Denkmalschutz in Berlin : Kastenfenster in Zehlendorf werden nicht ausgetauscht

Berliner Senat will das stilprägende Element der Gründerzeitbauten erhalten. Auch das Aufarbeiten von Kunststofffenstern kann sich lohnen.

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Schützenswert. Kastendoppelfenster aus Holz dürfen nur noch in Ausnahmefällen durch moderne Fenster ersetzt werden.
Schützenswert. Kastendoppelfenster aus Holz dürfen nur noch in Ausnahmefällen durch moderne Fenster ersetzt werden.Foto: imago/Sabine Gudath

Das Berliner Holzkastendoppelfenster ist gerettet. Zumindest im Bestand der sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften. Das stilprägende Element der Gründerzeitbauten darf laut einer Kooperationsvereinbarung des Senats mit den Gesellschaften nur noch in Ausnahmefällen durch moderne Fenster ersetzt werden: „Auf den Ersatz funktionsfähiger Holzkastendoppelfenster wird grundsätzlich verzichtet“, heißt es in der Vereinbarung.

Auch für private Wohnungsgesellschaften hat der Beschluss offenbar eine Signalwirkung: So werden die Kastendoppelfenster bei der Sanierung einer Anlage der Deutsche Wohnen an der Onkel-Tom-Straße/Argentinische Allee nicht ausgetauscht. „Ich stimme Ihnen vollkommen zu, dass ein Berliner Kastenfenster ein Bauteil ist, das es zu schützen lohnt“, schreibt die Sprecherin der Deutsche Wohnen, Manuela Damianakis, an Peter Schrage-Aden vom Arbeitskreis Energie Steglitz-Zehlendorf. Dieser setzt sich seit Jahren für die Erhaltung der Kastendoppelfenster ein.

„Nach einer intensiven Prüfung des Zustands der Kastenfenster steht heute nun fest, dass die Kastenfenster nicht ausgetauscht werden. Wir werden diese Fenster professionell überarbeiten lassen. Ich denke, dass wir auch in diesem Fall zeigen, wie ernst es uns mit den Themen Denkmalschutz und Nachhaltigkeit ist“, schreibt Damianakis.

Bei sanierten Kastenfenstern liegt der U-Wert bei 1,1

Wie man ein Kastenfenster am besten aufarbeitet, hat die Berliner Fensterbaufirma Timm unter wissenschaftlicher Begleitung erprobt. Das Projekt wurde im EU-Programm „Innovationen für die Kreislaufwirtschaft“ gefördert und mündete 2003 in den Leitfaden HO.09.

Zuerst werden alte Farbschichten abgetragen und marode Holzteile ersetzt. Dann erhält das Fenster einen neuen Farbaufbau. Die Außenflügel bekommen eine neue Einfachscheibe, die Innenflügel eine doppelte Isolierglasscheibe. Außerdem wird innen eine neue Dichtung eingefräst. Zuerst werden die äußeren Flügel in die Werkstatt geholt. Wenn sie neu eingesetzt sind, kommen die inneren Flügel an die Reihe. In der Zwischenzeit wird der Blendrahmen des Fensters vor Ort entlackt und gestrichen.

Ein so bearbeitetes altes Kastenfenster kann einen Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) von 1,3 bis 0,85 Watt pro Quadratmeter erreichen, berichtet Fensterbauer Bastian Timm. Das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf hat nach der Sanierung an der Zinnowwaldschule an der Wilskistraße einen Wert von 1,1 gemessen. Das ist Standard bei neuen Fenstern. Zum Vergleich: Aus einem einfach verglasten Fenster entweicht etwa fünf Mal mehr Wärme.

Kunststofffenster: "Der reine Glastausch geht schnell"

Die Frage ist nun, ob die Berliner Handwerker überhaupt genug Kapazitäten haben, um eine große Menge Fenster aufzuarbeiten. Peter Schrage-Aden antwortet auf diese Frage mit Jein. „Die Firmen sind alle sehr ausgelastet. Man müsste Kapazitäten schaffen.“ Doch das Hauptproblem sei die Qualifizierung. „Sonst werden die Fenster kaputtsaniert.“

Was bisher weniger bekannt ist: Auch das Aufarbeiten von Kunststofffenstern kann sich lohnen. „Der reine Glastausch geht schnell“, sagt Jan Eiermann, technischer Berater beim Landesinnungsverband des Glaserhandwerks in Baden-Württemberg. Voraussetzung sei allerdings, dass man noch eine Glashalteleiste findet, die zu dem Rahmen passt. Hier haben die Hersteller verschiedene Systeme, die untereinander nicht kompatibel sind.

Keinen Sinn macht das Aufarbeiten eines Kunststofffensters, wenn es Risse hat, sagt Eiermann. Dann sei der Weichmacher im Plastik so weit ausgedünstet, dass sich eine Reparatur nicht lohne. Mit einer neuen Verglasung aber lasse sich der U-Wert in etwa halbieren, mit einer Dreifachverglasung sogar dritteln. Dann müssten aber auch die Beschläge die schwerere Scheibe halten können und eventuell ausgetauscht werden.

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