Güterverkehr : Der Bahn-Streik trifft Stahl- und Chemiefirmen

Der Lokführer-Streik belastet die Wirtschaft. Vor allem Stahl- und Chemiefirmen haben Probleme, ihre Güter zu transportieren.

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17 Prozent des Güterverkehrs wird über die Schiene abgewickelt.
17 Prozent des Güterverkehrs wird über die Schiene abgewickelt.Foto: dpa

Unternehmer müssen in diesen Tagen spontan sein. Zumindest wenn sie ihre Güter per Bahn transportieren. Denn der Streik der Gewerkschaft GDL trifft den Güterverkehr hart. Kohle, Stahl, Papier, Autos: All das wird meist per Schiene transportiert. Insgesamt macht der Transport per Bahn 17 Prozent am deutschen Güterverkehr aus. Die Bahntochter DB Schenker ist dabei der größte Anbieter mit einem Marktanteil von 67 Prozent. Unternehmensvertreter klagen deshalb, der Streik habe erhebliche Auswirkungen auf ihr Geschäft. Die Schäden könnten bis zu 100 Millionen Euro pro Tag betragen, rechnet das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) vor.

Insbesondere die Firmen der Stahlindustrie haben wenig Verständnis für den Streik. Mehr als die Hälfte ihrer Rohstoffe und Endprodukte wird täglich per Bahn transportiert. Das sind 200 000 Tonnen Stahl, Erz, Kohle und Schrott. Ein mehrtägiger Streik im Schienengüterverkehr sei nicht aufzufangen, sagt Hans-Joachim Welsch, Vorsitzender der Wirtschaftsvereinigung Stahl. „Es entstehen erheblicher wirtschaftlicher Schaden und Zusatzkosten in zweistelliger Millionenhöhe.“

Das Problem: Viele Firmen können nicht einfach auf andere Verkehrsträger wie Binnenschiffe oder Lkw umsteigen. Längst nicht alle Gegenden Deutschlands sind per Schiff erreichbar. Und: „Viele Güter können allein aufgrund der Mengen nicht einfach per Lkw transportiert werden“, sagt Christian Kille, Professor für Handelslogistik an der Hochschule Würzburg. Außerdem gibt es Gefahrgüter, bei denen es sogar gesetzlich vorgeschrieben ist, dass sie über die Schiene transportiert werden müssen. Das gilt zum Beispiel für Ammoniak, eine der am meisten produzierten Chemikalie. Die Streiks hätten daher „weitreichende Auswirkungen auf die Branche und ihre Kunden“, heißt es beim Verband der chemischen Industrie (VCI).

Firmen, die kurzfristig den Transport von der Schiene auf die Straße verlegen wollen, haben es zudem schwer. „Die Kapazitäten der Speditionen sind zu dieser Jahreszeit in der Regel gut ausgelastet“, sagt Wissenschaftler Kille. Experten sprechen von den Herbstspitze. Denn viele Geschäfte stocken gerade ihre Lager für Weihnachten auf. Und auch in den Häfen kommen etliche Container mit Geschenkartikeln an, die zu Logistikzentren transportiert werden müssen.

Aus der Automobilindustrie kommen dagegen gelassene Töne – und das, obwohl die Branche einer der größten Bahn-Kunden ist. Täglich rollen für die Autohersteller über 250 Züge durch Deutschland. Während der Autoverband VDA davon ausgeht, dass die „Transportabläufe erheblich behindert werden“, geben sich die Unternehmen entspannt. „Die Produktion läuft, wir haben uns vorbereitet“, sagte ein Daimler-Sprecher. Da es bereits mehrere Streikwellen gegeben habe, habe man sich rechtzeitig Kapazitäten bei Lkw-Spediteuren gesichert. Auch Einschränkungen in den Mercedes-Werken in Berlin Marienfelde und im brandenburgischen Ludwigsfelde seien nicht bekannt. Im Motorradwerk von BMW in Spandau läuft die Produktion ebenfalls nach Auskunft einer Sprecherin reibungslos. Der Standort hat keinen Bahnanschluss und wird per Lkw beliefert.

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