Griechenland : Zittern um den Schuldenschnitt

Athen ist zuversichtlich, dass der "Haircut" erfolgreich abgeschlossen werden kann. Die Latte liegt allerdings hoch.

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Schnitt gesucht. „Ich brauche eine 50-prozentigen Haircut“, steht auf dem Zettel. Das glaubt man dem Demonstranten sofort.
Schnitt gesucht. „Ich brauche eine 50-prozentigen Haircut“, steht auf dem Zettel. Das glaubt man dem Demonstranten sofort.Foto: AFP

Eine Schicksalswoche für die Griechen – wieder einmal. Bis zum Donnerstagabend sollen die privaten Gläubiger erklären, ob sie am geplanten Schuldenschnitt teilnehmen und damit auf mehr als die Hälfte ihrer Forderungen verzichten. Willigen nicht mindestens 75 Prozent der Gläubiger ein, gilt das Vorhaben als gescheitert. Dann platzt auch das zweite von der EU geschnürte Rettungspaket und Griechenland ist pleite.

In Athen gab man sich am Dienstag zuversichtlich, dass der „Haircut“ erfolgreich abgeschlossen werden kann. Die Latte liegt allerdings hoch: Das griechische Finanzministerium zielt auf eine Beteiligung von mindestens 90 Prozent. Damit würden vom Berg der griechischen Staatsschulden etwa 100 Milliarden Euro abgetragen. Betroffen von der Umschuldung sind Staatsanleihen im Nennwert von 206 Milliarden Euro, die bei institutionellen Anlegern wie Banken, Versicherungen, Pensionskassen und Hedgefonds sowie bei Kleinanlegern liegen. Die Gläubiger sollen auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Für den Rest bekommen sie neue griechische Staatsanleihen mit Laufzeiten von bis zu 30 Jahren und zweijährige Bonds des Euro-Rettungsfonds EFSF.

In dieser Phase handelt es sich um eine freiwillige Umschuldung. Finanzminister Evangelos Venizelos appellierte an die Gläubiger, mitzumachen: „Das ist das beste Angebot, weil es das einzige existierende Angebot ist“, sagte Venizelos im Interview mit Bloomberg TV. Die Regierung hoffe auf eine ausreichende freiwillige Beteiligung, werde aber notfalls von der Möglichkeit Gebrauch machen, unwillige Gläubiger zwangsweise zur Kasse zu bitten. Das griechische Parlament hatte kürzlich mit der Verabschiedung einer rückwirkenden Collective Action Clause (CAC) diese Möglichkeit geschaffen. „Wir sind bereit, diese Klausel anzuwenden, wenn nötig“, sagte Venizelos.

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Am Montag hatten bereits zwölf große Banken und Versicherungen ihre Teilnahme am freiwilligen Tausch zugesichert, darunter aus Deutschland die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Allianz. Zahlreiche weitere Finanzunternehmen dürften folgen. Fraglich ist allerdings die Teilnahme der Hedgefonds, deren Bestände an griechischen Bonds auf etwa 13 Milliarden Euro geschätzt werden. Sie könnten darauf setzen, dass ihre Papiere zum Nennwert getilgt werden oder dass die Kreditausfallversicherungen (CDS) einspringen, wenn es zu einem zwangsweisen Schnitt kommt.

In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters unterstrich Finanzminister Venizelos: „Wer glaubt, dass er sich nicht beteiligen sollte und dann in voller Höhe entschädigt wird, der täuscht sich.“ Diese Warnung richtet sich nicht nur an die Hedgefonds, sondern auch an Privatanleger, die in den vergangenen Monaten griechische Staatsanleihen zu stark reduzierten Kursen gekauft haben in der Hoffnung, bei Fälligkeit den vollen Nennwert zu erhalten. Bei diesen hochriskanten Spekulationsgeschäften locken Renditen von teils 1000 Prozent – wenn die Rechnung aufgeht.

Finanzminister Venizelos äußerte sich optimistisch, dass eine freiwillige Teilnahmequote von „über 90 Prozent“ erreicht werden könne. Beobachter schließen aber nicht aus, dass sich Venizelos auch mit einer niedrigeren Beteiligung zufriedengeben könnte, um den freiwilligen Charakter der Umschuldung zu wahren. Aktiviert die Regierung nämlich die Zwangsklauseln, würde das mit großer Wahrscheinlichkeit ein Kreditereignis auslösen und die Kreditausfallversicherungen fällig machen. Das dürfte Griechenlands Kreditwürdigkeit auf viele Jahre hinaus belasten und eine Rückkehr des Landes an die Finanzmärkte weiter verzögern.

Ein zwangsweiser Schuldenschnitt könnte auch langwierige Gerichtsverfahren nach sich ziehen. Einige Hedgefonds haben für diesen Fall bereits mit Klagen gedroht. Finanzminister Venizelos unterstrich deshalb: „Wenn wir vermeiden könnten, dass die Kreditausfallversicherungen ausgelöst werden, wäre das am besten.“

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