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Handy für drei Euro : Freedom 251 - der Tata unter den Smartphones

Indien hat nach China den zweitgrößten Smartphone-Markt. Ein neues Billig-Handy soll ihn noch größer machen - und eine Milliarde Inder vernetzen.

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Gibt's nicht? Gibt's doch. In Indien soll ein Smartphone der Marke Ringing Bells zum absoluten Dumpingpreis auf den Markt kommen.
Gibt's nicht? Gibt's doch. In Indien soll ein Smartphone der Marke Ringing Bells zum absoluten Dumpingpreis auf den Markt kommen.Foto: Screenshot/www.ringingbells.co.in

Seine Vision lässt sich Narendra Modi einiges kosten. Er träume von einem digitalen Indien, in dem sich alle 1,3 Milliarden Einwohner miteinander vernetzen können, sagte Indiens Premier vor ein paar Monaten. Das Instrument dafür liefert nun die Firma Ringing Bells: Das Freedom 251 soll das günstigste Smartphone der Welt sein. Für 251 Rupien – rund drei Euro – werde es zu haben sein, verkündete das erst im vergangenen Jahr gegründete Unternehmen, das von der Regierung mit der Entwicklung beauftragt war. Ohne staatlichen Zuschuss ist solch ein Kampfpreis nicht möglich. Analysten zufolge dürften die Herstellungskosten des Gerätes bei rund 20 Euro liegen.

Mit 220 Millionen Smartphones ist Indien der zweitgrößte Markt der Welt hinter China, schätzen die Marktforscher von Counterpoint Research. Damit hat der Subkontinent die USA bereits überholt. Und gesättigt ist der Markt dort noch lange nicht. Noch immer verkaufen sich herkömmliche Handys – sogenannte Feature Phones – besser als die Computer-Handys. Doch nach und nach werden immer mehr der 1,3 Milliarden Menschen in Indien auf Smartphones umschwenken. Diese Entwicklung will Premierminister Modi anschieben, der seinem Land mit milliardenschweren Programmen wie „Make in India“ und „Digital India“ einen Modernisierungskurs verordnet hat. Mit dem Zugang zum mobilen Internet, so die Überlegung der Regierung, bekommen viele Menschen Zugang zu Informationen und können bessere Geschäfte machen.

Mit dem neuen Angebot erhöht Ringing Bells den Druck auf die Konkurrenz, die bei einem zunehmend gesättigten Weltmarkt Hoffnungen in Wachstumsinseln wie Indien setzt. Apple-Chef Tim Cook bezeichnete den Markt jüngst als „unglaublich aufregend“. Der iPhone-Verkauf in Indien legte im Weihnachtsquartal um 76 Prozent zu. Dort entstehe derzeit eine Mittelschicht mit enormem Kaufkraftpotenzial. Allzu große Sorgen müssen sich Apple, Samsung und chinesische Hersteller wie Xiomi ob des neuen Wettbewerbers aber vielleicht gar nicht machen. Der niedrige Preis könnte nämlich zum Makel des Freedom 251 werden. Schon beim Billig-Auto Nano, mit dem der Tata-Konzern vor ein paar Jahren ganz Indien auf vier Räder bringen wollte, zeigte sich: Die Mittelschicht will billig fahren, aber nicht billig aussehen. Das Auto wurde ein Flop.

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