Gründer : Promis suchen Start-ups

Deutsche Promis wollen sich für hiesige Start-ups engagieren. Doch die Resonanz aus der Branche ist mau.

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Promi-Unterstützung.
Promi-Unterstützung.Foto: AFP

Til Schweiger und Jürgen Vogel hatten Lust drauf. Die Sänger von „Boss Hoss“ auch. Und Sami Khedira, Mesut Özil und Mario Götze wollten zumindest ihre Manager vorbeischicken. Für vergangenen Freitag hatte die Marketingagentur Kaiorize in Berlin zu „Celebrity for Equity“ eingeladen, einem Event, das Prominente und Start-ups zusammenbringen sollte.

Gut 20 Stars – Entertainer, Schauspieler, Sportler – hatten ihr Kommen angekündigt. Zehn Plätze waren für Start-ups reserviert. Doch kurzfristig wurde das Stelldichein wieder abgesagt. Es hätten sich zwar etliche Unternehmen beworben, sagt Kaiorize-Chef Henner Ceynowa, doch die Qualität der Start-ups sei unbefriedigend gewesen: „Viele Businesspläne waren einfach too early stage.“

Das Konzept der Veranstaltung sah vor, in lockerer Runde Start-ups und Stars zusammenzubringen. Die Prominenten können dann die Unternehmen auf verschiedenen Wegen unterstützen: sei es als „Business Angel“, um einem Start-up finanziell oder ideell beizustehen. Oder als Shareholder, der seine Öffentlichkeit gegen Beteiligungen tauscht. Kaiorize hatte ursprünglich eine Startgebühr von 500 Euro von den Start-ups verlangt, die Bezahlschranke jedoch nach Kritik wieder zurückgenommen.

In den USA gehört das Balzen zwischen Stars und Start-ups zum Alltag: So schuf der Getränkehersteller Glaceau eine eigene Brause für den Rapper 50 Cent, der bekam zehn Prozent der Unternehmensanteile. Schauspieler Ashton Kutcher hingegen betätigt sich direkt als „Engel“: Er hat schon viele Start-ups gefördert, unter anderem den Berliner Internetdienst Amen. Im Netz gibt es mittlerweile Tipps, wie man Kutcher für sich begeistern kann: „Zeig, dass du Social Media verstanden hast!“ Doch genau das ist es, was Kaiorize-Mann Ceynowa an deutschen Unternehmen kritisiert: „Vielen Start-ups fehlt es schlicht an Fantasie.“ So seien Konzepte, Stars ins Unternehmen einzubinden oder deren Social-Media-Netzwerke zu nutzen, schlicht zu konservativ gedacht.

Dana Schweiger vermisst den Mut am deutschen Markt. Die Moderatorin ist selbst Mitgründerin von Kaiorize sowie des Modelabels Bellybutton. „Viele Start- ups sehen ihr Unternehmen zu sehr als Liebhaberprojekte“ – das gehe zulasten des Geschäftssinns. Anstatt prominente Anteilseigner an Bord zu holen, verschlössen sich die Gründer. Dabei seien es ja gerade die Stars, die „in Vorleistung gingen“ – mit ihrem Namen. Dennoch glaubt Schweiger an den deutschen Markt. Gerade Berlin sei mittlerweile „das Silicon Valley Europas“ mit Ideen, die auch internationales Potenzial hätten. Zugleich, sagt auch Kaiorize-Chef Ceynowa, stünden die Prominenten schon bereit: „Die wollen jetzt Start-ups pushen.“

Obwohl das Förderevent „Celebrity for Equity“ vorerst geplatzt war, habe Kaiorize einige Start-ups mit interessierten Stars zusammengebracht. Unternehmen aus dem Modebereich sind darunter, auch eine Fußball-App. Und in einem halben Jahr soll es einen neuen Anlauf für das Kuppel-Event geben. Ceynowa hofft, dass die jetzigen Bewerber dann ihre Businesspläne ausgereift haben. Denn davon hängt auch der Erfolg von Kaiorize selbst ab: Das Start-up verdient sein Geld mit Celebrity-Marketing.

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