Neubau mit innovativem Ansatz : Gewachsene Wände

In Alt-Treptow entstehen Mehrfamilienhäuser mit Außenwänden ganz aus Holz. Beim nächsten Mal will der Bauherr ganz auf Beton verzichten.

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Die „Treptower Zwillinge“ am Schmollerplatz aus der Vogelschau. Grafik: Garbe Berlin
Die „Treptower Zwillinge“ am Schmollerplatz aus der Vogelschau.Grafik: Garbe Berlin

Was mehrgeschossige Häusern aus Holz angeht, haben sich Berliner Architekten einen guten Ruf erarbeitet. Besonders das Büro Kaden + Lager dehnte die Grenzen des Möglichen immer weiter aus. Jetzt gibt es wieder ein Berliner Projekt, dessen Bauweise als Premiere angekündigt wird. Am Schmollerplatz in Alt-Treptow errichtet der Hamburger Projektentwickler Garbe die nach eigenen Angaben ersten Mehrfamilienhäuser Europas der Gebäudeklasse 5 (über 13 Meter Höhe), deren Außenwände aus massivem Holz bestehen. Der Entwurf dafür stammt von Zanderroth Architekten.

Im Gegensatz zur üblichen Holzrahmen- oder Holztafelbauweise wird dabei nicht eine Tragekonstruktion beplankt, sondern die Wände bestehen aus massivem Holz. Allerdings nicht aus dem Stamm gesägt, sondern aus mehreren Brettlagen gefertigt, die nur mit Holzschrauben verbunden sind.

Kleber braucht es dafür aber nicht. „Leim hat immer ein Thema Richtung Chemie. Wir wollten jedoch auf eine möglicherweise umweltschädigende Wirkung so weit wie möglich verzichten“, sagt Georg Nunnemann, Prokurist bei Garbe. „Grundgedanke war, eine massive Konstruktion zu wählen, wie sie seit Jahrhunderten im Block- oder Dielenhaus erprobt ist“, ergänzt er.

Nach Alt-Treptow, der Holzbauweise wegen?

Von außen wird die Fassade der „Treptower Zwillinge“ mit einer Holzverschalung als Witterungsschutz verkleidet. Dahinter folgt eine Luftschicht, dann eine acht Zentimeter dicke Dämmschicht aus Steinwolle, schließlich die Holzwand. Im Inneren des Hauses wird die Holzoberfläche sichtbar bleiben, es sei denn, die Käufer der Eigentumswohnungen wünschen es anders.

Ein Innenraum des Neubaus. Hier sind die massiven Holzwände sichtbar. Grafik: Garbe Berlin
Ein Innenraum des Neubaus. Hier sind die massiven Holzwände sichtbar.Grafik: Garbe Berlin

Ganz auf Beton wird aber nicht verzichtet. Tragende Innenwände, die Decken und die tragenden Stützen werden aus Beton bestehen, berichtet Georg Nunnemann. Garbe spricht deshalb auch von einem Hybridbau. „Der nächste Schritt wäre, auf Hybrid zu verzichten“, sagt Nunnemann. Daran arbeite das Unternehmen bereits, das Vorhaben sei aber noch nicht spruchreif.

Genau anschauen will sich Garbe, wie die Bauweise bei den Kunden ankommt und ob das Gefühl stimmt, dass sie interessant ist. Ob also Menschen sagen: „Eigentlich will ich gar nicht nach Alt-Treptow, aber diese Art von Haus ist es mir wert“, überlegt Georg Nunnemann.

Holz gilt als Baustoff der Zukunft

Immerhin lässt sich die Vermarktung der Zwillingsbauten recht gut an. Die günstigeren Wohnungen zu Quadratmeterpreisen um 3100 Euro sind bereits verkauft, berichtet Steffen Boldhaus vom Garbe-Vertrieb. Die Kosten für die anderen Wohnungen liegen bei 3400 Euro pro Quadratmeter bis 4900 Euro im Penthaus. 40 Prozent der Wohnungen sind bereits veräußert – bei einem aktuellen Baustand, der die Höhe der Tiefgarage erreicht hat.

Zunächst hatte das Projekt allerdings eher negative Aufmerksamkeit im Kiez erregt, weil ein Supermarkt auf der Fläche abgerissen wurde. Inzwischen gebe es aber eine gute Resonanz bei den Nachbarn, sagt Boldhaus.

Grundsätzlich gilt Holz als Baustoff der Zukunft, weil es Kohlendioxid beim Wachsen langfristig speichert. Genug Holz fürs Bauen ist nach Angaben der Expertengruppe „Ökobilanzierung“ der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen vorhanden. In Deutschland wachsen demnach jedes Jahr gut 100 Millionen Kubikmeter Holz nach. Davon würden knapp 80 Millionen Kubikmeter Rohholz jährlich geerntet. Acht Prozent dieser Menge würden ausreichen, um das gesamte Neubauvolumen im Wohnungsbau aus Massivholz zu errichten.

Allerdings schränken die Landesbauordnungen das Bauen mit Holz noch stark ein. Baugenehmigungen müssen jeweils mit Sondererlaubnissen eingeholt werden. An der Beseitigung dieser Hemmnisse arbeitet seit 2014 ein Runder Tisch im Landwirtschaftsministerium.

Zu einer Informationsveranstaltung und Ausstellung über die Massivholzhülle der „Treptower Zwillinge“ aus Schwarzwald-Holz lädt die Firma Garbe am Samstag, 28. Mai von 12 bis 16 Uhr ein. Vorträge gibt es um um 13, 14 und 15 Uhr auf dem Baugelände am Schmollerplatz 27, 12435 Berlin.

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