Halbjahresbilanz der Bahn : Fernbusse machen Schienenkonzern zu schaffen

Das große Angebot der Fernbus-Unternehmen trifft die Bahn härter als gedacht. Statt die Preise zu senken, will sie den Service verbessern.

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Zufrieden. Bahn-Chef Rüdiger Grube bei der Vorstellung der Zwischenbilanz.
Zufrieden. Bahn-Chef Rüdiger Grube bei der Vorstellung der Zwischenbilanz.Foto: dpa

Die Deutsche Bahn (DB) hat nach einem schwierigen Geschäftsjahr 2013 im ersten Halbjahr 2014 einen Fahrgastrekord verzeichnet und einen Gewinn von 642 Millionen Euro eingefahren. Dies sei ein Plus von 15,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, sagte der Vorstandsvorsitzende Rüdiger Grube bei der Vorlage der Zahlen am Donnerstag in Berlin. Der Umsatz stieg demnach um 1,9 Prozent auf 19,73 Milliarden Euro. In wirtschaftlicher Hinsicht seien die ersten sechs Monate dieses Jahres positiv zu bewerten, sagte Grube. Allerdings sei dem Unternehmen durch das Unwetter „Ela“ ein Schaden von 60 Millionen Euro entstanden. Der Sturm war am Pfingstmontag Anfang Juni über Nordrhein-Westfalen hinweggefegt und hatte den öffentlichen Nahverkehr zeitweise lahmgelegt.

40 Fernbus-Unternehmen machen der Bahn Konkurrenz

Als zweiten großen Negativposten des Unternehmens nannte Grube die Umsatzeinbußen auf dem Fernbusmarkt. Diese hätten mit 50 Millionen Euro zu Buche geschlagen. „Der Wettbewerbsdruck nimmt zu – und zwar in allen Geschäftsfeldern“, sagte Grube. Busunternehmen in Deutschland dürfen seit rund eineinhalb Jahren in großem Stil Linienverkehr für Fernstrecken anbieten. Zuvor durften Fernbusse nur auf Strecken eingesetzt werden, auf denen sie der Bahn keine Konkurrenz machten. Mittlerweile sind 40 Unternehmen aktiv, die aktuell knapp 170 Verbindungen anbieten und der Bahn viele Kunden abwerben. Vor allem junge und ältere Menschen nutzen die Busse als günstige Alternative zu Bahn, Flugzeug oder eigenem Auto. Im vergangenen Jahr waren Schätzungen zufolge rund neun Millionen Reisende im Fernbus unterwegs.

Die Bahn will den Service verbessern

„Die gesamte Branche hat die Dynamik dieses Bereichs unterschätzt“, sagte Ulrich Homburg, der im DB-Vorstand für den Personenverkehr zuständig ist. Homburg will der unerwartet großen Konkurrenz durch Busse vor allem mit mehr Service bei der Bahn begegnen. Als Beispiel nannten Vorstandschef Grube und Homburg den Ausbau des kabellosen Internets (W-Lan) in den Zügen und andere digitale Angebote sowie einen neuen Begleitservice für Bahnkunden. Rund 30 Prozent aller Fernbusnutzer seien der Bahn dauerhaft abtrünnig geworden, schätzt Homburg.

Ungeachtet dieser Abwanderungsbewegungen verzeichnete das Unternehmen im ersten Halbjahr 2014 einen Fahrgastrekord: Laut Vorstandschef Grube haben von Januar bis Juni etwas mehr als eine Milliarde Menschen den Schienenpersonenverkehr genutzt. Das ist laut Deutscher Bahn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Zuwachs um zehn Millionen Kunden.

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