Wirtschaft : "Haus der Deutschen Wirtschaft" in Berlin eingeweiht

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Dieter Hundt konnte den verbalen Hieb gegen die Regierung nicht für sich behalten: "Die Abgeordneten werden sich wegen der momentan im Bundestag stattfindenden namentlichen Abstimmung über die Nachbesserungen des Gesetzes zur Scheinselbständigkeit etwas verspäten. Ich hoffe, die Mühe lohnt sich." Immerhin hatten die Arbeitgeber mächtig Druck gegen das Ursprungsgesetz gemacht. Kein Wunder also, dass der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) sich diesen Schlenker nicht verkneifen konnte, als er seine Gäste zur Einweihung des "Hauses der Deutschen Wirtschaft" in Berlin begrüßte. Der BDA, der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT) haben ihre Zentralen seit Freitag erstmals unter einem Dach.

Die Einweihung des Hauses in unmittelbarer Nähe zu Regierung und Parlament vollende den wichtigen Schritt des Umzugs vom Rhein an die Spree, heißt es von den drei Dachorganisationen der deutschen Wirtschaft. "Wir sind heute hier, um zu bleiben", sagte Hundt, der stellvertretend für alle drei Bauherren die Begrüßungsrede hielt. Nachdem die Verbände zunächst jeder für sich nach Standorten für einen Sitz in Berlin gesucht hatten, entschieden sie Anfang 1995 pragmatisch, ein gemeinsames Haus zu bauen.

Die Erwartungen der drei Verbandschefs in die Vorteile eines gemeinsamen Standortes, der gemeinsam genutzten Einrichtungen und der kurzen Wege seien bereits in den ersten Tagen nach dem Einzug erfüllt worden, sagte Hundt. "Die Aufgabenteilung zwischen den Verbänden bleibt aber weiterhin bestehen", betonte der BDA-Präsident. Die gemeinsame Zentrale solle helfen, die Kooperation zu verbessern, Synergien zu erreichen und konzertiert vorzugehen - dabei wollen die Verbände ihre organisatorische Selbstständigkeit bewahren.

Das sechsgeschossige Haus steht in der Breite Straße gegenüber dem historischen Nikolai-Viertel im Bezirk Mitte. In 25 Monaten entstand ein Neubau mit einer Gesamtfläche von 27 000 Quadratmetern. Von diesem Ort aus - hier befand sich früher der "Cöllnische Fischmarkt" - wollen DIHT, BDI und BDA weiterhin für die Anliegen der deutschen Wirtschaft werben: "An allen entscheidenden sozial- und wirtschaftspolitischen Weichenstellungen werden wir unvermindert klar und deutlich Position beziehen", kündigte Hundt an.

In dem rund 197 Millionen Mark teuren Bürokomplex am Spreeufer arbeiten gut 500 Mitarbeiter. Bereits am 30. September war der Neubaukomplex - drei Gebäude mit einem glasüberdachten Innenhof als Foyer und einem Konferenzturm mit Wintergarten - den Nutzern vom Bauunternehmen Groth + Graalfs übergeben worden. Die drei Verbände nutzen unter anderem den Eingangs- und Sicherheitsbereich, die Tiefgarage, Poststelle, Druckerei und Technik gemeinsam. Ansonsten bleibt jeder Verband für sich.

Der DIHT hat seine neuen Büros in der Breite Straße bereits am 4. Oktober bezogen. Der Dachverband der deutschen Industrie- und Handelskammern, dem rund 46 Prozent des Baus gehören, hat nach eigenen Angaben noch rund 70 Mitarbeiter an seinem bisherigen Sitz in Bonn beschäftigt. BDI und BDA zogen Anfang November komplett von Köln nach Berlin. Die drei Wirtschaftsverbände hatten schon einmal vor dem Zweiten Weltkrieg ihre Zentralen in Berlin. Die vierte große Wirtschaftsorganisation, der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), ist bereits seit Juli in der Berliner Mohrenstraße zu finden.

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