Solarenergie : Anstehende Förderkürzung

Das Sonnenlicht überstrahlt Pläne, die im Dunkel liegen. Noch lohnen sich Solaranlagen: Die Preise sind schneller gesunken als die Einspeisevergütung.

Simone A. Mayer
Die schwarzen Scheiben auf den Dächern gehören vielerorts schon zum Landschaftsbild. Doch Scheibe ist nicht gleich Scheibe: Solarkollektoren unterstützen durch das Einfangen der Sonnenenergie die Raumheizung oder das Erhitzen des Wassers.
Die schwarzen Scheiben auf den Dächern gehören vielerorts schon zum Landschaftsbild. Doch Scheibe ist nicht gleich...Foto: dapd

Nach dem Rekordzuwachs bei neuen Solaranlagen wird es im Juli eine automatische weitere Förderkürzung geben. Die angemeldeten Anlagen im Oktober (etwa 490 Megawatt), November (ca. 660 MW) und Dezember 2011 (ca. 3000 MW) würden zu einer Senkung von mindestens 12 Prozent führen, teilte die Behörde am Montag in Bonn mit. Wahrscheinlich sei aber eine Senkung der Förderung um 15 Prozent zum 1. Juli. Dafür müssten von Januar bis April nur noch Anlagen mit einer Leistung von etwa 225 MW gemeldet werden, sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth.

Mit rund 7500 Megawatt wurden 2011 so viele Anlagen wie nie zuvor gemeldet – der Dezember ist dabei bei neuen Solaranlagen der bisher stärkste Monat aller Zeiten. Als Grund wird unter anderem angeführt, dass es zum Januar eine Förderkürzung um 15 Prozent gab. Derzeit werden je Kilowattstunde Solarstrom 24,43 Cent Vergütung gezahlt. Da wegen einer Flutung des Marktes mit billigen Modulen aus China die Preise stark gefallen sind, halten viele Koalitionspolitiker die Förderung immer noch für zu hoch.

Kurth kritisierte indirekt das System einer automatischen Absenkung der Förderung, wenn eine bestimmte Anzahl neuer Anlagen ans Netz geht: „Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass der Stichtagsmechanismus dazu beiträgt, den Zubau an Fotovoltaikanlagen kurz vor einer Förderkürzung deutlich zu verstärken.“ Dieser Effekt konterkariere das Ziel des Gesetzgebers, die Kosten der Förderung der Solarenergie zu begrenzen. Trotz der Förderkürzungen habe sich der Zubau der Fotovoltaik nicht verlangsamt. „Aus dieser Entwicklung Schlüsse zu ziehen, ist aber Sache des Gesetzgebers“, sagte Kurth.

Der Kauf eines Sonnenkollektors lohnt sich trotz der seit Jahresbeginn um vier Cent je Kilowattstunde gesunkenen Vergütung. Denn die Anlagen werden immer preiswerter, sagt Holger Krawinkel, Energieexperte des Bundesverbands Verbraucherzentrale in Berlin. Insbesondere die Preise für Solarstromsysteme sind zuletzt gefallen. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) ermittelte, dass fertig installierte Aufdachsolarstromanlagen mit bis zu 100 Kilowatt Peakleistung 2011 mehr als 58 Prozent billiger waren als fünf Jahre zuvor. Grund für den Preisverfall ist der wachsende Markt, erläutert BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten König. Durch höhere Absatzzahlen ist nun Massenfertigung möglich.

Die schwarzen Scheiben auf den Dächern gehören vielerorts schon zum Landschaftsbild. Doch Scheibe ist nicht gleich Scheibe: Solarkollektoren unterstützen durch das Einfangen der Sonnenenergie die Raumheizung oder das Erhitzen des Wassers. Das wirkt sich positiv auf den Öl- oder Gasverbrauch aus. Solarmodule von Fotovoltaikanlagen liefern elektrische Energie. Wird mehr produziert, als gebraucht wird, was gerade im Sommer der Fall ist, wird der Strom in das allgemeine Netz eingespeist.

Für die Stromproduktion gibt es eine Einspeisevergütung: Der Staat garantiert dem Stromversorger über einen Zeitraum von 20 Jahren eine gleichbleibende Zahlung. Seit Anfang Januar sind das vorläufig 24,43 Cent je Kilowattstunde – eine Summe, mit der Verbraucher gut den Ertrag planen könnten, sagt Hans Weinreuter von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. „Man kennt die Bedingungen und weiß, was man 20 Jahre lang bekommt.“ Das Gute derzeit: „Die Anlagenpreise sind schneller gesunken als die Einspeisevergütung“, sagt Krawinkel.

Wer sich für eine Solarwärmeanlage entscheidet, bekommt vom Staat eine Unterstützung beim Kauf der Technik – aber nur für die Nachrüstung von Altbauten. Auch diese Summe wird in diesem Jahr gekürzt. Künftig gibt es für Solarkollektoren zur Warmwasseraufbereitung und Raumheizung mit einer Fläche bis zu 40 Quadratmetern einen Zuschuss von 90 Euro pro Quadratmeter.

Der Förderantrag kann beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) erst eingereicht werden, nachdem eine Anlage auf dem Dach montiert wurde – spätestens aber sechs Monate nach Inbetriebnahme. Rechnungen sowie Montagebestätigung müssen vorgelegt werden. „Hier war es schon nicht mehr so rosig mit der Wirtschaftlichkeit, und es wird noch schlechter“, sagt Weinreuter. Denn mit Solarthermie spart man Öl oder Gas.

„Man kann aber keine Annahmen treffen, wie sich deren Preise in den kommenden 10, 20 Jahren entwickeln und somit auch nicht sagen, wie viel man künftig sparen wird.“ Ob sich eine der beiden Anlagenvarianten lohnt, kommt laut dem BSW letztlich auch auf die örtlichen Bedingungen an: Wohin zeigt das Dach? Welchen Neigungswinkel hat es? Fällt der Schatten von Bäumen darauf, und wie hoch wachsen Bäume neben dem Haus noch? Gibt es eine Baulücke nebenan? Pauschale Antworten darauf gebe es nicht.

Auch der Standort ist entscheidend: Die Sonneneinstrahlung auf die Anlage variiert in Deutschland von Standort zu Standort stark. „Es gibt grundsätzlich ein Nord-Süd-Gefälle“, sagt Weinreuter. „Aber auch in Schleswig-Holstein gibt es Orte, die erstaunlich viele Sonnenstunden haben.“ Laut BSW erreichen Bremen und Hamburg, aber auch Teile von Rheinland-Pfalz im Jahr nur bis zu 950 Kilowattstunden pro Quadratmeter. In Teilen Mecklenburg-Vorpommerns können Anlagen mehr als 1050 erzielen, in Bayern sind stellenweise bis zu 1200 möglich.

Diese Werte hat der BSW im Internet unter www.solartechnikberater.de/technikberatung/ dargestellt – dort kann jeder Interessierte auch die mögliche Stromproduktion berechnen. Wer mit der Anschaffung einer Anlage liebäugelt, sollte weitere Berechnungen und Angebote von mehreren Fachfirmen einholen und diese von einem Energieberater überprüfen lassen, raten die Experten. Oftmals lohnen sich die Anlagen auch, wenn es nur um eine kleine Unterstützung bei der Kostenersparnis geht.

(dpa)

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