Wirtschaft : Höhere Tabaksteuer kostet Arbeitsplätze

Erhöhung um 91 Prozent trifft Feinschnitt-Hersteller hart

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Berlin (chh/msh). Die Hersteller von losem Tabak, dem Feinschnitt, sehen sich durch die geplante Erhöhung der Tabaksteuer in ihrer Existenz bedroht. „Wir rechnen mit einem Absatzeinbruch, der auch zu einem Verlust von Arbeitsplätzen führen wird“, sagte Alexander Manderfeld vom Verband der Deutschen Rauchtabakindustrie dem Tagesspiegel. Da die Raucher von Feinschnitt überwiegend „sozial schwächer gestellt“ seien, würden sich viele Kunden das Rauchen gar nicht mehr leisten können oder auf Schmuggelware umsteigen.

Der Gesetzentwurf der Bundesregierung sieht eine Erhöhung der Steuer für Feinschnitttabak vor, die nach Berechnungen des Rauchtabakverbandes 91 Prozent beträgt. Der Preis für einen gängigen 40Gramm-Beutel steige von durchschnittlich drei Euro auf mehr als fünf Euro. Damit wird die Steuer auf Feinschnitt deutlich stärker angehoben als auf herkömmliche Zigaretten.

Die überwiegend mittelständisch geprägte Feinschnitttabakindustrie beschäftigt rund 4000 Mitarbeiter. Ein Teil dieser Stellen sei durch die geplante Erhöhung der Tabaksteuer „massiv bedroht“, sagt auch Günter Hill, Geschäftsführer der Brinkmann Niemeyer GmbH. Das Unternehmen ist mit Marken wie „Samson“ oder „Schwarzer Krauser“ Marktführer in Deutschland und beschäftigt 250 Mitarbeiter. „Vor allem bei kleineren Betrieben geht es um die Existenz“, sagt Hill. „Auch einige unserer Stellen sind durch die Erhöhung gefährdet.“

Nicht zuletzt deshalb hält Hill den Gesetzentwurf für eine „große Panne“ der Regierung. Über eine Erhöhung der Steuer um 40 Prozent wie beim Zigarettentabak könne man reden, aber ein Anstieg um mehr als 90 Prozent sei „unverantwortlich“. Am Anfang würden Zigarettenraucher zwar zum günstigeren Feinschnitt wechseln. Untersuchungen hätten jedoch gezeigt, dass diese Raucher nach neun bis zwölf Monaten fast ausnahmslos wieder zurück zur Zigarette wechseln oder sich Alternativen wie billige Schmuggelware suchen. Eine weitere Gefahr droht den kleinen Herstellern von den Tabakkonzernen. Philipp Morris erwägt bereits einen Einstieg in das Billigsegment.

Nach Ansicht der Feinschnitt-Hersteller werden sich viele Kunden den Tabak künftig gar nicht mehr leisten können. Nach Angaben des Rauchtabakverbandes verdienen 54 Prozent der Selbstdreher weniger als 1000 Euro netto pro Monat. Die Hälfte ist arbeitslos oder nur teilweise beschäftigt. „Brechen uns diese Kunden weg, stehen wir ohne Markt da“, sagt Günter Hill.

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