HSH Nordbank : Chefaufseher Mirow muss sich um Milliardenlöcher kümmern

Thomas Mirow soll die HSH Nordbank retten. Der Aufsichtsratschef ist sich bewusst, dass das in der Finanzkrise in Schieflage geratene Institut "eine sehr schwierige Wegstrecke" vor sich hat.

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Folgt bei der HSH Nordbank auf Hilmar Kopper: Thomas Mirow.
Folgt bei der HSH Nordbank auf Hilmar Kopper: Thomas Mirow.Foto: dpa

Berlin - Er spricht leise, und er überlegt genau, bevor er etwas sagt. Die feingliedrige Statur, das gewellte graue Haar passen zu seiner zurückhaltenden Art. In Paris geboren, Sohn eines Diplomaten: Dass so einer in der Politik nicht umkommt, grenzt an ein Wunder. Thomas Mirow, der gerade seinen 60. Geburtstag feierte, hat zwar vor neun Jahren die Wahl zum Ersten Bürgermeister Hamburgs verloren, aber seiner Karriere schadete das nicht. Der SPD-Mann hat davor schon für Willy Brandt gearbeitet und danach für Gerhard Schröder, er war Senator in Hamburg – dort hat er die Hafenstraße befriedet – und Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Unternehmensberater und zuletzt Präsident der Osteuropabank in London. Jetzt soll er die HSH Nordbank retten, als Aufsichtsratschef.

Eine einfache Aufgabe ist das wahrlich nicht. „Mir ist bewusst, dass vor der HSH Nordbank eine weitere sehr schwierige Wegstrecke liegt“, sagte Mirow am Freitag in Hamburg in seinem typischen Understatement. Das Institut ist im Jahr 2003 aus der Fusion der Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein hervorgegangen und hat sich in der Finanzkrise gründlich verzockt. Vor vier Jahren haben die beiden Länder drei Milliarden Euro nachgeschossen und eine Garantie für weitere zehn Milliarden Euro abgegeben. Als Kerngeschäft hat man Schiffsfinanzierungen ausgemacht, doch jetzt läuft die Schifffahrt weltweit schlecht, zu den alten Problemen kommen neue. In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres betrug der Verlust 25 Millionen Euro, bis Jahresende dürfte sich der Fehlbetrag aber deutlich erhöht haben.

Für Mirow geht es jetzt darum, die beschlossene Strategie trotz der Schifffahrtskrise umzusetzen. „Wir können an der geordneten Konsolidierung der Branche mitwirken“, sagte er dem Tagesspiegel. Dass damit Risiken verbunden sind, die letztlich von den Ländern mitgetragen werden müssen, ficht ihn nicht an. Noch teurer werde es, wenn die Strategie nicht aufgehe. „Wir müssen vermeiden, dass die Bank Schiffbruch erleidet.“

Hinzu kommt: Die Bank muss sich wegen Auflagen der EU-Kommission auf ungefähr die Hälfte ihrer früheren Größe verkleinern und benötigt mehr Eigenkapital, um nicht die vorgeschriebenen Kapitalquoten zu unterschreiten. Die Länder überlegen deshalb, ihre zwischenzeitlich reduzierten Garantien von derzeit sieben wieder auf zehn Milliarden Euro aufzustocken. Das könnte jedoch ein neues Beihilfeverfahren bei der EU in Gang setzen.

Und obendrein ist der Streit mit dem früheren Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher nicht ausgestanden. Trotz der Milliardenlöcher und einer nur kurzen Amtszeit war ihm vor gut zwei Jahren bei seinem Ausscheiden eine Millionenabfindung gezahlt worden. Die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt gegen ihn unter anderem wegen Untreue. Im Falle einer Verurteilung sollen zwar vier Millionen Euro – Abfindung zuzüglich Zinsen – zurückfließen. Aber das heikle Thema dürfte die Bank noch auf Jahre beschäftigen.

Der bisherige Aufsichtsratschef Hilmar Kopper hat, angefeindet von der Opposition in Kiel und Hamburg, die Segel gestrichen, jetzt soll also Mirow die Bank in ruhigere Fahrwasser bringen. Betreten hat er sie noch nicht. Gerade hat er in einer alteingesessenen Hamburger Anwaltskanzlei – gegründet 1865, um die Ecke vom Rathaus – ein Büro bezogen und sortiert seine Aufgaben, nachdem er im Juli in London an der Spitze der Osteuropabank abgelöst wurde. Vier bis fünf Mandate will er übernehmen: Neben dem Aufsichtsratsvorsitz der HSH Nordbank wird er im Gesellschafterausschuss der Reederei F. Laeisz und im Senior Advisory Board der Londonder Investmentfirma Riverrock sitzen. Zum vierten und möglicherweise fünften Mandat sagte er noch nichts. Außerdem betätigt er sich an der privaten Hertie School of Governance in Berlin.

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