Handel : Absatz von Fair-Trade-Produkten steigt

Einkaufen mit besserem Gewissen - das ist die Idee von Fair Trade. Dafür nehmen deutsche Verbraucher zunehmend auch höhere Preise in Kauf.

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Oh, wie schön. Deutsche verschenken immer öfter Rosen aus fairem Handel.
Oh, wie schön. Deutsche verschenken immer öfter Rosen aus fairem Handel.Foto: AFP

Berlin - Ob bei Kunsthandwerk oder Kaffee – Deutsche greifen immer häufiger zu Produkten aus fairem Handel. Insgesamt gaben sie dafür im vergangenen Jahr 477 Millionen Euro aus, wie der Branchenverband Forum Fairer Handel (FFH) am Freitag mitteilte. Das waren 64 Millionen mehr als noch 2011 – ein Plus von 16 Prozent. In den zurückliegenden drei Jahren hat sich der Umsatz damit sogar verdoppelt.

„Besonders bei Südfrüchten wie Bananen, Mangos und Papayas ist der Anteil enorm gestiegen“, sagte Antje Edler, Geschäftsführerin des Anbieter-Netzwerks. Einen starken Zuwachs gab es mit zwölf Prozent außerdem im Segment Blumen. Vor allem Rosen kommen hierzulande häufig aus Ländern wie Lateinamerika, Afrika und Asien, wo faire Arbeitsbedingungen keine Selbstverständlichkeit sind.

„Wir sehen diese Entwicklung als Zeichen, dass das Bewusstsein für gemeinwohlorientiertes Wirtschaften steigt“, sagt die Verbandschefin. Weltweit profitieren nach FFH-Angaben etwa sechs Millionen Bauern und deren Angehörige von Fair-Trade-Initiativen. Deren Produkte zeichnen sich laut der internationalen Definition dadurch aus, dass ihre Importeure und Anbieter die Erzeuger in den Anbauländern nicht benachteiligen, sondern gerechtere Löhne zahlen und sich für die sozialen Rechte der Bauern und Arbeiter einsetzen.

Die höheren Gewinnspannen machen sich dabei zumeist auch im höheren Endpreis der Ware bemerkbar. „Mal kostet ein Produkt 30 Cent mehr als ein herkömmliches, mal sind es vielleicht sogar 50 Cent“, sagt Edler. Offenbar seien Verbraucher jedoch zunehmend bereit, diese Mehrkosten zu tragen.

Der steigende Absatz ist allerdings wohl auch die Folge eines wachsenden Angebots. Mit Aldi Süd, Mövenpick und der Großrösterei Darboven sind 2011 einige wichtige Händler und Märkte dazugekommen. Deutschlandweit gibt es inzwischen 36 000 Verkaufsstellen, die zusammen mehr als 12 000 verschiedene Fair-Trade-Artikel im Sortiment führen. Dabei seien besonders die Supermärkte als Massenabsatzmarkt von Bedeutung, betont der Verband. Bekanntester Fachhändler ist die Kette Weltladen.

Besorgt äußerte man sich beim FFH gleichwohl über die Tendenz in der Weltwirtschaft. Rohstoffspekulationen und verstärkter Wettbewerb gingen vor allem zu Lasten von Kleinbauern in den Ländern des Südens. So träten Zwischenhändler, um an Kaffee zu gelangen, aggressiver auf denn je. Nötig sei daher eine stärkere Regulierung der Rohstoffmärkte, appellierten die Anbieter an die Politik.

Denn so erfreulich die neuerlichen Zahlen sein mögen: Noch immer sind Fair-Trade-Produkte im Gesamtmarkt weitgehend Nischenprodukte. Den größten Anteil erreichen sie mit 6,8 Prozent unter den Blumen. Kaffee, der vielen beim Stichwort Fair Trade zuerst einfällt, kommt nur auf zwei Prozent.

Nach wie vor gehen zudem Anspruch und Wirklichkeit häufig auseinander, wenn verantwortungsbewusste Verbraucher einerseits Fair-Trade-, andererseits Bio-Produkte konsumieren wollen. Von den Fair-Trade-Lebensmitteln stammten letztes Jahr immerhin knapp zwei Drittel aus kontrolliert biologischem Anbau. Umgekehrt sind dagegen nicht einmal die Hälfte aller Bio-Artikel auch fair gehandelt. „Eine Doppelzertifizierung“, sagt Verbandschefin Edler, „macht den Endpreis so teuer, dass viele Produkte am Markt dann doch nur schwer durchsetzbar sind.“ Maris Hubschmid

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