hätten 2015 gegenüber dem Vorjahr sogar noch zugelegt, sagte die Sprecherin. mit AFP

Die aktuellen Entwicklungen in der Griechenland-Krise finden Sie hier in unserem Liveticker.

 

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