Ilse Aigner : „Keine Kürzungen zulasten deutscher Bauern“

Agrarministerin Ilse Aigner spricht im Interview über den EU-Haushaltsgipfel in dieser Woche, die Umverteilung von Subventionen und ihre politische Zukunft in Bayern.

von
Ilse Aigner. „Unsere Vorleistungen – etwa Umweltmaßnahmen – müssen anerkannt werden.“
Ilse Aigner. „Unsere Vorleistungen – etwa Umweltmaßnahmen – müssen anerkannt werden.“Foto: Mike Wolff

Frau Aigner, wie geht es den Bauern?
Insgesamt ist die Stimmung gut.

Bäcker oder Tischler müssen von dem leben, was sie erwirtschaften. Die europäischen Bauern bekommen pro Jahr mehr als 40 Milliarden Euro an Subventionen, ohne dass sie für dieses Geld etwas tun müssen. Warum?
Die gemeinsame EU-Landwirtschaftspolitik kostet jeden Deutschen im Schnitt 30 Cent pro Tag. Dafür bekommen die Verbraucher eine Landwirtschaft, die im weltweiten Vergleich nach hohen Standards der Lebensmittelsicherheit, des Umwelt- und Tierschutzes wirtschaftet. Landwirte sichern unsere Ernährung, gestalten und pflegen unsere Landschaft und erbringen dadurch gesellschaftliche Leistungen, die sich nicht im Preis ihrer Erzeugnisse niederschlagen. Die viel zitierten Butterberge und Milchseen sind längst Geschichte. Die Politik hat reagiert und die Förderung bereits umgestellt. Wir in Deutschland sind die Vorreiter dieser Entwicklung.

Wieso?
Bei uns gibt es nur noch Geld für die Bewirtschaftung der Fläche und keinen Euro mehr für die Produktion. Wer 1000 Stück Vieh im Stall hat, aber keinen Hektar Land bewirtschaftet, geht leer aus. Die Tierhaltung selbst wird bei uns nicht mehr unterstützt. Nur der Viehhalter, der Futter für die Tiere auf seinen Feldern anbaut, wird über die Fläche gefördert. Deutschland und England haben diese Modernisierung der Landwirtschaft schon umgesetzt. Ich fordere, dass die übrigen EU-Mitgliedstaaten hier so schnell wie möglich nachziehen.

Wie viel Euro bekommt der deutsche Bauer pro Hektar vom Steuerzahler?
Zwischen 290 und 360 Euro, das ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.

Die Weizenpreise sind hoch, die Preise für Schweine und Rinder ziehen an, selbst die Milchbauern bekommen mehr Geld von den Molkereien. Reicht das nicht, um aus eigener Kraft über die Runden zu kommen?
Besonders kleine Betriebe sind nach wie vor stark auf die EU-Förderung angewiesen. Bei Klein- und Nebenerwerbsbetrieben machen die Fördergelder mehr als 80 Prozent des Einkommens aus, bei kleinen Haupterwerbsbetrieben 60 Prozent, im Durchschnitt aller Betriebe sind es 54 Prozent. Die EU-Direktzahlungen sind für die Landwirte auch ein Sicherheitsnetz für harte Zeiten, die auch starke Schwankungen bei den Erzeugerpreisen ausgleichen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar