Schöneberger Linse : Waschen und grillen – am liebsten gemeinsam

Zwischen Sachsendamm und Bahntrasse werden jetzt alle Pläne dem Wohnungsbau untergeordnet. Investor Hines will "Wohnpark Südkreuz" bis 2019 fertigstellen.

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Lauter Mietwohnungen sind nahe dem historischen Eckgebäude der Bewag aus den 1920er Jahren geplant.
Lauter Mietwohnungen sind nahe dem historischen Eckgebäude der Bewag aus den 1920er Jahren geplant.Abbildung: Hines/promo

Wie sich die Zeiten ändern: Für eines der großen Entwicklungsgebiete mit Filetqualität im Berliner Westen, die „Schöneberger Linse“ am Bahnhof Südkreuz, gab es noch 2010 unter Bausenatorin Ingeborg Junge-Reyer hochfliegende Pläne. Von einer „Gateway City“ war die Rede, einer Art mächtiger Drehtür zwischen Innenstadt und dem schon damals im Bau befindlichen „Weltflughafen“ in Schönefeld. Äußerst verkehrsgünstig an der A 100 gelegen, mit Kongresszentrum, Hotellerie, Showbühnen. Vorbei.

Alles wird nun dem Wohnungsbau untergeordnet. Jüngster Streich: Auf einem Teil des linsenförmigen Geländes zwischen Sachsendamm und Bahntrasse wird der US-Immobilieninvestor Hines demnächst Mietwohnungen bauen, den „Wohnpark Südkreuz“. Und das ist erst der Anfang.

Bis 2019 sollen auf dem rund 21.000 Quadratmeter großen Gelände 530 Apartments ganz unterschiedlicher Größe (25 Prozent davon im geförderten Wohnungsbau) mit insgesamt 53.000 Quadratmeter Geschossfläche entstehen. Dazu sind Einheiten für altersgerechtes und studentisches Wohnen, eine Kindertagesstätte sowie kleinere Gewerbeeinheiten „für Dinge des täglichen Bedarfs“ vorgesehen.

Das zu bebauende Grundstück war von der im März 2015 gegründeten Projektgesellschaft Wohnpark „Südkreuz“ Berlin-Schöneberg GmbH erworben und an Hines veräußert worden. Davor befand es sich im Eigentum von Vattenfall, vormals Bewag. Hines plant in einem Joint Venture mit einem deutschen Immobilien-Spezialfonds eine Investitionssumme von 130 Millionen Euro ein.

Co-Workingtrend aufs Wohnen umgemünzt

Joachim Wintzer, Direktor im Berliner Büro von Hines, schwärmt: „Wir planen, den Trend des Co-Working aus dem Bürobereich für den Wohnungsbau zu adaptieren.“ Auf gut Deutsch: Die Bereiche, die die Bewohner gemeinschaftlich nutzen, sollen großzügig gestaltet werden. Gedacht ist an Sport-, Grill- und Spielplätze. Auch E-Bikes will man für die Mieter vorhalten.

Grafik: Fabian Bartel

Zudem seien Angebote wie eine Gemeinschaftsküche, Waschsalon, Docking-Stations für Elektroautos, eine Station zur Anlieferung von Paketen, ein Reinigungsservice und mehr geplant, teilt Wintzer auf Anfrage mit. Die Vermietung werde Hines selbst in die Hand nehmen, gegebenenfalls unterstützt durch einen Maklerservice. Der Verkauf von Wohnungen sei derzeit nicht vorgesehen.

Die Mieten des nicht geförderten Teils der Wohnungen werden den Angaben zufolge im „mittleren Bereich“ liegen – genau möchte sich Hines noch nicht festlegen. Auch über die Architektur der Gebäude ist die letzte Entscheidung noch nicht getroffen, vorliegende Computerbilder haben offenbar eher Beispielcharakter. Aus Sicht des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg gibt es bislang keine Bedenken. Das Projekt sei im Bezirk willkommen, das Verfahren liege im Zeitplan, heißt es im Büro der Bauamts.

Ein auf dem Grundstück bestehendes Backsteingebäude (Gotenstraße Ecke Tempelhofer Weg) wird nicht in die Pläne des Entwicklers einbezogen, es bleibt vielmehr im Eigentum der Projektgesellschaft. Das 1926 errichtete einstige Bewag-Verwaltungs- und Fertigungsgebäude steht unter Denkmalschutz. Es ist derzeit an Unternehmen aus der Musikbranche, die NC Group (Dienstleistungen im Mobil- und Festnetzbereich) sowie zum Teil noch an Vattenfall vermietet. Sonst ist das Teilgrundstück so gut wie frei von Bebauung, abgesehen von einigen Schuppen und dem Materiallager eines Gerüstbauers.

Konzeptverfahren für Baugruppen, Genossenschaften und soziale Träger

Befürchtungen, neben einem Müllplatz Quartier beziehen zu müssen, brauchen künftige Mieter nicht zu haben. Der Recyclinghof der Berliner Stadtreinigung (BSR) auf dem angrenzenden Grundstück am Tempelhofer Weg werde bis spätestens 2020 aufgegeben, versichert BSR-Sprecherin Sabine Thümler.

Ob und in welcher Form das landeseigene Unternehmen das Gelände dann weiter nutzen werde, stehe noch nicht fest. Ganz ausschließen mag Thümler nicht, dass das Grundstück schlussendlich verkauft wird. Ein Ersatzstandort für den Recyclinghof sei derzeit nicht in Sicht. Wahrscheinlich werde der nächstgelegene Hof an der Tempelhofer Gradestraße modernisiert und bei Bedarf etwas erweitert.

Über die Vergabe eines zirka 4000 Quadratmeter großen Grundstücks südlich des Tempelhofer Wegs ist noch keine Entscheidung gefallen. Die Fläche ist unterteilt in vier Parzellen, die die Berliner Immobilienmanagement GmbH im Rahmen von vier Konzeptverfahren an Baugruppen, Wohnungsbaugenossenschaften und soziale Träger vergibt. Es bekommt also nicht der Meistbietende den Zuschlag, sondern derjenige mit dem besten Nutzungs- und Bebauungskonzept. Der darf dann den Marktwert bezahlen.

Die Bewerbungen sind eingereicht, mit einer Entscheidung ist Ende Oktober zu rechnen. Hoffnung auf ein Teilstück hegt eine Initiative, die mithilfe des „Mietshäuser Syndikats“ günstige Wohnungen bauen möchte.

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