ILA 2014 : Branche im Höhenflug

Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie meldet Rekordumsätze. Nur die Rüstungssparte macht Sorgen.

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Verliebt in die Luft. Zur ILA 2014 präsentieren sich die Hersteller in Bestlaune. Treibende Kraft für die gute Konjunktur sind die Verkehrsflugzeuge mit den beiden großen Konkurrenten Airbus und Boeing.
Verliebt in die Luft. Zur ILA 2014 präsentieren sich die Hersteller in Bestlaune. Treibende Kraft für die gute Konjunktur sind die...Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Zur ILA 2014 geht es der Branche in der Bundesrepublik so gut wie lange nicht. Der Umsatz ihrer Mitgliedsunternehmen legte im vergangenen Jahr um 7,8 Prozent auf einen Rekordwert von 30,6 Milliarden Euro zu, meldete der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI). 105 500 Menschen sind hier beschäftigt – mehr als je zuvor. Allein 5000 Jobs sind 2013 neu entstanden. Treibende Kraft sind die Verkehrsflugzeuge, wo Airbus sich bei den größeren Jets seit langem ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem amerikanischen Konkurrenten Boeing liefert.

Der wachsende globale Mobilitätsbedarf hat zu einem permanenten Anstieg der Passagierzahlen geführt. Die Luftverkehrsgesellschaften rund um den Globus müssen ihre Flugzeugflotten erneuern und erweitern. Hier ist Airbus mit der mit neuen, treibstoffsparenden Triebwerken ausgestatteten Generation der Mittelstreckenjetfamilie A320, dem Langstrecken-Dauerbrenner A330, dem Megaliner A380 und dem neuen Kunststoffflieger A350 gut aufgestellt.

Die Zivilluftfahrt hat mit rund 21,4 Milliarden Euro einen Anteil von gut zwei Dritteln am Gesamtumsatz der Branche und garantiert mit 74 800 knapp drei Viertel der Arbeitsplätze. Mehr als 20 000 Personen sind allein in den auf Norddeutschland konzentrierten Standorten von Airbus beschäftigt, der Löwenanteil in Hamburg-Finkenwerder. Dort laufen monatlich 22 Jets der A320-Familie vom Band. Außerdem werden von hier die Bauteile zu den Endmontagelinien in Tianjin (China) und Mobile (USA) verschifft. Auch die A380 werden in der Hansestadt ausgestattet.

Raumfahrtindustrie befindet sich ebenfalls im Aufwind

Die zivile Zulieferindustrie profitiert vom kontinuierlichen Aufschwung bei Airbus. „Der Umsatzzuwachs von rund einer Milliarde Euro liegt auch darin begründet, dass die Zulieferindustrie zunehmend auf dem Weltmarkt erfolgreich an Programmen beteiligt ist“, sagt der neue BDLI-Präsident Bernhard Gerwert. „Sie stehe in einem harten Wettbewerb, in dem sie sich aufgrund ihrer starken Marktstellung in Technologie und Qualität bewährt.“ Diesen Vorteil gelte es zu erhalten und auszubauen, wobei dem Luftfahrtforschungsprogramm der Bundesregierung eine große Bedeutung zukomme.

Das nach der Umbenennung der EADS in Airbus Group als Airbus Helicopter firmierende Unternehmen Eurocopter mit seinem deutschen Zweig im bayerischen Ottobrunn hat im vergangenen Jahr 497 Hubschrauber ausgeliefert. Damit und mit einer globalen Flotte von rund 12 000 im Einsatz stehenden Hubschraubern ist man weltweiter Marktführer. Als neueste Modelle werden der EC145 T2 und der EC175 präsentiert.

Die Raumfahrtindustrie ist mit rund 8400 Beschäftigten zwar die kleinste Sparte der Branche. Sie befindet sich als innovativer Hochtechnologiebereich aber ebenfalls im Aufwind. An aktuellen Projekten wie der Trägerrakete Ariane 5, dem unbemannten Weltraumtransporter ATV und dem Telekommunikationssatelliten Alphasat-I-XL sind deutsche Firmen maßgeblich beteiligt. militärischen BereichBDLI warnt vor Verlust hochqualifizierter

In der Rüstungssparte droht der Verlust hochqualifizierter Arbeitsplätze

Sorgenkind ist angesichts der rückläufigen Verteidigungsetats die Rüstungssparte, zu der neben der angelaufenen Serienproduktion des Transporters Airbus A400M der Eurofighter, der Kampfhubschrauber Tiger und der Transporthubschrauber NH90 gehören. Der BDLI warnt vor dem drohenden Verlust hochqualifizierter Arbeitsplätze und jahrzehntelang aufgebauter Kompetenzen, die deutsche Firmen zu akzeptierten Partnern in dem überwiegend in europäischer Kooperation betriebenen Geschäftszweig machen.

Während sich die Zivilluftfahrt auf den Norden konzentriert, ist der militärische Bereich überwiegend in Süddeutschland angesiedelt. Daneben hat sich Ostdeutschland, insbesondere die Region Berlin-Brandenburg, zum dritten Kompetenzzentrum der Luft- und Raumfahrtindustrie entwickelt. Die Berlin Brandenburg Aerospace Alliance (BBAA) zählt mehr als 100 Mitglieder mit 25 000 Beschäftigten. Mit rund 2,1 Milliarden Euro trägt die Branche 20 Prozent zum Gesamtexport der Region bei.

Flaggschiffe sind hier die beiden großen Triebwerkshersteller. Rolls-Royce in Dahlewitz baut nicht nur Strahlturbinen für Businessjets und die Airbus-A320-Familie, sondern ist auch Standort des Hightech-Testzentrums des Konzerns für Komponenten. Derzeit ist außerdem ein neuer Prüfstand für Großtriebwerke im Aufbau. MTU in Ludwigsfelde ist Instandhaltungszentrum für das Regionaljet-Triebwerk CF34 und Zentrale für die Abnahme und Auslieferung des für den A400M bestimmten, größten Turboprop-Antriebs der westlichen Welt.

Rund um Berlin entstehen auch komplette Flugzeuge

Lufthansa Technik betreibt in Schönefeld einen Wartungsbetrieb, in dem jährlich rund 100 sogenannte C-Checks an Mittelstreckenjets durchgeführt werden. Gleich nebenan hat sich die gemeinsam mit dem Hersteller Bombardier gegründete Firma LBAS als Kompetenzzentrum für die Wartung und Instandhaltung von Businessjets etabliert.

Aber auch komplette Flugzeuge entstehen in der Region. Aquila in Schönhagen hat mit der A211 gerade die neueste Version seiner einmotorigen Sport- und Trainingsmaschine vorgestellt. Und Stemme in Strausberg baut erfolgreiche Motorsegler, die auch als fliegende Plattformen für wissenschaftliche Sensoren Verwendung finden. Andere Firmen haben sich als Zulieferer spezialisiert.

So baut Holmberg in Kreuzberg Piloten-Sprechgarnituren und Bordtelefone für Verkehrsflugzeuge, während bei Franke Aquarotter in Ludwigsfelde Armaturen und Steuereinheiten für die Bordtoiletten entstehen. PACE in Friedrichshain entwickelt Software wie den Kabinenkonfigurator für den neuen Airbus A350. Und die Möhle Flugzeugwerft aus Strausberg ist technischer Gesamtleiter des rund um den Globus ausgetragenen Red Bull Air Race.

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